Dubioser Käufer in China Verkauf von Flughafen Hahn offenbar auf der Kippe

Zweifel am chinesischen Käufer des Flughafens Hahn könnten den Deal platzen lassen. Angeblich will die Landesregierung von Rheinland-Pfalz die endgültige Entscheidung verschieben.

Hunsrück-Flughafen Hahn
DPA

Hunsrück-Flughafen Hahn


Die rheinland-pfälzische Landesregierung prüft einem Agenturbericht zufolge, ob der Verkauf des Flughafens Hahn an einen weitgehend unbekannten chinesischen Käufer gestoppt werden kann.

Demnach bestätigten gut informierte Kreise der Nachrichtenagentur dpa einen Bericht der Mainzer "Allgemeinen Zeitung", nach der die Regierung die für Juli geplante Entscheidung im Landtag über den Verkauf verschieben und parallel mit zwei weiteren Interessenten verhandeln will.

Der verschuldete Airport im Hunsrück ist bereits an die Shanghai Yiqian Trading Company (SYT) verkauft, doch der rheinland-pfälzische Landtag muss dem Deal noch zustimmen. Nach der Vertragsunterzeichnung im Juni kamen Unstimmigkeiten auf, weil die Firma SYT in China offensichtlich kaum bekannt ist und die Geschäftspartner im Dunkeln blieben. So berichtet der Südwestrundfunk, dass der Versuch, die Gruppe in Shanghai ausfindig zu machen, gescheitert ist.

Kein tragfähiges Geschäftsmodell

Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) sagte wenige Tage nach der Vertragsunterzeichnung: "Ich kann nur sagen, dass ich mich vergewissert habe, dass diejenigen, die die Verkaufsverhandlungen geführt haben, alles an Sicherheiten eingeholt haben, was möglich ist." Die Beratungsgesellschaft KPMG hatte die Verhandlungen für das Innenministerium geführt. Der Flughafen gehört zu 82,5 Prozent Rheinland-Pfalz, der Rest gehört Hessen.

Hahn ist einer der ehemaligen Militärflughäfen in Deutschland, die kein tragfähiges Geschäftsmodell gefunden haben. Rheinland-Pfalz musste wiederholt Geld nachschießen.

Hauptnutzer Ryanair schrumpft seit Jahren sein Angebot dort und setzt seine Flugzeuge lieber an großen Flughäfen wie Köln ein. Voriges Jahre zählte Hahn nur noch 2,7 Millionen Passagiere, vor zehn Jahren waren es noch knapp vier Millionen.

Zwei weitere chinesische Investorengruppen boten mit

Außer der Shanghai Yiqian Trading hatten zwei weitere Investorengruppen geboten. Zum einen der chinesische Mischkonzern HNA, der sich dazu mit dem Investorenkonsortium ADC verbündet hatte. Allerdings war das Konsortium der "FAZ" zufolge nur bereit, einen symbolischen Kaufpreis von 1 Euro zu bieten und stattdessen 50 Millionen Euro in die Infrastruktur zu investieren.

Zum anderen hatte Chinas staatlicher Wirtschaftsförderer Henan Civil Aviation Development (HNCA) ein Angebot abgegeben. Das Staatsunternehmen hatte bereits 2013 die Frachtfluggesellschaft Cargolux erworben und wollte den Regionalflughafen offenbar zu einem weiteren Fracht-Drehkreuz umbauen.

brt/dpa/Reuters

insgesamt 32 Beiträge
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koelnrio 29.06.2016
1. Kmpg
Und wie ich heute Morgen im Radio hörte, hat die KMPG auch ein Büro in Shanghai. Da konnten die nicht mehr Infos über den windigen Anbieter rausfinden? Vertrauen schafft das nicht. Was verdient man bei KMPG? Wer sitzt da? Wie arbeiten die? Nicht immer nur Agenturmeldungen online stellen.
bartnelke 29.06.2016
2. Es reicht nicht
es reicht nicht alle Sicherheiten einzuholen die möglich sind, man muß alle Sicherheiten einholen die nötig sind.
danenffm 29.06.2016
3. Peinlich, peinlich Frau Dreyer!
Da gibt es ganze Stäbe in der Mainzer Landesregierung, die mit der Materie befasst sind und es bedarf eines SWR-Reporters um herauszufinden, dass es sich um eine dubiose Briefkastenfirma handelt.
Analog 29.06.2016
4. Warum?
"Die Beratungsgesellschaft KPMG hatte die Verhandlungen für das Innenministerium geführt." Warum können das unsere Beamten nicht selbst? Was verdient diese Firma?
eDrinalin 29.06.2016
5. Kapital in öffentlicher Hand aufbauen
Wenn die Landesregierung klug ist, baut sie Kapital in öffentlicher Hand auf, statt (ausländischen) Investoren die Infrastruktur zu verhökern und hinterher die Nutzer Kapitaldienst leisten zu lassen.
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