Strukturwandel Ford plant langfristigen Personalabbau

Derzeit befindet sich Ford Deutschland im Umbau. Der Schrumpfkurs des Autoherstellers soll Deutschlandchef Herrmann zufolge auch künftig weitergehen. Als Grund wird ein Wandel in der Autobranche genannt.

Gunnar Herrmann geht von einem längerfristigen Schrumpfkurs aus
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Gunnar Herrmann geht von einem längerfristigen Schrumpfkurs aus


Bei Ford Deutschland soll der Personalabbau auch nach Ende der laufenden Umstrukturierung weitergehen. Die aktuellen Maßnahmen seien nur "die erste Ebene, um eine Minimum-Profitabilität sicherzustellen und schwarze Zahlen zu schreiben - und über die Jahre wird es sicherlich zu weiteren Veränderungen kommen", sagte Ford-Deutschlandchef Gunnar Herrmann in Düsseldorf.

Er begründete den langfristigen Schrumpfkurs mit dem Wandel der Autobranche weg vom Verbrennungsmotor hin zu alternativen Antrieben wie Elektro - es werden perspektivisch also weniger reine Diesel und Benziner verkauft. Für E-Autos werden in der Fertigung weniger Menschen gebraucht. Ein Viertel des Personals in der Produktion könnte durch diesen Umbruch wegfallen. "Das wäre ein realistisches Bild", sagte Herrmann.

Derzeit hat Ford rund 24.000 Mitarbeiter als Stammbelegschaft in Deutschland, rund 18.000 in Köln und 6000 in Saarlouis. Bis 2020 sollen 5400 Stellen wegfallen - hierbei sind auch Leiharbeiter eingerechnet. Bei der Stammbelegschaft setzt das Unternehmen auf Abfindungen, Vorruhestand und Altersteilzeit - betriebsbedingte Kündigungen sind bis 2022 ausgeschlossen.

Wie viele Mitarbeiter bereits solche Verträge unterschrieben haben und die Firma verlassen, wurde nicht bekannt gegeben - spätestens 2020 soll die Zielzahl erreicht werden. Ford sei hierbei auf einem guten Weg, sagte der 59-jährige Manager.

Personalabbau soll weitergehen

Zugleich kündigte er an, dass der Personalabbau danach weitergeht. "Wenn wir 2020 unsere Zielgröße erreicht haben, haben wir für Deutschland ein Potenzial von natürlichen Abgängen in der Größenordnung von tausend Mitarbeitern pro Jahr", sagte Herrmann. "Und wenn man das fortschreibt über fünf Jahre, dann ist das eine Größenordnung, über die wir nachdenken." Mit natürlichen Abgängen ist gemeint, dass Mitarbeiter in andere Firmen wechseln oder in Rente gehen.

Europa ist für Ford ein Sorgenkind. Die hiesige Tochterfirma mit ihrer Zentrale in Köln musste 2018 ein operatives Minus von 398 Millionen Dollar hinnehmen - eine Deutschlandzahl wird nicht kommuniziert. Im ersten Quartal dieses Jahres kehrte das Unternehmen operativ gesehen in die schwarzen Zahlen zurück und verbuchte einen kleinen Betriebsgewinn von 57 Millionen Dollar. Der Trend werde sich im ganzen Jahr fortsetzen, sagte Herrmann. "Wir werden dieses Jahr definitiv schwarze Zahlen schreiben."

Während das Geschäft in anderen europäischen Staaten schwächelt, läuft es in Deutschland besser: Im Zeitraum Januar bis Mai wurden in Deutschland nach Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes rund 118.000 Ford-Pkw zugelassen und damit 6,4 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Man habe in Deutschland eine "hervorragende Performance", freute sich der Manager. In anderen europäischen Ländern schwächelt das Geschäft hingegen weiter.

brt/dpa

insgesamt 4 Beiträge
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Nordstadtbewohner 05.06.2019
1. Immer flexibel bleiben
Wenn bei Ford/ der Automobilbranche Arbeitsplätze wegfallen, entstehen dafür in anderen Bereichen/ Branchen neue. So gibt es zum Beispiel in der Altenpflege über 100000 offene Stellen. Sein ganzes Leben an einem Arbeitgeber zu kleben, ist einfach von vorgestern.
Haarfoen 05.06.2019
2. Vernünftiger Ansatz ...
Der Ansatz erscheint sehr vernünftig und zukunftsfähig. Hebt sich wohltuend vom Größenwahn der anderen Hersteller ab.
jasper366 05.06.2019
3.
Zitat von NordstadtbewohnerWenn bei Ford/ der Automobilbranche Arbeitsplätze wegfallen, entstehen dafür in anderen Bereichen/ Branchen neue. So gibt es zum Beispiel in der Altenpflege über 100000 offene Stellen. Sein ganzes Leben an einem Arbeitgeber zu kleben, ist einfach von vorgestern.
Ja und? Wenn diese Personen in der Altenpflege arbeiten wollten, wären sie ja nicht bei Ford, VW und Co.
mhuz 05.06.2019
4.
Zum einen, irgend jemand muß die Altenpfleger alle Bezahlen und nach dem auch andere Firmen von Entlassungen Reden, könnte es eng werden in den Altersheimen. Und wie sich jemand anstellt, der 20 Jahre am Band arbeitet und auf einmal Alte pflegen sollen - wird interessant.
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