Fracking US-Regierung wirbt für "Freiheitsgas"

Die USA wollen Gas aus Fracking weltweit verkaufen. Eine der Anlagen in Texas darf nun aufgestockt werden. So weit die nüchternen Fakten. Doch dann wird es spannend - weil das Energieministerium ins Fabulieren kommt.

US-Präsident Trump an einem LNG-Terminal (im US-Bundesstaat Louisiana, Mai 2019)
Reuters / Leah Millis

US-Präsident Trump an einem LNG-Terminal (im US-Bundesstaat Louisiana, Mai 2019)


Die Pressemitteilung des US-Energieministeriums hätte außer Branchenexperten wohl kaum jemand beachtet. Die Behörde gibt darin bekannt, dass über eine neue Anlage an der Küste des Bundesstaates Texas in Zukunft mehr Flüssiggas (LNG) ins Ausland exportiert werden kann. Konkret geht es um den vierten Produktionsstrang des Unternehmens Freeport LNG, der ab dem Jahr 2023 seine Arbeit am Golf von Mexiko aufnehmen soll.

Zusammen mit den anderen drei Anlagen am Standort können dann insgesamt 20 Millionen Tonnen Erdgas pro Jahr auf minus 164 Grad abgekühlt und damit verflüssigt werden. Dadurch sinkt das Volumen um den Faktor 600 - und ein Export per Schiff lohnt sich. So weit die nüchternen Fakten.

Größere Aufmerksamkeit als üblich bekam die Mitteilung des Ministeriums aber, weil darin zwei bemerkenswerte sprachliche Formulierungen verwendet werden: Zum einen referiert Staatssekretär Mark Menezes über "freedom gas", also "Freiheitsgas", zum anderen spricht der ebenfalls zitierte Abteilungsleiter Steven Winberg von "molecules of freedom", also "Moleküle der Freiheit".

Erinnerungen an die "freedom fries"

Das erinnert US-Journalisten, etwa von NBC News an eine sprachliche Kapriole während des letzten Irak-Krieges. Damals, im Jahr 2003, hatte die Kantine im US-Repräsentantenhaus in Washington entschieden, den Namen für Pommes von "french fries" in "freedom fries" zu ändern. Grund war die Weigerung Frankreichs, sich an dem Feldzug von George W. Bush zu beteiligen. Nach drei Jahren wurde der Name schließlich wieder zurückgeändert.

Man kann die Formulierung von dem "freedom gas" vor diesem Hintergrund als Kuriosität sehen. Allerdings hat der von der US-Regierung geförderte Export von Flüssiggas eine wichtige geostrategische Komponente. Durch sogenannte unkonventionelle Fördermethoden, bekannt als Fracking, haben sich die Vereinigten Staaten vom Importeur von Öl und Gas zum Exporteur im großen Stil gewandelt.

Das heißt einerseits, dass das Land nicht mehr so stark auf Länder am Persischen Golf angewiesen ist. Andererseits wollen die USA ihre Rohstoffe möglichst gewinnbringend in der Welt an den Mann bringen. Das setzt allerdings voraus, dass sich genügend interessierte Kunden finden. Zuletzt gab es unter anderem Exporte nach China. Doch im Zuge des Handelskonflikts hat Peking auch die Zölle auf Einfuhren von Flüssiggas erhöht, sodass der Rohstoff für chinesische Unternehmen unattraktiver geworden ist und sich die US-Firmen nun andere Abnehmer suchen müssen.

Das Gas der Freeport LNG könne, so die Pressemitteilung des Energieministeriums, in alle Staaten exportiert werden, die kein Freihandelsabkommen mit den USA hätten und gegen die keine US-Handelssanktionen verhängt seien.

Zwei Terminals in Deutschland geplant

Die US-Regierung würde gern auch mehr Flüssiggas nach Europa verkaufen. Zwar sind die EU-Importe zuletzt gestiegen, allerdings ist der LNG-Anteil am Gesamtverbrauch in Europa immer noch sehr klein. Das meiste Gas kommt über Leitungen.

Vor diesem Hintergrund ist auch ein Teil der massiven Kritik an der Nord-Stream-2-Pipeline zu sehen, mit der mehr Gas von Russland nach Deutschland geliefert werden soll. An der deutschen Nordseeküste sollen allerdings auch zwei Flüssiggas-Terminals entstehen. Dort könnten dann US-Schiffe ausgeladen werden. Das heißt, das Gas wird wieder vom flüssigen in den gasförmigen Zustand verwandelt und dann ins Verteilernetz eingespeist.

Die USA bewerben das Flüssiggas als sogenannte Brückentechnologie im Kampf gegen die Erderwärmung. Das liegt daran, dass bei der Verbrennung weniger klimaschädliches CO2 anfällt als etwa bei Kohle. Das Argument lautet nun, dass bis zum vollständigen Umstieg auf erneuerbare Energien doch zumindest fossile Brennstoffe genutzt werden sollten, die für weniger Kohlendioxid sorgen.

Umweltschützer lehnen das in der großen Mehrheit aber ab, weil aus ihrer Sicht dadurch der Umstieg auf eine saubere Energieversorgung unnötig verlangsamt wird. Außerdem können durch Probleme bei Herstellung, Verarbeitung und Transport des Gases größere Mengen des noch deutlich klimawirksameren Treibhausgases Methan entstehen.

chs



insgesamt 84 Beiträge
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maneater 30.05.2019
1. Freiheit von wem?
Wer profitiert von dem sog. "Freiheitsgas"? Die Buerger, die ihr Grundwasser nicht mehr trinken koennen? Deren Boden versaeucht ist? Oder sind es wieder die Shareholder-Value Unternehmen, die uns auspluendern, uns unsere Gesundheit rauben und den Sozial-Staat aushoehlen?
berther 30.05.2019
2. Usa
"Freiheit" ist für US-Amerikaner das eigene Recht, andere Menschen zu zwingen, was sie, die USA, wollen. Und sie suhlen sich in der Gewissheit, die wirtschaftliche und militärische Macht zu haben dieses "Recht auf Freiheit" überall durchzusetzen.
Pocillator 30.05.2019
3. die europäische Klima- und Umweltpolitik
Falls Europa Flüssiggas aus den USA beziehen sollte, dann wird jedem klar sein, dass europäische Klima- und Umweltpolitik nicht ernstzunehmend ist.
Ökofred 30.05.2019
4. Keine Angst!
Zitat von PocillatorFalls Europa Flüssiggas aus den USA beziehen sollte, dann wird jedem klar sein, dass europäische Klima- und Umweltpolitik nicht ernstzunehmend ist.
DE zum Beispiel hat 30GW Gaskraftwerke, um Kohle zu subsituieren, ursprünglich als Spitzenlastkraftwerke gebaut. Die werden nur zu knapp einem Drittel genutzt. Lieber verbrennt man Kohle, ist angeblich wichtig für "Versorgungssicherheit" (ist das Gas nicht?) und für Arbeitsplätze. Und ist für die Versorger billiger (für Verbraucher nicht unbedingt) Da wird das amerikanische Frackinggas sobald nicht gebraucht
kuac 30.05.2019
5.
Was passiert, wenn DE sich weigert, Fracking Gas zu kaufen? Sanktionen? Drohungen? Oder vielleicht 100% Zoll auf Deutsche Autos!
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