Formel-1-Affäre Bernie und die BayernLB

Es ist die entscheidende Frage in einem Millionengeschäft: War Bernie Ecclestone Täter oder Opfer beim umstrittenen Verkauf eines Formel-1-Aktienpakets der BayernLB? Diese Frage soll nun ein Münchner Gericht klären.
Formel-1-Boss Ecclestone: Grauer Star des Formel-1-Geschäfts

Formel-1-Boss Ecclestone: Grauer Star des Formel-1-Geschäfts

Foto: Mark Thompson/ Getty Images

München - Bernie Ecclestone, 80, hat schon bessere Wochen erlebt als die vergangene: Gleich zu Beginn war klar, dass sein Rennzirkus Formel 1 eine ungewisse Zukunft hat - zumindest auf dem traditionsreichen Nürburgring, wo das Spektakel am Wochenende zum vorläufig letzten Mal gastierte. Die rheinland-pfälzische Landesregierung will in den nächsten Jahren nur dann weitermachen, wenn Ecclestone seine Gebührenforderungen kräftig herunterschraubt.

Am Dienstag folgte dann der nächste Tiefschlag für den Formel-1-Boss, diesmal aus Bayern. Kurz bevor Ecclestone sich auf den Weg in die Eifel zum Großen Preis von Deutschland machte, verkündete die Münchner Staatsanwaltschaft, dass sie gegen Ecclestones früheren Geschäftspartner Gerhard Gribkowsky Anklage erhoben hat, einen ehemaligen Vorstand der BayernLB.

Nach Meinung der Ermittler sollen Ecclestone und seine Familienholding Bambino dem Ex-Banker ab 2006 über Schein-Beraterverträge Bestechungsgelder in Höhe von 44 Millionen Dollar zugeschoben haben, damit Gribkowsky Formel-1-Anteile seines Instituts an den Finanzinvestor CVC Capital Partners verkaufte. Der wiederum steht Ecclestone nahe. Im Gegenzug soll der Banker dem Formel-1-Chef und Bambino über Nebenabsprachen 66,5 Millionen Dollar verschafft haben. Es sind komplizierte Geschäfte, die zumindest einen klaren Verlierer gehabt haben sollen: die BayernLB.

In ihrer gut 160-seitigen Anklageschrift wirft die Behörde Gribkowsky unter anderem Untreue und Bestechlichkeit vor. Ecclestone selbst unterstellen die Staatsanwälte schon seit längerem Bestechung und Beihilfe zur Untreue. Nach SPIEGEL-Informationen wird zudem gegen gut ein halbes Dutzend weitere Vertraute und Berater aus dem Umfeld der beiden Rennsport-Verrückten wegen ähnlicher Delikte ermittelt.

Wofür bekam der Landesbanker so viel Geld?

Ob auch sie und der Formel-1-Boss sich demnächst vor einem deutschen Gericht verantworten müssen, bleibt offen. Denn für ihre zentrale These fehlen den Ermittlern nach Aussagen von Insidern bislang handfeste Beweise. Der Verdacht: Ecclestone, Gribkowsky und ihre Helfer könnten sich gezielt abgesprochen haben, die Landesbank um knapp 67 Millionen Euro zu erleichtern.

Nach Darstellung von Ecclestones Anwalt Sven Thomas gab es für die dubiosen Zahlungen aber gute Gründe. Sein Mandant habe gegenüber CVC gebürgt und auf althergebrachte Rechte verzichtet, damit der Verkauf überhaupt abgewickelt werden konnte, erklärte Anwalt Thomas bereits vor einigen Wochen.

Diese und andere Leistungen seien gegenüber Ecclestone und Bambino abgegolten worden. Außerdem habe der BayernLB-Vorstand die Überweisungen damals abgesegnet. Ähnlich äußerte sich inzwischen auch der Formel-1-Boss selbst.

Sollte diese Version stimmen, dürften die bisherigen Annahmen der Staatsanwaltschaft kaum zu halten sein. Doch warum und wofür bekam der Landesbanker Gribkowsky von Ecclestone und seinem Familientrust überhaupt das viele Geld?

Erste Hinweise lieferte der Ex-Manager selbst, als er sich kurz vor seiner Verhaftung am 5. Januar drei Staatsanwältinnen anvertraute. Er habe in seiner BayernLB-Zeit so viel Wissen über die Rennsportserie angehäuft, dass Ecclestone ihn "auf seiner Seite" haben wollte. Noch deutlicher wurde der Formel-1-Boss persönlich, als er am 6. April von den Ermittlern in München vernommen wurde. Gribkowsky habe gedroht, brisante Details über die steuerliche Gestaltung seines Firmengeflechts öffentlich zu machen, gestand er freimütig. Dadurch habe er sich erpresst gefühlt - und lieber gezahlt, um Ruhe zu haben.

Ecclestone könnte es sich leisten. Sein Privatvermögen wird auf 4,2 Milliarden Dollar geschätzt. Aber er gilt auch als sparsam.

Der graue Star des Formel-1-Geschäfts

Ende vorvergangener Woche wiederholte der Formel-1-Boss die Vorwürfe sinngemäß gegenüber einem Vertrauten, milderte sie gleichzeitig aber etwas ab. Der Bayern-Banker habe nur Andeutungen gemacht. Doch die reichten offenbar aus, um Ecclestone, in dessen Imperium zu jener Zeit gerade eine Steuerprüfung lief, zum Zahlen zu bewegen.

Gribkowskys Ex-Anwalt Reinhard Höß hatte stets bestritten, dass sein Mandant Ecclestone erpresste. Auch Gribkowskys neuer Strafverteidiger Rainer Brüssow weist die Anschuldigung vehement zurück.

Zumindest die Anklageschrift scheint ihm Recht zu geben. In ihr taucht der Erpressungsvorwurf trotz Ecclestones Aussage nicht auf. Das wird dem grauen Star des Formel-1-Geschäfts nicht ersparen, demnächst selbst in Gribkowskys Prozess vor dem Landgericht München 1 aussagen zu müssen. Als Zeuge, nicht als Beschuldigter.

Beobachter gehen davon aus, dass der Formel-1-Chef dann bei seiner Darstellung bleibt, wonach er sich von dem Bankmanager massiv bedroht fühlte. Hauptverlierer wäre in diesem Fall die Münchner Staatsanwaltschaft. Sie müsste sich nach einem neuen Kronzeugen für ihre Bestechungstheorie umsehen.

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