Formel-1-Prozess Noch mehr Ärger für Bernie

Der Prozess gegen Ex-BayernLB-Vorstand Gribkowsky bringt auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone in Bedrängnis: Er zahlte Millionen an den Banker, angeblich aus Angst vor Rache. Doch die Anklage vermutet andere Motive - und will Ecclestone selbst an den Kragen.

Bernie Ecclestone im Münchner Landgericht: "Ich habe einen sehr, sehr guten Job gemacht"
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Bernie Ecclestone im Münchner Landgericht: "Ich habe einen sehr, sehr guten Job gemacht"

Aus München berichtet


Ein Pulk von Fotografen hat sich im Gerichtssaal vor Bernie Ecclestone aufgebaut. Blitzlichter flackern. Doch der Formel-1-Chef zuckt nur mit den Schultern. Das kenne ich doch, soll das wohl heißen. Ein paar Minuten später ist es vorbei mit Ecclestones Lässigkeit: Richter Peter Noll nimmt den Rennsportmogul in die Zange.

Ecclestone ist als Zeuge im Prozess gegen den früheren BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky geladen. Dieser ist vor dem Münchner Landgericht wegen Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung in Millionenhöhe angeklagt. Doch nicht nur Gribkowsky steht unter Verdacht, auch Ecclestone droht Ärger. Denn Gribkowsky bekam Millionen von ihm - und die Münchner Staatsanwaltschaft glaubt, dass es sich dabei um Schmiergeld handelte. Darum ermittelt die Justiz auch gegen Ecclestone.

Der 81-jährige Milliardär flog nach München, um zu erklären, warum er Gribkowsky Geld gab. Für Ecclestone eine Gratwanderung. "In Deutschland muss man vor Gericht die Wahrheit sagen", belehrt ihn Richter Noll. Ecclestone geht es in den kommenden dreieinhalb Stunden darum, den Verdacht der Bestechung abzuwehren - und dabei nichts Falsches zu sagen. Sein Anwalt Sven Thomas hat bereits vorab ausgehandelt, dass der Milliardär freies Geleit bekommt. Im Gegenzug erhoffte sich das Gericht durch Ecclestones Aussage mehr Klarheit darüber, warum Gribkowsky von ihm Geld bekam.

Der milliardenschwere Formel-1-Boss liefert eine Begründung, die so gar nicht zu seinem Ruf als mächtiger Rennsportmogul passen mag. Der Grund sei Angst gewesen, sagt Ecclestone. Er habe befürchtet, dass Gribkowsky ihm die britischen Steuerbehörden auf den Hals hetzen würde. Ein Vermögen von zwei Milliarden Pfund sei in Gefahr gewesen. Ihm wäre "nicht einmal eine Armbanduhr geblieben".

Dabei sei es um Steuerfragen rund um die Stiftung seiner Frau gegangen, der Bambino-Holding, die Anteile an der Formel 1 hielt. Wegen seiner Herzerkrankung habe er seine Gattin mit der Familienstiftung abgesichert, sagt der Manager. Er selbst habe mit Bambino nichts zu tun gehabt. Denn sonst hätte der Fiskus sie aufgelöst und zugegriffen. "Das wäre ein Desaster für mich gewesen."

"Ich hatte es immer im Hinterkopf"

Gribkowsky habe Ecclestones Beteuerungen zu Bambino nicht geglaubt. Immer wieder habe ihm der Deutsche zu verstehen gegeben, dass er Ecclestone selbst hinter der Stiftung vermute, sagt der Formel-1-Manager. "Er hat nie konkret gedroht, dass dieses oder jenes passieren könnte. Aber ich hatte es immer im Hinterkopf."

Im Falle einer Steuerprüfung hätte er "den größten Teil meines Lebens vor Gericht verbracht", glaubt Ecclestone. Um sich Ärger zu ersparen, habe er Gribkowsky vorsorglich Geld gezahlt. "Mir war daran gelegen, ihn ruhig, friedlich und freundlich zu halten, damit er nicht auf dumme Gedanken kommt." Rund 23 Millionen Dollar zahlte Ecclestone 2007 an den BayernLB-Vorstand. Flavio Briatore - ebenfalls ein schillernder Formel-1-Manager und enger Freund Ecclestones - überwies in dessen Auftrag einen Teil der Summe.

"Wir sind übereingekommen, dass ich die Zahlung leiste und dass wir später schon auseinanderklamüsern, wofür das gedacht ist", sagt Ecclestone - und erntet schallendes Gelächter von den Zuhörern. Auch die Bambino-Stiftung zahlte 21 Millionen Dollar an Gribkowsky. Damit habe er aber nichts zu tun gehabt, beteuert Ecclestone. Das Geld lagerte Gribkowsky in seiner Privatstiftung "Sonnenschein" in Österreich - geschützt vor dem deutschen Fiskus.

