Möglicher Mega-Deal Foxconn bietet 25 Milliarden Euro für Toshibas Chipsparte

Foxconn nimmt viel Geld in die Hand, um die Chipssparte des japanischen Toshiba-Konzerns zu übernehmen. Die Regierung in Tokio ist davon nur mäßig begeistert.

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Der taiwanische Elektronikhersteller Foxconn hat offenbar das höchste Gebot für die Speicherchipsparte des angeschlagenen Toshiba-Konzerns abgegeben. Wie das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen schreibt, bietet Foxconn bis zu drei Billionen Yen, umgerechnet 25 Milliarden Euro, für den Geschäftsbereich der Japaner.

Damit würde die frühere Hon Hai Precision Industry deutlich tiefer in die Tasche greifen als andere Interessenten, wie ein von der japanischen Regierung unterstützter Investmentfonds. Die zweithöchste Offerte soll sich laut dem Bericht nur auf etwa 18 Milliarden Dollar belaufen.

Das Foxconn-Angebot könnte nun den japanischen Premierminister Shinzo Abe in die Bredouille bringen. Denn es gibt Stimmen in der japanischen Regierung, die einen Verkauf des Geschäfts ins Ausland wegen der strategischen Bedeutung ablehnen. Sie hätten gerne einen japanischen Bieter oder ein US-japanisches Konsortium als Käufer.

Besonders China ist unbeliebt. Ein japanischer Regierungsvertreter erklärte, Japan würde sich einem Verkauf an Interessenten vom chinesischen Festland widersetzen. Neben der Angst vor einem Ausverkauf von Technologie spielen dabei auch Sicherheitsinteressen eine Rolle.

Andererseits dürfte es dem angeschlagenen Toshiba-Konzern schwerfallen, bei der Auswahl des Käufers auf viel Geld zu verzichten, nur um die Technologie in Japan zu halten. Der Konzern ächzt unter schweren finanziellen Problemen. Erst kürzlich hatte der japanische Technologieriese nach hohen Verlusten seine US-Atomtochter Westinghouse in die Insolvenz geschickt.

Noch ist der Bieterprozess der Zeitung zufolge jedoch in einem vorläufigen Stadium. Die Gebote könnten sich daher noch ändern. Weder Toshiba noch Foxconn wollten sich zu dem laufenden Verkaufsprozess äußern. Toshiba veröffentlichte am Dienstag zudem seine Zahlen für die ersten neuen Monate seines Geschäftsjahres und berichtete über einen hohen Verlust.

ssu/dpa-AFX

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insgesamt 4 Beiträge
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suppenkoch 11.04.2017
1. China != Taiwan
"Ein japanischer Regierungsvertreter erklärte, Japan würde sich einem Verkauf an Interessenten vom chinesischen Festland widersetzen." Und Foxconn stammt aus Taiwan. Oder hat Japan Angst, dass Foxconn einen KnowHow Transfer nach Festland China einleitet?
karin_mainz 11.04.2017
2.
Zitat von suppenkoch"Ein japanischer Regierungsvertreter erklärte, Japan würde sich einem Verkauf an Interessenten vom chinesischen Festland widersetzen." Und Foxconn stammt aus Taiwan. Oder hat Japan Angst, dass Foxconn einen KnowHow Transfer nach Festland China einleitet?
Die größten Foxconn Werke befinden sich in China und wer in China produzieren läßt, übergibt damit auch (zwangsweise) teile seines Know Hows. Insofern sind die japanischen Gedankengänge durchaus nachvollziehbar.
peteftw 11.04.2017
3. naja
#2: Wenn man es sich leisten kann sein Know how zu behalten (ist ja anscheinend nicht genug um finanziell stabil zu sein) verkauft man eben nicht. Ist wohl klar dass auch das Know how an einen Käufer übergeht, völlig normal.
MiniDragon 12.04.2017
4. Besser wäre es,
wenn Toshiba das Know- How von Westinghouse an die Chinesen in Peking oder auf Taiwan noch verkaufen könnte. Aber leider wissen die wohl schon selber wie man heute Dampfkraftwerke baut. :-)
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