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29. Oktober 2013, 17:19 Uhr

Verdacht auf Untreue

Skandalinvestor Wölbern ist insolvent

Von manager-magazin.de-Redakteur

Neue Wendung im Anlageskandal um den Hamburger Arzt und Investor Heinrich Maria Schulte: Nach einer Tochtergesellschaft ist nun auch das Emissionshaus Wölbern Invest insolvent. Schulte sitzt bereits in Haft, er soll Millionen abgezweigt haben.

Hamburg - Die Wölbern Invest KG in Hamburg hat Anfang dieser Woche Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Das hat nun die Rechtsanwaltskanzlei Reimer in Hamburg gegenüber manager magazin online bestätigt. Rechtsanwalt Tjark Thies von der Kanzlei wurde als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt. Bei Wölbern Invest war zunächst niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Insolvenz steht offensichtlich im Zusammenhang mit dem Anlageskandal um den Inhaber und Chef von Wölbern Invest, den Arzt und Investor Heinrich Maria Schulte. Ihm wird von der Staatsanwaltschaft Untreue in mehr als 300 Fällen vorgeworfen. Schulte soll insgesamt 137 Millionen Euro unrechtmäßig aus Fonds des Unternehmens abgezweigt haben. 37 Millionen Euro davon seien auf sein Privatkonto geflossen, so der Vorwurf. Schulte wurde im Zuge einer Razzia Ende September verhaftet und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Zu den Vorwürfen war von ihm bislang keine Stellungnahme zu bekommen. Die Behauptung, er habe unrechtmäßig Geld aus Fonds genommen, hatte er aber schon häufiger zurückgewiesen.

Vor wenigen Tagen hatte bereits die Wölbern Fondsmanagement GmbH Insolvenz angemeldet. Das Wölbern-Invest-Tochterunternehmen steht über sämtlichen Wölbern-Fonds und ist für deren Management verantwortlich.

Zudem hat kürzlich auch der Medizinverbund Endokrinologikum mit Hauptsitz in Hamburg, dessen Hauptgesellschafter Schulte ist, zum Großteil Insolvenz angemeldet. Davon sind bei dem Verbund rund 700 Mitarbeiter betroffen.

Wie sich die aktuelle Insolvenz der Wölbern Invest KG auf die Fonds auswirkt und was sie für die mehreren zehntausend betroffenen Anleger bedeutet, erscheint zunächst unklar. Insolvenzverwalter Thieß war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Nach Angaben von Bernd Depping, der vor wenigen Tagen als Sanierungsgeschäftsführer in der Wölbern Fondsmanagement GmbH eingesetzt wurde, hat die Insolvenz der KG indes "absehbar keinerlei negative Auswirkungen auf die Immobilienfonds". Er gehe vielmehr davon aus, dass er nun "größere Unabhängigkeit und weitere Handlungsspielräume beim aktiven Management der Fonds" habe, so Depping in einer Mitteilung.

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