Drohende Werksschließung Ford-Arbeiter randalieren in Köln

Sie kamen, um ihre Wut zu zeigen: Etwa 200 Ford-Beschäftigte aus dem belgischen Genk protestierten vor der Kölner Deutschland-Zentrale des Konzerns gegen die geplante Schließung ihres Heimatwerks. Die Situation eskalierte, Polizisten wurden leicht verletzt.

DPA

Köln - Aufgebrachte belgische Arbeiter des US-Autoherstellers Ford haben am Mittwoch vor der deutschen Unternehmenszentrale in Köln gegen die Schließung ihres Werks in Genk protestiert. Einige von ihnen verschafften sich gewaltsam Zutritt zum Firmengelände und randalierten dort. Drei Polizisten wurden leicht verletzt, wie ein Sprecher mitteilte. Sie erlitten durch umherfliegende Feuerwerkskörper vermutlich ein Knalltrauma. Ein Demonstrant wurde den Angaben zufolge festgenommen, weil er mit Knallkörpern warf.

Rund 200 Ford-Beschäftigte waren mit Bussen aus Belgien angereist. Sie blockierten zunächst den Eingang des Kölner Werks. Als die Polizei mit mehr als 100 Mann aus Köln und Düsseldorf anrückte, seien die Beamten von einigen Demonstranten mit Feuerwerkskörpern beworfen worden, sagte der Sprecher. Zahlreiche Arbeiter vermummten sich, legten Reifen auf die Fahrbahn und zündeten diese an. Die Situation sei eskaliert, und alle Arbeiter hätten das Firmengelände gestürmt. Einige von ihnen hätten Fenster eingeschlagen. Die Polizei nahm die Personalien der Demonstranten auf.

Am Mittag beruhigte sich laut Polizei die Lage, und die Arbeiter verließen das Werksgelände wieder. Anschließend protestierten sie vor dem Gelände. Auf einem Transparent hieß es: "Genker und Kölner Kollegen kämpfen gemeinsam gegen Arbeitsplatzabbau bei Ford." Die Versammlung vor dem Werksgelände sei als Spontandemonstration gewertet und deshalb nicht aufgelöst worden, sagte der Polizeisprecher.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt

Das Unternehmen äußerte in einer ersten Reaktion zwar Verständnis für die Verärgerung der belgischen Beschäftigten, zeigte zugleich aber Unverständnis für die Form des Protests. "Natürlich verstehen wir auf der einen Seite, welchen Einfluss unser europäischer Geschäftsplan auf die Menschen hat", erklärte Ford Deutschland. "Auf der anderen Seite sind wir enttäuscht darüber, dass einige der Protestierenden sich gewaltsam Zugang zum Werksgelände verschafft haben."

Unter der Bedingung, dass die Demonstranten das Gelände verlassen, habe Ford auf Anzeigen verzichtet, sagte eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage. Die Sachschäden seien "marginal" gewesen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt allerdings wegen schweren Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung und Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz.

Für Mittwoch und Donnerstag waren internationale Betriebsratssitzungen der Ford-Mitarbeiter in Köln geplant. Das Werk in Genk soll Ende 2014 schließen, etwa 4500 Mitarbeiter sowie 5000 Stellen bei Zulieferern sind davon betroffen. Derzeit laufen noch Gespräche zwischen Ford und belgischen Regierungs- und Gewerkschaftsvertretern, die sich mit der Entscheidung nicht abfinden wollen. Bereits Ende Oktober hatten die Ford-Mitarbeiter in Genk protestiert und vor dem Werk Autos angezündet.

Ford leidet seit geraumer Zeit unter Absatzeinbrüchen und rechnet im Europa-Geschäft für das laufende Jahr mit einem Verlust von mehr als 1,5 Milliarden Dollar. Konzernchef Alan Mulally verteidigte am Mittwoch in Berlin die Schließung von zwei Werken in Großbritannien und dem in Genk. "Das wird viele Menschen betreffen, und wir sind uns dessen bewusst", sagte er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Europa seit Bekanntgabe der Entscheidung, die insgesamt 6200 Jobs kosten dürfte. Zu den Schließungen gebe es aber keine Alternative.

stk/dapd/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 83 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Battlemonk 07.11.2012
1.
Zitat von sysopDPASie kamen, um ihre Wut zu zeigen: Etwa 200 Ford-Beschäftigte aus dem belgischen Genk protestierten vor der Kölner Deutschland-Zentrale des Konzerns gegen die geplante Schließung ihres Heimatwerks. Die Situation eskalierte, Polizisten wurden leicht verletzt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ford-arbeiter-aus-genk-randalieren-in-koeln-a-865949.html
belgien hat halt völlig überhöhte steuern und sehr hohe löhne da ist es kein wunder wenn ein werk geschlossen wird mit feuerwerken auf polizisten werfen ist da keine lösung
fitzcarraldo66 07.11.2012
2. Genau,
Zitat von Battlemonkbelgien hat halt völlig überhöhte steuern und sehr hohe löhne da ist es kein wunder wenn ein werk geschlossen wird mit feuerwerken auf polizisten werfen ist da keine lösung
die Löhne sind zu hoch, deswegen werden auch kaum noch Autos verkauft, die Menschen verdienen einfach zu viel. Erst wenn wir alle im Niedriglohnsektor arbeiten werden wieder mehr Autos verkauft, ist doch logisch.....
Plasmabruzzler 07.11.2012
3.
Zitat von sysopDPASie kamen, um ihre Wut zu zeigen: Etwa 200 Ford-Beschäftigte aus dem belgischen Genk protestierten vor der Kölner Deutschland-Zentrale des Konzerns gegen die geplante Schließung ihres Heimatwerks. Die Situation eskalierte, Polizisten wurden leicht verletzt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/ford-arbeiter-aus-genk-randalieren-in-koeln-a-865949.html
Wie daneben ist das denn? Warum gerade Köln? Ford ist ein US-amerikanischer Konzern - haben die Demonstranten keinen Kompass gehabt? Na klar, in Deutschland kann man bei Demos auch mal Krawall machen ohne bestraft zu werden.
01099 07.11.2012
4. optional
Die Belgier wissen eben wie man Unmut kundtut. Der Deutsche ruft nur ängstlich nach der Gewerkschaft, die dann ein lustiges Werkfest mit Glühwein und Musik organisiert, eventuell einen Warnstreik auf die Beine stellt und das war's dann auch schon. Nicht falsch verstehen, die Gewalt gegen Menschen lehne ich ab, aber mal einen Reifen brennen zu lassen und die Konzernzentrale zu besuchen, halte ich für legitim. Das muss man hier im Lande noch lernen, anstatt sich von der Großindustrie und Pseudo-Gewerkschaften auf der Nase herumtanzen zu lassen.
james-100, 07.11.2012
5.
Zitat von fitzcarraldo66die Löhne sind zu hoch, deswegen werden auch kaum noch Autos verkauft, die Menschen verdienen einfach zu viel. Erst wenn wir alle im Niedriglohnsektor arbeiten werden wieder mehr Autos verkauft, ist doch logisch.....
Diese Logik werden die marktradikalen, asozialen Neolibs nie begreifen. Sämtliches Vermögen, egal ob Bar- oder Sachvermögen muss einfach nach oben umverteilt werden. Nur dann kann man den Lebensstandart der kleinen Clique erhalten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.