Germania-Pleite Die Politik versagt, der Verbraucher zahlt drauf

Die nächste Airline, die nächste Insolvenz: Diesmal trifft es die Passagiere der Germania. Der Fall zeigt, wie wenig sich die Politik um die Rechte der Fluggäste kümmert - und damit vor allem der Lufthansa hilft.


Die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion brachte es auf den Punkt: "Der erhöhte Wettbewerbsdruck kann im Ergebnis zu weiteren Insolvenzen führen", warnten Beamte des Verkehrsministeriums erst Mitte Oktober.

Gut drei Monate später hat sich die Prophezeiung erfüllt. Wieder ist in Deutschland eine Fluggesellschaft Pleite, wieder müssen Tausende gestrandete Passagiere zurückgeholt werden, wieder jammern Flughafenchefs über entgangenes Geschäft.

Anders als im Fall Air Berlin springt bei der nun pleitegegangenen Germania jedoch nicht die Bundesregierung mit einem dreistelligen Millionenkredit ein. Wettbewerber wie TUIfly, Condor oder die Lufthansa mit ihrer Tochter Eurowings bieten diesmal - nicht ganz uneigennützig - ihre Hilfe an, um die gestrandeten Germania-Gäste zurückzuholen. Im Hochsommer wäre das kaum möglich. Da sind sie selbst ausgebucht.

Lufthansa kann künftig höhere Preise verlangen

Glück im Unglück also? Von wegen. Was sich gegenwärtig in der Luftfahrtbranche abspielt, ist ein Drama - und eine Schande. Seit dem Aus von Air Berlin vor rund anderthalb Jahren wird in Deutschland darüber diskutiert, dass Fluggäste, ähnlich wie Pauschalreisende, gegen die Folgen einer Airline-Pleite abgesichert werden müssen. Vor allem die FDP und die Grünen machen sich dafür stark. Auch am Rand der vergangenen Luftfahrtgipfel in Berlin wurde das Thema diskutiert.

Passiert ist bislang: nichts. Die Bundesregierung verweist auf die EU-Kommission, doch die zögert. Offenbar will sie den europäischen Fluglinien nicht noch weitere Kosten aufbürden, die sich dann in den Ticketpreisen niederschlagen würden.

Profiteur dieser Untätigkeit könnte die Lufthansa sein. Wer etwas wirklich Wichtiges vorhat und auf Nummer sicher gehen will, kauft Tickets künftig wohl lieber bei ihr oder ihrer Tochter Eurowings. So wird der Marktführer mit jeder neuen Pleite noch mächtiger - und kann entsprechend höhere Ticketpreise verlangen. Für die Kunden ist auch das eine schlechte Entwicklung.

insgesamt 169 Beiträge
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maxehaxe 05.02.2019
1. "Wer auf Nummer sicher gehen will..."
"... Bucht bei der Lufthansa." Haha. Bei so einer Aussage fällt den COCKPIT-Gewerkschaftsvorständen vor lauter Lachen glatt die Trillerpfeiffe in den Champagner.
realist-1 05.02.2019
2. Wieso versagt die Politik?
Wieso versagt die Politik? In Deutschland herrscht Vertragsfreiheit und es wird niemand gezwungen bei einer Billigairline zu buchen. Wer das trotzdem tut, zumal bei einer Airline die schon lange in Schieflage ist, darf nicht die Gesellschaft dafür in Haftung nehmen. Gewinne werden privatisiert - Verluste sozialisiert - kann man auch andersherum sehen.
KlausKreuter 05.02.2019
3. Billig ist nicht immer geil
Wer ein wenig etwas von Kostenrechnung versteht, hat ein Problem mit dem was man von den Fluggesellschaften inkl. LH an Preisen bekommt. Keiner versteht was da kalkuliert wird. Mal billig, mal sauteuer und keiner wird da je richtig nachvollziehen können.
Dr. Clix 05.02.2019
4. Kerosinsteuer weltweit!
so passt auch die Versicherung in den Preis.
Niteftef 05.02.2019
5. Keine Zukunft
Das Fliegen an sich hat in dem aktuellen Maß keine Zukunft. Trotz gigantischer Subventionen und weitgehender Steuerfreiheit (eigentlich unglaublich) können die Gesellschaften sich kaum (Achtung Wortwitz) in der Luft halten. Wenn sie erstmal ihren gerechten Anteil an Allgemeinheit und Umwelt bezahlen müssen werden noch viel mehr eingehen.
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