Quartalsbericht Flughafenchaos kostet TUI den Gewinn

Der Reisekonzern TUI hat im vergangenen Quartal deutlich von der wiedererstarkten Nachfrage nach Flugreisen profitiert. Doch dann fehlte das Personal an den Flughäfen.
TUI-Reisebüro: Noch nicht alle Probleme gelöst

TUI-Reisebüro: Noch nicht alle Probleme gelöst

Foto: Soeren Stache / dpa

Zusatzaufwand durch Flugausfälle in Großbritannien haben den Touristikkonzern TUI den ersten Betriebsgewinn nach der Coronakrise gekostet. Rund 200 Streichungen, vor allem am Flughafen Manchester, hätten im abgelaufenen Quartal mit 75 Millionen Euro zu Buche geschlagen, teilt das Unternehmen mit: »Ohne diese Zusatzkosten läge das bereinigte Konzern-Ebit bei 48 Millionen Euro und wäre damit das erste profitable Quartal seit Beginn der Pandemie.«

Weniger als ein Prozent des Sommerprogramms sei dem Chaos an Flughäfen aufgrund des akuten Personalmangels zum Opfer gefallen. TUI selbst hätte 96 Prozent aller Gäste pünktlich oder nur leicht verspätet an die Urlaubsorte gebracht. Die Störungen des Flughafenbetriebs seien jetzt hoffentlich vorbei, sagte Finanzchef Sebastian Ebel.

Der TUI-Manager übernimmt Ende September die Führung des Konzerns, nachdem der langjährige Chef Fritz Joussen auf eigenen Wunsch vorzeitig ausscheidet. Es seien noch nicht alle Probleme gelöst, sagte Joussen mit Blick auf die hohe Verschuldung und die Verluste, die durch Reisebeschränkungen während der Pandemie angefallen waren. »Aber die Krise an sich ist durchgestanden, das war mir ein Anliegen.«

Nachfolger Ebel erklärte, die Rückkehr zu profitablem Wachstum sei jetzt das oberste Ziel. Strategische Veränderungen strebe er nicht an, der schon eingeschlagene Weg werde weitergegangen – mit hochwertigen Angeboten und dem Ausbau der Aktivitäten-Plattform Musement.

Hoffen aufs Schlussquartal

Insgesamt sieht sich der Reiseriese weiter auf Erholungskurs nach dem Einbruch durch die Coronapandemie seit 2020. »Der Reisesommer der TUI wird stark, mit Kapazitäten nahezu auf dem Vorkrisenniveau 2019. Wir erwarten ein signifikant positives bereinigtes Ebit für das Gesamtjahr«, sagte Ebel. Das saisonal stärkste Quartal von Juli bis September werde vom Ergebnis her stark positiv in allen Geschäftsfeldern, erklärte der künftige Finanzchef Matthias Kiep. Denn nach neun Monaten ist noch ein operativer Verlust von 630 Millionen Euro auszubügeln.

Von April bis Juni, das dritte Geschäftsquartal von TUI, war der Umsatz bei rund fünf Millionen Kunden mit 4,4 Milliarden Euro fast siebenmal so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Neben der starken Erholung der Buchungen trugen dazu auch um 18 Prozent gestiegene Preise bei. Denn die Urlauber gönnten sich höherwertige Leistungen der Hotels und längere Aufenthalte.

Vor Steuern und Zinsen fiel ein Fehlbetrag von 27 Millionen Euro an. Unter dem Strich machte das Unternehmen einen Quartalsverlust von 331 Millionen Euro. Nach neun Monaten machte der weltweit größte Reisekonzern eine Milliarde Euro Nettoverlust bei 8,9 Milliarden Euro Umsatz.

Vor dem Hintergrund der stärkeren Teuerungsraten und Treibstoffkosten will der neue TUI-Chef die Preise in den kommenden Jahren erhöhen. Es werde eine moderate Anhebung der Hotelpreise geben, kündigte Ebel an. »Das führt auch zur Erhöhung des Reisepreises.« Der Reiseveranstalter sei bei der Kapazitätsplanung mit Blick auf mögliche Effekte der Inflation auf die Nachfrage vorsichtig. Die Verbraucher verzichteten aber im seltensten Fall auf Urlaub, sie zögen womöglich aber nähere Reiseziele den teureren Fernstrecken vor.

mik/Reuters
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