Erdgassuche NRW untersagt Wintershall Fracking

Der Öl- und Gaskonzern Wintershall wollte in zwei großen Gebieten Nordrhein-Westfalens nach Erdgas suchen - und hätte dafür Fracking nutzen müssen. Die zuständige Behörde verlängert die nötigen Genehmigungen nun aber nicht.

Plakat von Fracking-Gegnern (in Thüringen, 2012)
DPA

Plakat von Fracking-Gegnern (in Thüringen, 2012)

Von und Felix Kasten


Das eine ist ein schmaler Streifen, der sich ungefähr in der Mitte einmal durch Nordrhein-Westfalen zieht, das andere ein großer Fleck im Südwesten des Landes: Eine Karte der Bezirksregierung Arnsberg zeigt, wo der Wintershall-Konzern in NRW nach Erdgas suchen wollte. Zwei sogenannte Suchfelder hatte sich das Unternehmen dafür genehmigen lassen.

Das kleinere, "Rheinland" heißt es, misst stattliche 1400 Quadratkilometer, das größere namens "Ruhr" sogar knapp 2500 Quadratkilometer. Seit 2010 durfte Wintershall dort offiziell im Boden nach Erdgas fahnden - in der Praxis aber vor allem durch Auswertung bereits existierender Bohrdaten. Doch selbst das ist nun vorbei. Die Arnsberger Behörde, zuständig für den gesamten Bergbau in NRW, teilte am Freitag mit, dass sie die nötigen Berechtigungen nicht verlängert.

Grund ist ein neues Bundesgesetz, das in gut einer Woche in Kraft tritt. Es untersagt - bis auf wenige mögliche Ausnahmen zu Forschungszwecken - das sogenannte unkonventionelle Fracking zur Erdgasförderung in Schiefergestein. Doch genau diese Art von Gestein gebe es nun mal in den Suchfeldern "Ruhr" und "Rheinland", argumentiert die Behörde.

"Es macht keinen Sinn, Suchfelder zu vergeben, wo man nur mit Fracking fördern kann", erklärt Andreas Nörthen von der Bezirksregierung Arnsberg die jetzige Entscheidung. Beim Fracking werden Gesteinsschichten im Boden unter hohem Druck aufgebrochen, um auf diese Weise darin enthaltenes Gas zu lösen. Dazu werden Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepumpt. Umweltschützer fürchten, dass dadurch Grundwasser verseucht werden könnte.

Wintershall hatte bei der Behörde im vergangenen Juni eine Verlängerung der Bewilligung um drei Jahre beantragt. Die Bezirksregierung hatte der Firma zunächst ein halbes Jahr zugestanden, um Bedenken von Kommunen, Kreisen und Behörden einzuholen. Diese Zeit ist nun um.

"Begründung ausführlich prüfen"

Ein Sprecher von Wintershall erklärte auf Anfrage, man werde "zunächst die Ablehnung und deren Begründung ausführlich prüfen". Grundsätzlich sei es "bedauerlich, dass ergebnisoffene Grundlagen-Forschung am Industrie-, Innovations- und Wissenschaftsstandort NRW nicht möglich ist".

Das Unternehmen legt außerdem Wert auf die Feststellung, dass man in den Suchfelder ohnehin "keine Tiefbohrungen und kein Hydraulic Fracturing" geplant hatte. Zur weiteren wissenschaftlichen Erkundung sei lediglich "die Entnahme von Gesteinsproben aus einer Tiefe bis zu 300 Metern" geplant gewesen.

Neben verschiedenen kleineren Unternehmen will auch der Öl- und Gas-Multi ExxonMobil Lagerstätten im Boden von Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland aufspüren. Das Unternehmen hat sein Suchfeld "Nordrhein-Westfalen" gerade freiwillig von gut 6620 Quadratkilometern auf unter 2000 verkleinert - weil sich dort, in Bereichen mit Kohleflözgestein, womöglich Erdgas auch ohne Fracking fördern ließe.

ExxonMobil hat beantragt, den Suchantrag dafür bis zum Jahr 2020 zu verlängern. Die Behörde hat noch nicht darüber entschieden.



