Prozessauftakt Medienkonzern wirft Ecclestone Milliardenbetrug vor

Die Schmiergeld-Affäre um Bernie Ecclestone wird nun vor einem Londoner Gericht verhandelt. Der deutsche Medienkonzern Constantin sieht sich von dem Formel-1-Mogul um viel Geld geprellt - und macht auch in der Schweiz Druck.

Schillernde Figur: Bernie Ecclestone am Nürburgring
Getty Images

Schillernde Figur: Bernie Ecclestone am Nürburgring


London - Zum Auftakt eines Schadensersatzprozesses vor dem High Court in London hat der Münchner Medienkonzern Constantin schwere Vorwürfe gegen Formel-1-Chef Bernie Ecclestone und seine Familien-Holding Bambino erhoben. Auf dessen Betreiben hin sei die Formel 1 beim Verkauf des BayernLB-Anteils an den Finanzinvestor CVC um eine Milliarde Dollar unterbewertet worden, sagte Constantin-Anwalt Philip Marshall. Constantin sei als Rechtsnachfolgerin des früheren Formel-1-Aktionärs EM.TV um eine Beteiligung am Verkaufserlös betrogen worden.

In dem Verfahren geht es um Schadensersatzansprüche in Höhe von 171 Millionen US-Dollar. Zu Beginn musste Ecclestone nicht persönlich erscheinen. Allerdings könnte der 83-Jährige zu einem späteren Zeitpunkt als Zeuge aussagen müssen.

Ecclestone soll den früheren BayernLB-Manager Gerhard Gribkowsky mit Hilfe von Bestechungsgeldern dazu gebracht haben, das Aktienpaket zu billig an CVC zu verkaufen. "Aus unserer Sicht war die Transaktion erheblich zum Vorteil von Herrn Ecclestone und Bambino ausgelegt und erheblich zum Nachteil der BayernLB und derer, die einen Anteil an den Verkaufserlösen hatten", sagte Constantin-Anwalt Marshall. Als die Anteile an die BayernLB gingen, hatte sich das Medienunternehmen einen Nachschlag für den Fall zusichern lassen, dass die Bank bei einem Weiterverkauf mehr als eine bestimmte Summe einnehmen sollte.

In Deutschland hatte das Oberlandesgericht München die Entscheidung über die Aufnahme des Prozesses gegen den umstrittenen Manager im September vertagt und wird voraussichtlich erst im kommenden Jahr über die Eröffnung der Hauptverhandlung entscheiden.

Constantin macht auch in der Schweiz Druck: "Nach der Anfrage der Constantin Medien AG hat die Staatsanwaltschaft Genf eine Untersuchung eröffnet", sagte ein Sprecher, ohne dabei jedoch den Namen Ecclestone direkt zu erwähnen. Die Behörde prüfe auch, ob sie überhaupt zuständig sei.

Der geständige Gribkowsky wurde bereits 2012 zu einer Gefängnisstrafe von achteinhalb Jahren unter anderem wegen Bestechlichkeit sowie Steuerhinterziehung verurteilt und sitzt in Haft. Ecclestone bestreitet die Vorwürfe und behauptet, von Gribkowsky erpresst worden zu sein. Dieser soll Anspielungen gemacht haben, Ecclestones undurchsichtiges Geschäftsmodell den britischen Steuerbehörden zu melden.

Richter akzeptiert Erkenntnisse aus Deutschland nicht

"Zwischen Herrn Gribkowsky und Herrn Ecclestone wurde eine korrupte Abmachung getroffen", sagte Marshall mit Verweis auf die Ergebnisse der Münchner Justiz. Der Londoner Richter Guy Newey will die Erkenntnisse der deutschen Justiz jedoch nicht als Beweis akzeptieren und forderte Constantin auf, die Ansprüche selbst zu belegen.

Der Prozess ist auf sechs Wochen angesetzt. Äußerungen der Rechtsanwälte von Ecclestone und den übrigen Beklagten werden in den kommenden Tagen erwartet, sobald der Constantin-Anwalt die Klage vollständig vorgetragen hat.

Ecclestone hatte Ende der siebziger Jahre die TV- und Vermarktungsrechte an der Formel 1 gekauft. Der Brite machte die Rennserie zu einem weltweit operierenden Geschäft und wurde dabei selbst Milliardär. Rund um die Königsklasse des Motorsports entstand ein kompliziertes Firmengeflecht. Als die Formel 1 vor rund acht Jahren verkauft wurde, ließ Ecclestone sich vom neuen Besitzer CVC als Geschäftsführer einsetzen.

dab/dpa/Reuters/sid



insgesamt 4 Beiträge
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Malshandir 29.10.2013
1. Fehler des englischen Richters
Der englische Richter muss die deutschen Erkenntnisse anerkennen, ansonsten bricht er Europarecht.
lronmcbong 29.10.2013
2.
könig des motorsport? wirkt eher wie ein entenrennen. alle hintereinander weg, etwas durcheinander an der boxengasse und am ende wieder das gleiche bild wie am anfang. mich hauts nicht mehr vom hocker. ach ja. und wieso macht rtl eigentlich immer die beknackte split screen werbung? die sollten sich mal trauen das bei fußball zu machen.....
aurichter 29.10.2013
3. Erklärungsbedarf
Also ich schaue ja gern F1 und habe mich eigentlich absichtlich auch weniger mit diesen fürchterlichen mafiösen Geschäftsgebaren gekümmert, aber kann mir mal ein Experte oder einer der sich dafür hält erklären Wer die Formel1 im Besitz hatte und mit welcher Berechtigung diese an jemand anderen verkaufen konnte? Wer hat DIE Formel 1 gegründet und auf welcher Basis vermarktet bevor der Riese sich diesen Kreisverkehr unter den Nagel gerissen hat? Alles sehr, sehr undurchsichtig dieses Geflecht. Wo ist eigentlich Jean Todt in dem ganzen Gestrüp abgeblieben, der hatte doch auch irgendeine Nach-Mosley-Alibi-Funktion? Oder bin ich jetzt auf einem völlig falschen Dampfer und brauche einen Rettungsring ;-)
aaengst 30.10.2013
4. Formel 1 und kein ende
Wann ist das Theater mit diesem scheintoten Ecclestone endlich zu ende? Wieso kann der scheintote Idiot die Formel 1 so beherrschen, dann weg damit und was anderes, ist sowieso nur Karussell faheren, *Kotz*
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