Atomkraft Französischer Energiekonzern EDF kündigt 32 Milliarden Euro Verlust an

Wegen Materialmängeln und verschleppter Reparaturen steht EDF seit Monaten in der Kritik. Nun muss das Unternehmen seine Negativprognose für 2022 erneut nach unten korrigieren.
EDF-Atomkraftwerk in Belleville-sur-Loire – der Konzern meldet erneut Verluste

EDF-Atomkraftwerk in Belleville-sur-Loire – der Konzern meldet erneut Verluste

Foto: BENOIT TESSIER / REUTERS

Frankreichs maroder Energiekonzern EDF kündigt weitere Verluste an. Wegen der Ausfälle einiger Atomreaktoren und deshalb sinkender Strommengen kassierte der Vorstand zum sechsten Mal in diesem Jahr seine Prognose und kündigte für 2022 ein Minus von 32 Milliarden Euro an. Im September wurde noch mit einem Verlust von 29 Milliarden Euro gerechnet.

EDF betreibt insgesamt 56 Atomreaktoren, bei vielen waren im vergangenen Jahr Mängel festgestellt worden. Wegen der Wartung musste knapp die Hälfte der Meiler abgeschaltet werden, was Europas Energiekrise noch verschärfte. Verschlimmert wurde die Situation durch wochenlange Streiks, welche die Reparaturarbeiten verzögerten.

Der Konzern steht kurz vor der vollständigen Verstaatlichung. Erst am Mittwoch ernannte das französische Parlament Luc Rémont als neuen Vorstandsvorsitzenden. Dieser kündigte grundlegende Veränderungen in dem Konzern an, der seit Monaten wegen Materialmängeln, verschleppter Reparaturen und Missmanagement in der Kritik steht. Rémont hatte sich zuletzt optimistisch geäußert, die Reaktoren könnten noch vor dem Winter wieder in Betrieb genommen werden.

Die Produktion an Atomstrom liegt aktuell laut Unternehmen am unteren Ende einer zuvor angekündigten Spanne von 280 bis 300 Terawattstunden – ein 30-Jahres-Tief. Hinzu kommt die Belastung der Anfang des Jahres in Frankreich eingeführten staatlichen Strompreisobergrenze, die EDF nach eigenen Angaben weitere zehn Milliarden Euro kostet. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern noch einen Gewinn von 18 Milliarden Euro erzielt.

Der Vorstand erklärte, an sechs von Korrosionsproblemen betroffenen Reaktoren seien die Arbeiten mittlerweile abgeschlossen, an vier Reaktoren dauerten sie noch an. Bis Ende des Jahres sollten auch diese wieder betriebsfähig sein. Fünf weitere Reaktoren würden noch überprüft.

zob/Reuters
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