BER-Eröffnungsdatum Was bis zum Oktober 2020 noch alles passieren kann

Jetzt aber wirklich: Der Aufsichtsrat hat sich auf einen Termin für die Eröffnung des Hauptstadtflughafens BER festgelegt. Es kann noch ziemlich teuer werden.

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Als Fan des Berliner Krisenprojekts BER ist der streitbare Flughafenplaner Dieter Faulenbach da Costa nicht bekannt. Glaubt man seinem Urteil, dann wird es mit dem einst als Tor zu Deutschland und seiner Hauptstadt gepriesenen Flughafen nie was.

"Jeder Eröffnungstermin ist das Papier nicht wert, auf dem er steht", sagt er.

Die Berliner Flughafengesellschaft sieht das natürlich ganz anders. Jetzt steht ein neuer Termin fest. Nein - nicht im kommenden Frühling, nicht einmal 2018. Dafür aber im Oktober 2020, also in knapp drei Jahren.

Das ist natürlich noch lange hin, aber manch ein Berliner ist tatsächlich froh, dass es inzwischen überhaupt wieder ein konkretes Datum gibt. Dazu gehören auch die Vertreter der regionalen Wirtschaft, die jeden Tag, den der Hauptstadtflughafen später öffnet, für einen Tag der verschenkten Chancen halten.

Man denke nur, was wohl so alles passiert sein wird, wenn in Berlin-Schönefeld dereinst die ersten Maschinen starten: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft könnte noch einmal Welt- und sogar Europameister geworden sein (es gibt den einen oder anderen Experten, der diese Sensation sogar für wahrscheinlicher hält, als dass der BER tatsächlich eröffnet). Im Oktober 2020 stehen die USA auch schon wieder kurz vor der Wahl eines neuen Präsidenten (wenn sie sich nicht schon vorher von Donald Trump erlösen). Ja, und Deutschland hätte bis dahin definitiv eine neue Regierung (wenn auch einige Auguren überzeugt sind, dass die bis dahin schon wieder zerfallen ist).

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Flughafen BER: Chronik eines Baudesasters

Aber werden wir wieder ernst: Der neue Fertigstellungstermin enthält - abgesehen von der Tatsache, dass das gesamte Projekt dann fast 14 Jahre Bauzeit in Anspruch genommen hätte - auch einige weitere wirklich schlechte Nachrichten. Denn die Zeit ist zu lang, als dass sie ohne Umbaumaßnahmen an den alten Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld zu überbrücken wäre.

Faulenbach da Costa zufolge wird der innerstädtische Flughafen Tegel die größte Baustelle. Der Planer, der bereits zahlreiche Flughäfen weltweit beraten hat, hält den Sanierungsrückstau schon jetzt für enorm: "Engpässe überall, eine katastrophale Abfertigung und erhebliche Lärmprobleme." Eine Zumutung sei das für Passagiere und Fluglinien.

SPIEGEL ONLINE, dpa

Doch trotz der Probleme plädiert der Experte dafür, Tegel auch nach der Eröffnung des BER in Betrieb zu halten. Ebenso wie die Berliner Bürger, die sich im September in einem Volksentscheid für einen Weiterbetrieb ausgesprochen haben, obwohl Tegel rechtlich nur noch bis zu einem halben Jahr nach der Eröffnung des BER laufen darf. Das Argument der Befürworter: Der BER sei für den heutigen Bedarf viel zu klein und werde die Nachfrage allein nie bedienen können.

Unmittelbar neben der Großbaustelle BER liegt der zweite leidlich funktionsfähige Flughafen Berlins: Schönefeld. Der soll jetzt für 35 Millionen Euro modernisiert und erweitert werden - doch Insider halten den Betrag für vollkommen unzureichend. Ein Ex-Manager, der lange Zeit Verantwortung für die Flughäfen trug und anonym bleiben will, rechnet damit, dass an beiden Standorten bis zur Eröffnung des BER Hunderte Millionen Euro in Sanierung und Modernisierung gesteckt werden müssen.

Außerdem glaubt er, dass der Fluglärm jeweils zunehmen wird. Bislang nutzten die Fluggesellschaften nämlich nicht zu jeder Zeit die zugelassene Höchstzahl an Flügen. Diese Täler würden in den nächsten Jahren aufgefüllt. Und selbst wenn der BER irgendwann öffnet, sei dort wegen bereits geplanter Erweiterungen bis 2040 "Land unter".

Apropos Fluglärm: Wenn der BER erst nach 2019 den Betrieb aufnimmt, haben die Anwohner Anspruch auf zusätzliche umfangreiche Lärmschutzmaßnahmen, weil dann strengere Vorschriften wirksam werden: Schallschutzfenster, oder auch eine neue Dämmung.

Das könnte teuer werden. Der Berliner Senat schätzte vor dem Volksentscheid über Tegel, dass der Lärmschutz etwa 400 Millionen Euro kosten könnte. Ob dem tatsächlich so ist, oder ob es noch viel teurer wird, kann niemand mit Sicherheit sagen, denn erst müssen neue Schallschutzzonen definiert werden.

Mit Material von AFP

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