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Seite 1
spiritof81 03.02.2017
1.
"Der Öl- und Gaskonzern Wintershall wollte in zwei großen Gebieten Nordrhein-Westfalens nach Erdgas suchen - und hätte dafür Fracking nutzen müssen." Das ist völliger Blödsinn! Um Erdgas zu suchen, muss kein Hydraulic Fracturing anwenden. Dieses Verfahren wird erst dann erforderlich, wenn im Zuge der Exploration Erdgas nachgewiesen wird. Dann muss für einen Fördertest gefract werden, sofern es die Gesteinsbeschaffenheit erfordert. Sicherlich zielt das Explorationsvorhaben auf eventuelle Schiefergasvorkommen ab. Doch bevor diese nachgewiesen sind, ist es hochgradig unseriös, über die Anwendung des Fracverfahrens zu spekulieren. Wintershall hatte zunächst nicht weite vor als mittels Bohrungen Gesteinsproben zu gewinnen und diese auf Gasführung zu untersuchen. Vor wenigen Jahren war zum Vorhaben noch alles im Netz zu finden. Alles weitere stand in den Sternen und ist reine Spekulation. Schade, dass sich SPON daran beteiligt. Andererseits wenig verwunderlich, wenn Felix Kasten mitwirkt, welcher fleißig Tweets von "Fracking"-Gegnern verbreitet.
spiritof81 03.02.2017
2.
"Der Öl- und Gaskonzern Wintershall wollte in zwei großen Gebieten Nordrhein-Westfalens nach Erdgas suchen - und hätte dafür Fracking nutzen müssen." Das ist völliger Blödsinn! Um Erdgas zu suchen, muss kein Hydraulic Fracturing anwenden. Dieses Verfahren wird erst dann erforderlich, wenn im Zuge der Exploration Erdgas nachgewiesen wird. Dann muss für einen Fördertest gefract werden, sofern es die Gesteinsbeschaffenheit erfordert. Sicherlich zielt das Explorationsvorhaben auf eventuelle Schiefergasvorkommen ab. Doch bevor diese nachgewiesen sind, ist es hochgradig unseriös, über die Anwendung des Fracverfahrens zu spekulieren. Wintershall hatte zunächst nicht weite vor als mittels Bohrungen Gesteinsproben zu gewinnen und diese auf Gasführung zu untersuchen. Vor wenigen Jahren war zum Vorhaben noch alles im Netz zu finden. Alles weitere stand in den Sternen und ist reine Spekulation. Schade, dass sich SPON daran beteiligt. Andererseits wenig verwunderlich, wenn Felix Kasten mitwirkt, welcher fleißig Tweets von "Fracking"-Gegnern verbreitet.
AxelSchudak 03.02.2017
3. Keine Eile...
Wo ist das Problem? Gas ist derzeit auf dem Weltmarkt günstig, wird aber langfristig mit Sicherheit an Wert steigen. Das Gas in NRW - so es denn da ist - wird sich nicht verflüchtigen. Wenn in 10 oder 100 Jahren dieses Gas tatsächlich gebraucht wird, kann man es immer noch aus dem Boden holen - und die Erfahrungswerte mit Fracking sind bis dahin auch besser. Was hier verhindert wurde ist kurz- oder bestenfalls mittelfristiger Profit eines Unternehmens - verbunden mit einigen Arbeitsstellen - auf Kosten des möglichen Risikos und der langfristigen Wertentwicklung. WEG ist das Gas dadurch nicht.
allessuper 03.02.2017
4. Na endlich
wer verfolgt hat, was Fracking in den USA angerichtet hat, weiß schon lange, wie gefährlich dies für den Boden ist. Dafür lohnt sich auch die Menge nicht, die hier zutage gefördert würde. Selbst das steht schon lange fest. In den USA ist der Trend auch schon deswegen vorbei. Aber die teuren Maschinen müssen ja amortisiert werden, und wir sind ja immer so gutgläubig -- NRW: Super! https://blog.campact.de/2013/09/usa-droht-fracking-katastrophe/ https://www.welt.de/wirtschaft/article123781286/Fracking-Boom-in-Amerika-flaut-ueberraschend-ab.html
merlin 2 03.02.2017
5. Endlich mal ein Stop!
Gefrackt worden ist bereits vor Jahren und wird es aktuell auch wieder in Teststellungen. Das ist nur leider so wie der japanische Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken. Deshalb ist es gut, wenn hier ein Riegel vorgeschoben wird. Dabei ist mir egal, ob der "Riegel" bereits für den Erdgasnachweis in einem Gebiet, wo eh nur gefrackt werden könnte, erfolgt oder für die Exploration selbst. Schon die Arbeiten für den Nachweis kann man sich schenken.
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