Kaufhaus-Witwe, Oligarch, Orbán-Strohmann Das sind die Bosse aus dem Strache-Video

Im Ibiza-Video prahlt Heinz-Christian Strache, Magnaten wie der Waffenbauer Glock und die Horten-Erbin würden der FPÖ spenden. Die Milliardäre dementieren. Trotzdem haben einige Berührungspunkte mit den Rechten.

Heinz-Peter Bader / REUTERS

Von Anton Rainer und


Seit Freitag erschüttert ein Video Österreichs Politik, in dem es vor allem um eines geht: Geld, das ist das überwölbende Thema. Heinz-Christian Strache wollte es offenbar für seine FPÖ einwerben, entweder als Spende - oder eben als Investition in Meinungsmacht, etwa durch eine Übernahme der "Kronen Zeitung", von der die angebliche Oligarchennichte spricht.

Strache ist als Reaktion auf die Berichterstattung von SPIEGEL und "Süddeutscher Zeitung" inzwischen von seinem Amt als Vizekanzler und weiteren Posten zurückgetreten. Kanzler Sebastian Kurz strebt Neuwahlen an.

In dem Video ist zu sehen, wie Strache die Frau umwirbt, die sich als reiche Russin ausgibt. Er rattert dabei Namen herunter, potente Geldgeber, die seine FPÖ angeblich schon auf ihrer Seite wisse. Teilweise hört Strache sich da an, als hätte er kurz zuvor noch einen Blick auf die "Forbes"-Liste der reichsten Österreicher geworfen.

Pistolenpionier Gaston Glock (Platz 9 bei "Forbes") soll darunter sein, Kaufhaus-Witwe Heidi Horten (Rang vier), Immobilien-Milliardär René Benko (Platz drei), und natürlich fällt auch der Name des Red Bull-Besitzers Dietrich Mateschitz, laut "Forbes" der reichste Mann des Landes überhaupt.

Die vermeintlichen Großspender haben alle dementiert. Geld sei von ihnen an die FPÖ nie geflossen, weder direkt, noch über die Kanäle eines parteinahen Vereins. Einige haben dennoch enge Kontakte zu Straches Partei geknüpft.

Um welche Wirtschaftsführer dreht sich das Strache-Video?
Milliardäre, FPÖ-Gegner - und ein Moskauer Oligarch, der offenbar aus allen Wolken gefallen ist. Der Überblick:



insgesamt 18 Beiträge
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zeichenkette 20.05.2019
1. Das Schöne an diesem Aufguss der rechten Idee:
Diesmal ist das alles nicht mehr neu und überraschend und deshalb quillt das nicht erst nach dem finalen Kater heraus, sondern noch während sie sich besaufen. Man könnte fast Hoffnung daraus schöpfen, dass die demokratischen Kräfte und vor allem auch die Medien diesmal nicht mehr so derartig naiv auf dem falschen Fuß erwischt werden wie damals. Und weil die Rechten ja ohnehin nur noch als ihre eigene Karikatur möglich sind und häufig dementsprechend dumm, fallen sie auf jeden Mist herein, der bei ihnen die richtigen Knöpfe drückt. Diese ganzen Dementi sind aber interessant. Entweder hat Strach wirklich durchweg dreist gelogen (vielleicht hätte er diesem verdächtigen weißen Pulver nicht so zusprechen sollen, das man in dem Video in einer Linie auf der Glasplatte des Tisches liegen sieht) oder die Dementis sind gelogen. Ich hoffe, dass das sehr konkret überprüft werden wird.
silbersee 20.05.2019
2. Investigativer ....bitte!!!
Ein lediglich zugespiwltes Video zu veröffentlichen ist nicht wirklich investigativer Journalismus....eher Glück. Strache redet im Video nicht nur über Spenden an die FPÖ , sondern auch an die ÖVP. Schaut man sich die sehr arbeitgeberfreinlichen Gesetze nach der Wahl an, stellt sich schon die Frage , ob hier nicht in großem Stil freundlich " Danke!" gesagt wurde. oder? Dass diese Oligsarchen das natürlich abstreiten ist wohl eh klar. Guter Journalismus würde sich damit, statt es nur in Bezug auf die FPÖ einzuschränken und damit zu framen, nicht zufriedengeben und tiefer bohren und das Video nicht als Ende, sondern als Ausgangspunkt sehen.
Stereo_MCs 20.05.2019
3.
Zitat von silberseeEin lediglich zugespiwltes Video zu veröffentlichen ist nicht wirklich investigativer Journalismus....eher Glück. Strache redet im Video nicht nur über Spenden an die FPÖ , sondern auch an die ÖVP. Schaut man sich die sehr arbeitgeberfreinlichen Gesetze nach der Wahl an, stellt sich schon die Frage , ob hier nicht in großem Stil freundlich " Danke!" gesagt wurde. oder? Dass diese Oligsarchen das natürlich abstreiten ist wohl eh klar. Guter Journalismus würde sich damit, statt es nur in Bezug auf die FPÖ einzuschränken und damit zu framen, nicht zufriedengeben und tiefer bohren und das Video nicht als Ende, sondern als Ausgangspunkt sehen.
Also alleine nur in diesem Artikel, kommen schon mal mehrfach die Begriffe ÖVP, SPÖ samt diverser Verbindungen und sogar einmal die Grünen drin vor. Ich verstehe ihre Kritik daher nicht. Schließlich kann man nicht in einem Artikel das gesamte Geflecht in AT darstellen. Allerdings sehe ich in dem Artikel einen sehr guten Anfang.
hubie 20.05.2019
4. @silbersee #2
Eben, das Video ist der öffentliche Anfang. Die Haltung der FPÖ Leute im Video wundertmich nicht. Aber so blöd das einem Journalisten zu erzählen sind sie dann auch nicht. Das Video selbst anzufertigen wäre eine Straftat gewesen, daher ist man diesbezüglich auf anonyme Hinweisgeber angewiesen (egal ob strafrechtlich relevant oder nicht, die Informationen die in diesem Video zutage treten halte ich für sehr wichtig um die Rechte zu demaskieren). Andere Politiker mögen auch korrupt sein, aber das was man hier sieht ist schon haneebüchen... Übrigens: Qualitätsjournalismus braucht Zeit, Investigationen sowieso... es wird sicherlich auch untersucht inwiefern Äußerungen von Strache zu Geldgebern und vermeintlichen Abmachungen mit diversen Leuten der Wahrheit entsprechen oder nicht...
sibbi78 20.05.2019
5. Es wird doch schon lange gemunkelt,
dass - sagen wir mal: gelangweilte - Milliardäre weltweit hinter dem rechten Gedankengut stecken und mit finanziellen Mitteln unterstützen. Alle Nationalisten weltweit verfügen über erstaunliche Finanzen und diverse unbekannte Gönner/Spender, die gerne auch aus dem Ausland kommen. Auch die AfD steckt da mitten drin...
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