Abschied von Berlins Flughafen Tegel Bye bye TXL

Samstagabend hob der letzte Lufthansa-Flug am Flughafen Tegel ab. Für viele Gäste war das ein emotionaler Moment. Und der Airport präsentierte noch mal deutlich alle seine Unzulänglichkeiten.
Abschied mit Fontäne: Der letzte Lufthansa-Flug verlässt Tegel

Abschied mit Fontäne: Der letzte Lufthansa-Flug verlässt Tegel

Foto: Fabian Sommer / dpa

Der letzte Flug der Lufthansa von Berlin-Tegel hat noch gar nicht abgehoben, als der Flughafen zum Abschied noch mal seine Unzulänglichkeiten präsentiert. Ausweichen im Terminal ist nur schwer möglich, so eng sind seine Gänge. Vor der Sicherheitskontrolle an Gate Doppel-Null herrscht Stau. Der Wartebereich ist hoffnungslos überfüllt, weil er auf ein volles Langstreckenflugzeug nicht ausgelegt ist, sogar vor den Toiletten gibt es eine Schlange. Die Vielfliegerlounge ist vor der Sicherheitskontrolle, das hat Seltenheitswert auf der Welt.

DER SPIEGEL

Und trotzdem ist es für die, die gekommen sind, ein Moment voller Emotionen, als die Fluggastbrücke knarzend an den Lufthansa-Airbus A350 herangerückt wird. Es ist der letzte Flug der Lufthansa vom Flughafen Tegel. Und das Finale des letzten regulären Betriebstags am Flughafen Otto Lilienthal. Deshalb fliegt Lufthansa auch mit dem für die Strecke ungewöhnlichen Langstreckenflieger. 

Letzter Tag für Tegel: Geht kein Flug nach nirgendwo

Letzter Tag für Tegel: Geht kein Flug nach nirgendwo

Foto: Soeren Stache / dpa

Passagiere sind an diesem Abend Luftfahrtenthusiasten, Neugierige und ein paar Leute, die einfach nur von Berlin nach München fliegen wollen. Es werden Geschichten aus dem Airlinebetrieb ausgetauscht, welche Ecke der Besucherterrasse den besten Platz bot, wohin der erste Flug als Kind von Tegel aus ging und welche Devotionalien man sich noch sichern könnte. Ein ehemaliger Mitarbeiter der Lufthansa Technik erzählt, wie in den frühen Zweitausendern mal das Telefon klingelte und Donald Trump dran war. Der habe wissen wollen, ob er lieber eine Boeing 757 oder eine Boeing 767 als Flugzeug nehmen solle. 

Im engen Gate-Warteraum singen ein paar Mitarbeiter ein Ständchen, der Kapitän gibt Interviews und erzählt von seinem ersten Flug nach Tegel 1990. Die skurrilste Kleidung an diesem Abend trägt Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Er hat sich eine gelbe Warnweste übergeworfen, als er in der Business-Class-Kabine des Lufthansa A350 steht. So weit, so Flughafen. Doch auf dem Rücken seiner Weste steht in riesigen Lettern seine Funktion: CEO. Ein paar Leute schmunzeln. 

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Ziemlich genau 30 Jahre ist es her, dass der erste Jet der Lufthansa, ein Airbus A310-300, in Tegel landete. Zuvor war das nicht erlaubt, weil die DDR keine Linienflugzeuge aus der Bundesrepublik über ihrem Luftraum tolerierte. Das Polizeiorchester spielte damals  "Das ist die Berliner Luft" im Marschrhythmus, der Pilot winkte aus dem Fenster, und der damalige Lufthansa-Chef Heinz Ruhnau strahlte. Es herrschte Aufbruchstimmung. Der Kranich war wieder in der Stadt, in der sein Vorläufer 1926 als "Luft Hansa" gegründet wurde.  

Heinz Ruhnau ist dieses Jahr gestorben. Er prognostizierte damals, dass Tegel nun endlich auch Drehscheibe werden könne – und hatte damit unrecht. Berlin blieb eher Umschlagplatz für den Easyjet-Jetset. Mancher Berlin-Reisende, der hier in den vergangenen Jahren ankam, sparte sich sogar das Hotel, feierte stattdessen die Nacht durch und ging verkatert am nächsten Tag zu seinem Flug zurück nach Hause. Die begehrten Geschäftsreisenden mit den teuren Tickets kamen nicht in ausreichender Zahl, als dass sich Direktverbindungen gelohnt hätten. Eine Lufthansa-Verbindung von Tegel nach Washington wurde im Strudel der Terroranschläge vom 11. September 2001 schnell wieder eingestellt. Auch dass Berlin mit dem BER jemals ein Drehkreuz  werden wird, gilt als äußerst unwahrscheinlich. Es gibt zum Start genau eine Langstreckenverbindung – und die ist genau genommen gar keine.

Der Airbus setzt sich in Bewegung, die Flughafenfeuerwehr gibt per Wasserfontäne ein letztes Geleit. Viele Passagiere haben ihre Monitore am Sitz eingeschaltet und verfolgen das Spektakel über die Kamera im Heckleitwerk. Fast jeder Sitz ist belegt, eine Buchungslage, von der Lufthansa dieser Tage sonst nur träumen kann. Als die Maschine abhebt, winkt der Pilot mit den Flügeln, indem er sanfte Kurven fliegt. Das Handy eines Passagiers klingelt im Steigflug, ein paar Leute klatschen. Der Flug verläuft ereignislos, bis die Piloten die Maschine im dichten Nebel in München landen. Der Kapitän sagt zu seinem Ersten Offizier, nachdem er den Jet in die Parkbucht manövriert hat: "Das war dann also Leipzig." Augenblicke später bemerkt er seinen Fehler. 

Flughafenmitarbeiter formieren auf dem Rollfeld das Kürzel "TXL"

Flughafenmitarbeiter formieren auf dem Rollfeld das Kürzel "TXL"

Foto: Thomas Koehler/photothek.de / imago images/photothek

Immerhin ein Flugzeug der Lufthansa wird wohl vorerst in Berlin-Tegel bleiben. Es ist eine Boeing 707, sie steht im südwestlichsten Zipfel des Flughafens. Sogar einen Berliner Bären trägt die Maschine in damaliger Lufthansa-Lackierung am Rumpf. Die historische Langstreckenmaschine mit der Registrierung D-ABOC war ein Geschenk von Boeing an Lufthansa; sie flog vorher für die israelische Linie El Al und kam 1986 mithilfe eines Tricks nach Berlin-Tegel. Seitdem steht der adipöse Oldie am Flughafen und diente der Flughafenfeuerwehr als Übungsobjekt. Was mit ihr passiert? Unklar.

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