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Solarworld-Chef Frank Asbeck Staat rettet Schlossherren

Die EU-Kommission will hohe Schutzzölle auf chinesische Solarmodule erheben. Treibende Kraft hinter der Anti-Dumping-Offensive ist Solarworld-Chef Frank Asbeck. Der Vorstoß ist typisch für ihn: Sein größtes Talent war schon immer, mit Hilfe des Staats reich zu werden.
Solarworld-Manager Asbeck: China als Sündenbock

Solarworld-Manager Asbeck: China als Sündenbock

Foto: Carsten Koall/ Getty Images

Hamburg - Frank Asbeck, Chef von Solarworld  , feiert einen großen Lobby-Erfolg: Die EU-Kommission plant ab dem 6. Juni Strafzölle von durchschnittlich 47 Prozent des Einfuhrpreises auf chinesische Solarpanels. Sie will so erreichen, dass die Regierung in Peking den internationalen Wettbewerb nicht durch unzulässige Kredite und Vergünstigungen verzerrt. Die neuen Handelsbarrieren sollen europäische Modulhersteller wie Solarworld vor allzu billiger Konkurrenz schützen.

Der Beschluss ist noch nicht offiziell, und er ist als taktisches Manöver zu werten: als Versuch der Europäer, für mögliche Verhandlungen mit den Chinesen die eigene Position zu stärken. Doch dass die EU überhaupt einen Handelskrieg mit Peking wagt, ist bemerkenswert. Und es ist nicht zuletzt Frank Asbeck zuzuschreiben.

Der Solarworld-Chef ist Initiator und Anführer der Anti-Dumping-Initiative EU ProSun. In den Medien ist er ihr lautester Lautsprecher, in Brüssel ihr wirksamster Strippenzieher. Zuvor hatte Asbeck schon in den USA eine ähnliche Initiative zum Erfolg geführt. Die US-Regierung erhebt inzwischen Strafzölle von bis zu 250 Prozent gegen chinesische Hersteller von Solarmodulen.

Der Vorstoß gegen die Chinesen sagt eine Menge über die Geschäftsethik des Solarworld-Chefs aus. Sein größtes Talent war es schon immer, auf Kosten des Staates oder seiner Investoren reich zu werden.

Die Firma leidet, der Chef wird reich

In Deutschland setzte sich Asbeck jahrelang für möglichst hohe Solar-Subventionen ein. Und hatte Erfolg: Die Förder-Verpflichtungen für Photovoltaikanlagen, die Verbraucher über ihre Stromrechnung zahlen, belaufen sich nach Berechnungen des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung auf insgesamt mehr als 100 Milliarden Euro. Die großzügige Förderung führte dazu, dass in Deutschland massenweise Solar-Module verbaut wurden. Davon profitierte Branchenprimus Solarworld - und besonders dessen Chef, Frank Asbeck.

Denn der ist größter Aktionär der Firma. Nach Berechnungen der "Wirtschaftswoche"  hat Asbeck seit der Gründung von Solarworld rund 28 Millionen Euro Dividende kassiert. Weitere 40 Millionen Euro scheffelte er durch den Verkauf von Aktien. Hinzu kam ein Chefgehalt, das sich in guten Jahren auf rund eine Million Euro belief.

Asbeck finanzierte sich mit dem Geld einen barocken Lebensstil. 2008 kaufte er sich das Jagdschloss Calmuth inklusive 350 Hektar Privatwald. Zu Geschäftsterminen brauste er gern im schwarzen Maserati (300 PS).

Auch auf Kosten von Solarworld wurde Asbeck reicher. Vor allem zu Lasten jener Investoren, die selbst dann noch Geld in Solarworld steckten, als sich das Ende des Förderbooms abzeichnete und billige Modulbauer aus Asien die deutschen Hersteller zusehends plattmachten.

Zu dieser Zeit machte die Konzernspitze von Solarworld besonders fragwürdige strategische Entscheidungen. 2011 machte das Unternehmen rund 233 Millionen Euro Verlust, schüttete aber dennoch eine Dividende von rund zehn Millionen Euro aus. Knapp 2,8 Millionen Euro davon flossen auf Asbecks Konto, der Konzernchef hielt damals rund 28 Prozent der Anteile.

Der Trend geht zum Zweitschloss

Heute ist Solarworld ein Sanierungsfall, Schulden von rund einer Milliarde Euro drücken das Unternehmen. Saniert werden soll der Konzern vor allem mit dem Geld der anderen. Ende Januar wurde bekannt, dass Solarworlds Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten sollen. Die Aktie stürzte um 25 Prozent ab. Noch kurz zuvor hatte sich Asbeck ein Zweitschloss zugelegt : Er hatte Thomas Gottschalk das Anwesen Marienfels bei Remagen am Mittelrhein abgekauft. Für rund fünf Millionen Euro aus seinem Privatvermögen.

Nach derzeitigem Stand sollen die Gläubiger auf 60 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Mancher Experte sieht das kritisch. "Man kann nicht seine Kreditwürdigkeit gefährden, indem man eine ungerechtfertigte Dividende auszahlt, und nun einen massiven Schuldenschnitt verlangen", sagt Christian Strenger, ehemaliger Chef der Fondsgesellschaft DWS und nun Mitglied der Corporate Governance Kommission der Bundesregierung.

Asbeck hält dem entgegen, dass auch er durch die Sanierung Geld verlieren dürfte. Denn die Aktionäre sollen einen Kapitalschnitt von 95 Prozent hinnehmen. Das würde auch ihn treffen, da er noch immer der größte Anteilseigner von Solarworld ist.

Für den beklagenswerten Zustand seines Unternehmens gibt Asbeck vor allem den Chinesen die Schuld. Die Regierung in Peking verzerre den Wettbewerb, um sich das Monopol im Solarsektor zu sichern. Tatsächlich dürfte der Niedergang von Solarworld auch eine Folge strategischer Fehlentscheidungen des Firmenchefs sein.

Drohender Handelskrieg mit China

Solarzellen sind ein technologisch relativ einfach herzustellendes und kopierbares Produkt. Für Solarmodule ist Deutschland vermutlich generell nicht der richtige Produktionsstandort. Asbeck versuchte es dennoch mit Modulen made in Germany. Wolfgang Hummel, Direktor am Zentrum für Solarmarktforschung in Berlin, hält dieses Geschäftsmodell für kaum zukunftsfähig. "Solarworld muss eine gewaltige Sanierungsaufgabe bewältigen", sagte er kürzlich der "Wirtschaftswoche". "Dafür ist Asbeck nicht mehr der richtige Mann."

Der Solarworld-Chef indes stellt die Anti-Dumping-Zölle als Rettung der deutschen Solarindustrie dar. Der Staat soll den doppelten Schlossherren retten. Für die EU-Kommission ist diese Mission durchaus heikel. Experten fürchten, dass Strafzölle einen Handelskrieg mit China auslösen. Vor allem deutsche Maschinen- und Anlagenbauer, die ihren Hauptabsatzmarkt in China haben, wären betroffen.

Ob Solarworld indes überhaupt noch gerettet werden kann, ist nicht gesagt: Falls die Gläubiger den geplanten Schuldenschnitt doch noch ablehnen, muss die Firma bald wohl Insolvenz anmelden.

Europa soll einen Handelskrieg riskieren, damit es Solarworld vielleicht ein wenig besser geht. Es ist ein Vorstoß, der gut zu Frank Asbeck passt.