Rheinland-Pfalz Flughafen Frankfurt-Hahn ist insolvent

Vor der Coronakrise war Frankfurt-Hahn nach eigenen Angaben der zehntgrößte Passagierflughafen in Deutschland – jetzt ist der Airport insolvent. Das teilte das Amtsgericht Bad Kreuznach mit.
Ein Terminal am Flughafen Frankfurt-Hahn

Ein Terminal am Flughafen Frankfurt-Hahn

Foto: Markus Mainka / picture alliance

Die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH im Hunsrück hat Insolvenz angemeldet. Hahn-Betriebsleiter Christoph Goetzmann bestätigte, der Insolvenzantrag sei beim Amtsgericht Bad Kreuznach eingereicht worden. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte das Gericht den Frankfurter Anwalt Jan Markus Plathner. Zuvor hatte die »Wirtschaftswoche« über den Vorgang berichtet.

Der Flughafen Hahn gehört zu 82,5 Prozent dem chinesischen Großkonzern HNA. Das Unternehmen hatte die Anteile 2017 für rund 15 Millionen Euro vom Land Rheinland-Pfalz erworben. Die restlichen 17,5 Prozent liegen nach wie vor beim Land Hessen. Zuletzt hatte die Festnahme der Führungsspitze des finanziell angeschlagenen HNA-Konzerns durch chinesische Behörden für Aufsehen gesorgt. Der Flughafen im Hunsrück betonte seinerzeit, dies habe keine Auswirkungen auf den eigenen Betrieb. Der Flughafen sei auf gutem Kurs, hieß es Anfang Oktober.

Ryanair fährt Betrieb herunter

Der Flughafen Hahn hatte zuletzt Zuwächse beim Frachtgeschäft verbucht, dabei profitierte der einstige US-Militärflughafen unter anderem vom Boom des Onlinehandels und von Container-Engpässen im Seegeschäft. Beim Passagiergeschäft musste der Hahn dagegen immer wieder Rückgänge hinnehmen, auch schon vor den Corona-Reisebeschränkungen 2020. Einst zählte der Regionalflughafen jährlich bis zu vier Millionen Passagiere, davon ist er mittlerweile weit entfernt. Auch der Platzhirsch im Passagiergeschäft am Hahn, der irische Billigflieger Ryanair, verringerte sein Angebot im Hunsrück und verlagerte Flüge an benachbarte, größere Flughäfen.

Goetzmann betonte Anfang Oktober, den Flughafen Hahn ohne Beihilfen und ohne Kurzarbeit durch die Coronapandemie gesteuert zu haben. Die Flughafen-Geschäftsführung erwartete laut ihrem im Bundesanzeiger veröffentlichten Bericht für 2020 nichtsdestotrotz einen Fehlbetrag. Je nach Verlauf der Pandemie plane man, »dass bis zum Jahr 2024 ein positives Konzernjahresergebnis erreicht werden kann«, hieß es darin. Danach dürfen Flughäfen gemäß EU-Recht generell keine staatlichen Subventionen mehr bekommen.

Ein Rechtsstreit um Steuergeld in Millionenhöhe für den Flughafen Frankfurt-Hahn war in diesem Sommer entschieden worden. Seinerzeit wies der Europäische Gerichtshof (EuGH) eine Klage von Lufthansa zurück. Der EuGH bestätige damit ein vorangegangenes Urteil. In dem Streit ging es um staatliche Beihilfen seit 1997 für den Hunsrück-Flughafen und um Verträge mit Ryanair über Flughafenentgelte.

jlk/beb/dpa
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