Frankreich Arbeiter nehmen erneut Chef als Geisel

Französische Manager leben weiter gefährlich: Mitarbeiter einer von der Schließung bedrohten Fabrik haben ihren Direktor eine Nacht lang in seinem Büro festgehalten. Die Produktion soll im kommenden Jahr eingestellt werden.

Protestierende Arbeiter: Diesmal war die Chemiefirma "Rohm and Haas" betroffen
AP

Protestierende Arbeiter: Diesmal war die Chemiefirma "Rohm and Haas" betroffen


Orléans - In Frankreich haben Arbeiter erneut einen Firmenchef als Geisel genommen. Die Angestellten der Spezialkleber-Fabrik "Rohm and Hass" im zentralfranzösischen Semoy hielten ihren Direktor eine Nacht lang in seinem Büro fest, wie Gewerkschaftsvertreter am Dienstag mitteilten. Die Beschäftigten wollten mit der Aktion auf die Schließung ihrer Fabrik aufmerksam machen, wegen der sie eine Abfindung von 100.000 Euro pro Person verlangen.

Am Dienstagnachmittag ließen sie den Direktor wieder frei. "Wir wollten damit ein Zeichen in den Verhandlungen setzen", sagte Gewerkschaftsvertreter Christophe Filippini. Die Beschäftigten entschlossen sich dazu, nachdem ihnen Gespräche mit der Führung des US-Mutterkonzerns Dow Chemical zugesagt wurden. Die Fabrik, die Kleber für die Auto- und Verpackungsindustrie herstellt, hat 97 Beschäftigte. Sie soll Ende 2010 geschlossen werden.

In Frankreich haben Arbeiter seit Mitte März immer wieder Firmenchefs festgesetzt, um Forderungen durchzusetzen. Seit Juli gab es auch mehrere Fälle, in denen entlassene Beschäftigte sogar mit der Sprengung ihrer Fabriken drohten.

böl/AFP



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