Forderung des Wirtschaftsministers Brüderle reicht eine Landesbank

Für radikale Fusionen bei den deutschen Landesbanken hat sich Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle ausgesprochen. Ihm schwebe ein zentrales Institut vor, das die Aufgaben der einzelnen Kreditanstalten übernimmt. Der Bundesverband Öffentlicher Banken reagierte empört.

Rainer Brüderle: Der Bundeswirtschaftsminister vor einer Kabinettssitzung im Dezember
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Rainer Brüderle: Der Bundeswirtschaftsminister vor einer Kabinettssitzung im Dezember


Berlin - Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat eine erneute Diskussion um radikale Reformen bei den Landesbanken angestoßen. "Aus meiner Sicht würde eine Landesbank völlig ausreichen", sagte er in der Montagsausgabe des "Tagesspiegel". "In dem ganzen Sektor sollte es endlich zu einer Neuordnung kommen."

Der Minister stieß damit auf scharfe Kritik des Bundesverbandes Öffentlicher Banken (VÖB), der Radikalreformen energisch zurückwies. VÖB-Sprecher Stephan Rabe sagte dem "Tagesspiegel", es wundere ihn sehr, "dass ein Minister, der sich eigentlich um den Mittelstand zu kümmern hat, Vorschläge macht, die die Mittelstandsförderung massiv beschädigen würden".

Zwar müsse über neue Strukturen nachgedacht werden. Dies dürfe aber nicht in einer Art Panikreaktion geschehen. Die Landesbanken seien für die Finanzierung von mittleren und großen Unternehmen "in ihrer Regionalstruktur absolut unverzichtbar", sagte Rabe. Ein zentrales Institut, wie es dem Bundeswirtschaftsminister offenbar vorschwebe, könne das dafür notwendige Kreditvolumen nicht annähernd aufbringen, erklärte der Verbandssprecher.

Landesbanken in der Krise

Zahlreiche Landesbanken hatten sich in der Finanzkrise zum Milliardengrab entwickelt. Mehrere mussten massiv von ihren Eignern gestützt werden. Die BayernLB, der der Freistaat mit zehn Milliarden Euro geholfen hatte, rechnet für 2010 erneut mit mehr als einer Milliarde Euro Verlust. Die größte deutsche Landesbank LBBW in Baden-Württemberg bekam eine Kapitalspritze von fünf Milliarden Euro und Garantien für Risiko-Papiere in Höhe von 12,7 Milliarden Euro von ihren Eigentümern.

Auch die deutlich kleinere Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein, die HSH Nordbank, hatte sich in der Finanzkrise verspekuliert und musste mit drei Milliarden Euro von den Ländern gerettet werden.

Landesbanken sind Kreditinstitute in öffentlicher Hand: Eigentümer sind in der Regel Bundesländer sowie Sparkassen- und Giroverbände.

Kunden sind Betriebe und Wirtschaftsunternehmen aller Größenordnungen. Darüber hinaus sind die Landesbanken bei Geldangelegenheiten erster Ansprechpartner für Gemeinden, Städte und Landkreise. Landesbanken decken das übliche Bankgeschäft ab, richten sich üblicherweise aber nicht an kleine Privatkunden.

rom/APD/dpa



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wasissn, 03.01.2010
1. ...aber dann
würden doch dutzende hochdotierter und haftungsbefreiter Versorgungsposten verloren gehen?
sir_henry 03.01.2010
2. Ja wo der Bruederle Recht hat, hat er recht
Zitat von wasissnwürden doch dutzende hochdotierter und haftungsbefreiter Versorgungsposten verloren gehen?
Ja deshalb ja der Aufschrei in der Branche. Die Landesbanken haben sich voellig verselbstaendigt, ihre eigentliche Aufgabe, den in den deutschen Laendern ansaessigen Mittelstand mit guenstigen Finanzierungen zu versorgen aufgegeben und tummeln sich in Nachahmung grosser deutscher Privatbanken in meist niveauloser Art und Weise auf dem internationalen Parkett. So habe ich z.B. die WestLB in Moskau erlebt, die margenhaschenderweise jedem Russen hinterhergelaufen ist, der von einem groesseren Projekt laut getraeumt hat. Insofern kann man die Idee des Herrn Bruederle nur unterstuetzen : den Apparat deutlich stutzen (auf die paar reichen Arbeitslosen kommt es unterm Strich eh´nicht mehr an) und an die originaeren Aufgaben zurueckfuehren. Die ueppigen Immobilien im Ausland zur Refinanzierung der Staatsverschuldung heranziehen und die meist faulen auslaendischen Kredite in eine Bad-Bank schieben.
widekind 03.01.2010
3. Ohne Banken kein Verband
Mit keiner oder nur einer Landesbank braucht es keinen Landesbankenverband mehr. Da kämpft dessen Sprecher wohl zuerst um seinen eigenen Arbeitsplatz - nicht verboten, aber auch keine Allgemeinwohl-Argument.
Dr_Lecter 03.01.2010
4. Einheitspartei
Nächste Vorschläge von Herrn Brüderle: - Es reicht auch eine Privatbank - Es reicht eine Krankenkasse - Es reicht eine Gemeindeverwaltung für ganz Deutschland - Es reicht dann überhaupt eine Verwaltung für alles - Es reicht auch eine Versicherung - Es reicht ein Automobilbauer - Natürlich reicht auch ein Lebensmittelhersteller usw. Donnerwetter, man könnte meinen, Herr Brüderle ist Mitglied der (sozialistischen) Einheitspartei Deutschlands - SED. Wo bleibt da das Freiheitliche (der Länder). Übrigens: Was hat ein Bundesminister mit Landesbanken zu tun? Warum schwätzt er darüber? Zu viel Wein intus - noch verkatert von Sylvester? Gut, dass Herrn Brüderle niemand ernst nimmt - weder in der Regierung, in der Wirtschaft, in der FDP und nicht bei den Wählern. War zu erwarten, dass er - was die Unfähigkeit angeht - Herrn Glos nachfolgt!
Satiro, 03.01.2010
5. Jobabbau
Zitat von wasissnwürden doch dutzende hochdotierter und haftungsbefreiter Versorgungsposten verloren gehen?
Ganz ähnlich ist es bei den gesetzlichen Krankenkassen!
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