Fragwürdige Geschäfte US-Finanzwächter erhöhen Druck auf Deutsche Bank

Goldman Sachs hat für fragwürdige Geschäftspraktiken eine Rekordstrafe gezahlt - jetzt gerät die Deutsche Bank verstärkt ins Visier der US-Finanzwächter. Das Institut soll Kunden zum Kauf von Hypothekenanleihen ermutigt haben, während manche seiner Mitarbeiter schon auf fallende Preise wetteten.

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Ärger mit Amerikas Finanzwächtern
DPA

Deutsche-Bank-Chef Ackermann: Ärger mit Amerikas Finanzwächtern


Hamburg - Ein Fall wurde gerade abgehakt - doch die Ermittlungen laufen weiter: Gerade erst haben die amerikanische Finanzaufsicht und die US-Bank Goldman Sachs sich wegen fragwürdiger Geschäftspraktiken beim Vertrieb von Hypothekenanleihen auf einen außergerichtlichen Vergleich geeinigt. Um eine Zivilklage abzuwehren, zahlte das Geldhaus einen Rekordablass in Höhe von 550 Millionen Dollar.

Nun rücken laut "Wall Street Journal" andere Institute ins Fadenkreuz der Ermittler - darunter die Deutsche Bank. Die Börsenaufsicht SEC, das Justizministerium und andere Behörden prüfen dem Bericht zufolge verschiedene Geschäftspraktiken von Deutschlands größtem Geldhaus. Unter anderem gehe es darum, ob das Institut unzulässige Interessenkonflikte in Kauf genommen habe.

So habe die Bank einerseits komplizierte Pakete mit Hypothekenanleihen geschnürt und an Kunden verkauft, die auf steigende Häuserpreise wetten wollten. Andererseits habe das Geldhaus anderen Kunden empfohlen, auf fallende Preise zu wetten - und auch dafür entsprechende Anlagestrategien vertrieben. Unter anderen habe eine Gruppe um Chef-Hypothekenhändler Greg Lippmann Kreditausfallversicherungen entworfen, deren Wert steigt, wenn der Wert von Hypotheken fällt.

Obendrein hätten einige Händler der Deutschen Bank auf eigene Rechnung gegen den Häusermarkt gewettet, während andere Anlageberater des Geldhauses ihren Kunden Hypothekenanleihen verkauften - mit dem Versprechen, die Preise würden steigen.

Die SEC äußerte sich nicht zu den Ermittlungen. Die Deutsche Bank bezeichnete die angesprochenen Interessenkonflikte als normal. Man stelle Dienstleistungen für Anleger bereit, gleichgültig welche Strategie diese verfolgten - vorausgesetzt, die Investoren hätten ihre Strategie gründlich durchdacht, teilte ein Sprecher des Instituts mit. Obendrein habe auch die Deutsche Bank am Häusermarkt Milliarden von Dollar verloren - trotz Kreditausfallversicherungen.

ssu



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onzapintada 04.08.2010
1. Ein Freikaufen dürfte SEHR schwierig werden
Zitat von sysopGoldman Sachs hat für fragwürdige Geschäftspraktiken eine Rekordstrafe gezahlt - jetzt gerät die Deutsche Bank verstärkt ins Visier der US-Finanzwächter. So habe das Institut Kunden zum Kauf von Hypothekenanleihen ermutigt, während manche seiner Mitarbeiter schon auf fallende Preise wetteten. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,710131,00.html
Man kann jetzt sagen, schoen, Goldman Sachs hat dasselbe gemacht und konnte sich mit der Zahlung von 550 Millionen Dollar aus der Portokasse loskaufen. Das war noch nicht einmal ein Tausendstel von Hank Paulsons erster Bankenrettungstranche von 2008/09 von 780 MILLIARDEN Dollar. Aber Goldman gehoert zum US-Establishment. Für eine auslaendische Bank allerdings, die nicht zum dortigen Establishment gehoert, und wenn sie dann auch noch ueber 10 Milliarden Dollar amerikanischer Steuergelder durch die staatliche Rettung einer bankrotten Versicherungsgesellschaft abgegriffen hat, und wenn sie dann auch noch aus einem Staat kommt, mit dem die USA notorische Defizite haben, tja, für die dürfte es sehr schierig werden. :)
letzter-dödel 04.08.2010
2. Alles höhere Gewalt
Zitat von onzapintadaMan kann jetzt sagen, schoen, Goldman Sachs hat dasselbe gemacht und konnte sich mit der Zahlung von 550 Millionen Dollar aus der Portokasse loskaufen. Das war noch nicht einmal ein Tausendstel von Hank Paulsons erster Bankenrettungstranche von 2008/09 von 780 MILLIARDEN Dollar. Aber Goldman gehoert zum US-Establishment. Für eine auslaendische Bank allerdings, die nicht zum dortigen Establishment gehoert, und wenn sie dann auch noch ueber 10 Milliarden Dollar amerikanischer Steuergelder durch die staatliche Rettung einer bankrotten Versicherungsgesellschaft abgegriffen hat, und wenn sie dann auch noch aus einem Staat kommt, mit dem die USA notorische Defizite haben, tja, für die dürfte es sehr schierig werden. :)
Man wird den Amerikanern zugute halten müssen, dass sie wenigstens Untersuchungen anstellen und dann zumindest symbolische 'Strafen' verhängen. Neben Goldman ist insbesondere die AIG zu nennen, die den anderen mittels Ausgabe der Ausfallversicherungen die Geschäfte ermöglichte. Als tatsächlich systemrelevante Versicherungsgesellschaft liegt sie nun in staatlicher Hand. Wer untersucht hingegen in Deutschland, warum die Landesbanken wertlose Papiere kauften, unter Mitwirkung der Deutschen Bank, obwohl spätestens seit 2006 jeder wusste, dass die Papiere faul sind? Niemand! Alles höhere Gewalt! - Und Rot/Grün ermöglichte zusätzlich noch den 'Betrieb' von ausgelagerten Zweckgesellschften bei gleichzeitigem Gezetere über sog. 'Heuschreckenplagen'. In D wird nichts aufgearbeitet: Das IKB-Urteil ist vom Strafmaß her in Anbetracht der verursachten Schäden ein Skandal - und was wird wohl aus dem 'Hypo-Adria-Fall' der Bayern? In D versickern Milliarden und alle Welt sagt: "Höhere Gewalt des Marktes!" - Dann soll die Deutsche Bank wenigstens in den USA ein wenig 'bluten'.
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