Ford Im Milliardenloch

Ford kämpft mit schwacher Nachfrage in Europa und den Direktiven von der Konzernmutter in Detroit. Erst für 2016 verspricht Deutschland-Chef Bernhard Mattes wieder schwarze Zahlen.

Ford-Stand auf der Auto-Show in New York: Premium-Aufschlag ist nicht drin
REUTERS

Ford-Stand auf der Auto-Show in New York: Premium-Aufschlag ist nicht drin

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Produktpalette:

Die Modelle Fiesta und Fokus bilden die tragenden Säulen der Modellpalette, der Fiesta kann sogar den Titel des meistverkauften Kleinwagens in Europa für sich beanspruchen. Mit dem Kuga ist außerdem ein recht erfolgreicher SUV am Start. Die Großraumlimousinen C-Max und S-Max haben einen festen Kundenstamm. Anlass zu Hoffnungen bietet der neue Mondeo, der bereits seit einiger Zeit auf dem US-Markt angeboten wird. In ersten Tests schneidet der Mittelklassewagen sehr gut ab - zumal er deutlich billiger ist als der Platzhirsch Passat.

Technologie:

Die Motoren sind auf dem Stand der Technik, aber mehr als die Konkurrenz haben sie nicht zu bieten. Die Bedienung haben die Kölner dagegen bis jetzt nicht vereinfachen können. Die Cockpits sind überfrachtet mit Knöpfen und unlogischen Menüs. Die Fahrwerke von Fokus und Fiesta dagegen begeistern regelmäßig jeden Testfahrer. In dieser Disziplin spielt Ford ganz vorne mit. Derzeit arbeiten die Kölner an einer Plattform-Architektur nach dem Vorbild von Volkswagen. Der Elektroantrieb spielt auch eine Rolle, aber keine große.

Absatzmärkte:

Als Tochter eines großen US-Konzerns muss man gewisse Einschränkungen hinnehmen, da geht es Ford Europa nicht anders als Opel. So bleiben Mittel- und Osteuropa die wichtigsten Märkte. Weiteres Problem: Modelle wie der kleine SUV Ecosport werden von der Zentrale zugeteilt, und die Kölner Manager mussten mit deutlich weniger Autos vorliebnehmen, als sie hätten verkaufen können. Dagegen stockt der Absatz bei den anderen Modellen. Der traditionell starke September fiel so schlecht aus, dass für 4000 Arbeiter im Werk Köln Kurzarbeit angesagt war.

Profitabilität:

Statt einer Rendite steht für Ford Europa derzeit die Begrenzung der Verluste im Mittelpunkt. Für 2014 soll wieder ein Minus in Milliardenhöhe anfallen - nach einem Verlust von 1,6 Milliarden Dollar im Jahr 2013. Bis 2016 wird es noch dauern, dann aber verspricht Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes wieder schwarze Zahlen. Einfach wird das nicht. Anders als Premiumhersteller wie Audi oder BMW kann Ford die hohen Fertigungskosten in Deutschland nicht durch Preisaufschläge ausgleichen.

Betriebsklima:

Die Kurzarbeit im Werk Köln hat in der Belegschaft nicht eben Euphorie ausgelöst. Doch Vorstandschef Mattes steht für Kontinuität: Dass die Fiesta-Produktion überhaupt in Köln blieb, anstatt in die Fabrik im rumänischen Craiova verlagert zu werden, rechnen viele Arbeiter ihm an - auch wenn sie dafür schmerzhafte Zugeständnisse machen mussten.



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