Bestechungsvorwürfe Staatsanwaltschaft Köln ermittelt gegen Ford-Mitarbeiter

Die Spedition Schenker soll in Russland bei der Abfertigung von Ford-Frachtcontainern mit Schmiergeld nachgeholfen haben. Die Staatsanwaltschaft Köln ermittelt wegen des Verdachts nun auch gegen Mitarbeiter des US-Autobauers in Deutschland.

Ford-Stand auf der Autoshow in New York: Behördliche Untersuchung
REUTERS

Ford-Stand auf der Autoshow in New York: Behördliche Untersuchung


Die Staatsanwaltschaft Köln hat ihre Ermittlungen wegen Bestechungsvorwürfen gegen den US-Autokonzern Ford und die Bahn-Tochter Schenker in Russland ausgeweitet. Schenker-Mitarbeiter sollen im Hafen von Sankt Petersburg Zollbeamte mit einer Million Euro pro Jahr bestochen haben, um die Fracht schneller durch den Zoll zu einem nahe gelegenen Ford-Werk zu bringen.

Beschuldigt würden inzwischen nicht nur acht Mitarbeiter der Bahn-Tochter, die im Auftrag von Ford Frachtcontainer mit Autoteilen nach Sankt Petersburg transportiert hatte, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln. Unter Verdacht stünden jetzt auch zwei Ford-Beschäftigte, die bei Zeugenvernehmungen "unrunde" Angaben gemacht hätten. Außerdem ermittle die Behörde gegen einen Mitarbeiter eines russischen Subunternehmens.

Ford versicherte am Dienstag schriftlich: "Wir unterstützen im bestmöglichen Umfang jedwede behördliche Untersuchung, in die Ford einbezogen wird." Im laufenden Verfahren wolle das Unternehmen die Untersuchungen aber nicht kommentieren. Über die Vorwürfe gegen Ford berichtete zuvor die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ"). Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat sich inzwischen auch die US-Aufsichtsbehörde SEC in die Ermittlungen gegen Ford eingeschaltet, um die Staatsanwaltschaft in Deutschland zu unterstützen.

Manager des Logistikunternehmens Schenker stehen schon länger unter Korruptionsverdacht wegen mutmaßlicher Bestechungszahlungen in Russland. Bereits im September 2014 berichtete der SPIEGEL, dass jahrelang Schmiergelder in Millionenhöhe an russische Zöllner gezahlt worden sein sollen, um die Frachtabfertigung im Hafen von St. Petersburg zu beschleunigen: Aufgeflogen war der Fall, nachdem sich im April 2013 ein Insider gegenüber der Bahn offenbart hatte. Kurz darauf stellte der Konzern selbst Strafanzeige gegen unbekannt.

bos/AFP/dpa/Reuters



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