Die Deals riefen die Ermittler auf den Plan. Denn Bankvorstand Gribkowsky hatte Macht in der Formel 1 und konnte Ecclestone gefährlich werden. Die BayernLB hatte dem Konzern des kürzlich verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch Kredite gewährt. Nachdem Kirch pleite ging, bekam die Landesbank als Pfand die Mehrheit an der Formel-1-Gesellschaft Speed. Den bayerischen Bankern war die illustre Formel-1-Welt aber nicht geheuer. Sie wollten ihre Anteile loswerden - und dafür war Gribkowsky zuständig.

Der Manager erfüllte seine Aufgabe. Rund 840 Millionen Dollar bekam die BayernLB für ihre Anteile - mehr als erwartet. Die Anteile gingen an die Beteiligungsgesellschaft CVC. Die Staatsanwaltschaft wirft Gribkowsky vor, er habe sich bei der Landesbank für den Verkauf der Formel-1-Beteiligung an CVC starkgemacht und im Gegenzug von Ecclestone kassiert. Denn der Deal nutzte auch dem Formel-1-Boss: CVC ließ den Rennsportmogul weiter gewähren. Die BayernLB dagegen hatte Ecclestone an die kurze Leine genommen, mehrere Formel-1-Teams drohten, eine neue Rennserie zu gründen.

Gribkowsky gibt noch immer den Manager

Pikant dabei: Ecclestone half bei der Vermittlung des Verkaufs - und bekam dafür 2005 von der BayernLB eine Provision in Höhe von 66 Millionen Dollar. "Ich fand eigentlich, ich hätte viel mehr verdient gehabt", sagte Ecclestone. "Ich habe einen sehr, sehr guten Job für die Bank gemacht."

Während der Formel-1-Boss erzählt, macht sich Gribkowsky eifrig Notizen. Im dunklen dreiteiligen Anzug mit weißem Einstecktuch gibt er sich auf der Anklagebank wie ein Manager an seinem Schreibtisch.

Die Formel 1 habe Gribkowsky fasziniert, sagt Ecclestone. Der Banker habe ihn für Starthilfe anzapfen wollen, um sich in der Branche selbständig zu machen. "Hundert Millionen wären nett", habe Gribkowsky ihm beschieden. Der Deutsche habe sogar davon geträumt, sich ein eigenes Team zu kaufen. "Er wollte mich ins Boot holen als Promoter." Er aber habe gemeinsame Geschäfte abgelehnt, sagte Ecclestone. Und darum habe er Rachsucht bei Gribkowsky befürchtet.

Vor Gericht sind die beiden einstigen Kontrahenten nun eine Schicksalsgemeinschaft. Denn wird Gribkowsky wegen Bestechlichkeit verurteilt, müsste auch Ecclestone als Zahler zur Verantwortung gezogen werden.

Glauben die Richter aber Ecclestone, dass er nur aus Angst vor Gribkowsky freiwillig zahlte, wäre beiden Männern geholfen. Der Vorwurf der Bestechung wäre vom Tisch und Gribkowsky stünde auch nicht als Erpresser da - laut Ecclestone hat der Banker ja nie konkret gedroht.

Ecclestones Anwalt Sven Thomas gibt am Mittwoch acht, dass sich sein Mandant nicht um Kopf und Kragen redet. Für heute sei es genug für den 81-Jährigen, bittet er das Gericht nach dreieinhalb Stunden. Doch die Schonzeit währt nur kurz: Schon am Donnerstag muss Ecclestone den Richtern erneut Rede und Antwort stehen.

insgesamt 2 Beiträge
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candide08 09.11.2011
1. Lächerlich
Jurstisch eine Farce. Wegen Bestechung und Bestechlichkeit könnte man morgen die gesamte deutsche Wirtschaft anklagen. Und Unsymphatie sollte in einem Rechtsstaat kein Grund für U-Haft sein.
lynx2 09.11.2011
2. Das ist ein Possenspiel.
Zitat von sysopDer Prozess gegen Ex-BayernLB-Vorstand Gribkowsky bringt auch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone in Bedrängnis: Er zahlte Millionen an den Banker, angeblich aus Angst vor Rache. Doch die Anklage vermutet andere Motive - und will Ecclestone selbst an den Kragen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,796889,00.html
Es wird ausgehen wie das Hornberger Schießen. Da die Bayern LB involviert ist und dort CSU-Politiker im AR sitzen, wird nichts passieren. Wer wurde eigentlich wg. Hyper Alptraum Adria zur Rechenschaft gezogen? Niemand. Dort wurden fast 4 Mrd. € vernichtet. Hier geht es um ein paar peanuts von lumpigen 50 Mio. Die beiden werden einen Deal mit der Staatsanwaltschaft machen, ein paar 100.000 € Ablaß zahlen und fertig. Dann wird das Verfahren eingestellt.
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