Taiwan Chef von Apple-Zulieferer Foxconn erwägt Präsidentschaftskandidatur

Terry Gou gründete und leitet den Elektronikzulieferer Foxconn, berüchtigt für seine Arbeitsbedingungen. Jetzt zieht sich der reichste Mann Taiwans aus dem Tagesgeschäft zurück, weil er große Pläne hat.

Foxconn-Chef Terry Gou (r.) 2018 mit US-Präsident Donald Trump
Kevin Lamarque / Reuters

Foxconn-Chef Terry Gou (r.) 2018 mit US-Präsident Donald Trump


Der Gründer und langjährige Leiter des weltweit größten Elektronikzulieferers Foxconn, Terry Gou, erwägt eine Präsidentschaftskandidatur in seiner Heimat Taiwan. Das sagte Gou nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters.

Zuvor hatte der Konzern bestätigt, dass sich der 69-Jährige in den kommenden Monaten aus dem Tagesgeschäft zurückziehen will. Er bleibe aber Vorstandsvorsitzender des 1974 von ihm gegründeten Unternehmens. Die Aktie von Foxconn, das auch Apples iPhone herstellt, legte nach der Stellungnahme mehr als zwei Prozent zu.

Seine politischen Ambitionen begründet Gou mit der angespannten Lage zwischen Taiwan und China. Das chinesische Militär führt immer wieder Manöver im Westpazifik durch, zuletzt drohte Chinas Präsident Xi Jinping der Insel sogar mit einer Zwangsvereinigung.

"Ich habe letzte Nacht nicht geschlafen", wurde der Foxconn-Chef zitiert. Das kommende Jahr sei entscheidend für Taiwan. Das Land befinde sich an einem "Wendepunkt für Taiwans Politik, Wirtschaft, Verteidigung für die kommenden 20 Jahre". Die Präsidentschaftswahlen in Taiwan sind für Januar 2020 geplant. Gou ließ offen, für welche Partei er dabei gegebenenfalls kandidieren könnte.

Der Foxconn-Konzern, der offiziell Hon Hai Precision heißt, erzielt mehr als die Hälfte seiner Einnahmen durch Geschäfte mit Apple. Er beliefert aber auch weitere Firmen, darunter Hewlett-Packard, Dell, Nintendo, Microsoft und Sony. Der Konzern hat wiederholt wegen schlechter Arbeitsbedingungen für Schlagzeilen gesorgt - auch weil es unter seinen Mitarbeitern zu zahlreichen Selbstmorden kam.

dab/Reuters

insgesamt 2 Beiträge
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Beijinger 16.04.2019
1. Die Trumpisierung
schreitet - leider - voran. Immerhin hat Gou bewiesen, dass er als Unternehmer ungleich erfolgreicher ist/war als DT. Ob er der Richtige Präsidentschaftskandidat für Taiwan ist, sei jedoch dahingestellt. Hier wäre ein Kandidat mit professioneller politischer Erfahrung als Counterpart zu Xi Jinping wohl die bessere Option. Wird spannend.
meihan 16.04.2019
2.
China braucht keinen "Counterpart" aus Taiwan zu Xi Jinping. Im Gegenteil. Konfrontation bringt nur mehr Probleme. Das Dilemma sind auch hier wie anderswo die USA, welche sich immer wieder einmischen und so für Unruhe sorgen, Die Aufrechterhaltung des "Status Quo" ohne große Querelen ist hier vonnöten. Die Zeit spielt für Taiwan.
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