Euro-Handelszentrum Frankreichs Notenbankchef will London entmachten

Der größte Handelsplatz für den Euro ist London - obwohl Großbritannien nicht zur Währungsunion gehört. EZB-Ratsmitglied Christian Noyer will die Dominanz brechen: Der größte Teil der Euro-Geschäfte solle innerhalb der Euro-Zone abgewickelt werden. Sein Vorstoß kommt zu einem heiklen Zeitpunkt.

Mittendrin, doch nicht dabei: Briten zahlen nicht mit Euros, handeln sie aber in großem Stil
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Mittendrin, doch nicht dabei: Briten zahlen nicht mit Euros, handeln sie aber in großem Stil


Hongkong/Hamburg - Eigentlich ist Christian Noyer gerade in einer anderen Mission unterwegs: In Asien bewirbt der französische Notenbankchef Paris als Handelsplatz für den Renminbi, die aufstrebende chinesische Landeswährung. Doch in der Ferne machte Noyer auch die heimische Währung zum Thema: Das EZB-Ratsmitglied stellte London als wichtigstes Handelszentrum für den Euro in Frage.

Es sei unlogisch, dass sich das Finanzzentrum der Euro-Zone in Großbritannien befinde, sagte das EZB-Ratsmitglied der "Financial Times" ("FT"). "Wir haben nichts dagegen, wenn manche Geschäfte in London abgewickelt werden, aber der Großteil der Geschäfte sollte von uns kontrolliert werden." Seine Forderung begründete Noyer mit den Möglichkeiten der Zentralbank, Liquidität zur Verfügung zu stellen und die Aufsicht seiner eigenen Währung zu gewährleisten.

Noyers Forderung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Am Dienstag wollen die europäischen Finanzminister die EU-Bankenunion auf den Weg bringen, welche die EZB zum obersten Aufseher der Geldhäuser machen würde. Großbritannien will das Vorhaben nur unterstützen, wenn die Interessen von Nicht-Euro-Ländern gewahrt bleiben.

Bislang ist London der wichtigste Handelsplatz für den Euro. Nach "FT"-Angaben werden hier mehr als 40 Prozent der weltweiten Euro-Geschäfte abgewickelt - mehr als in der gesamten Euro-Zone zusammen. Die britische Regierung scheint entschlossen, diesen Status zu verteidigen. Im vergangenen Jahr verklagte sie die EZB wegen geplanten Regeländerungen, die Euro-Geschäfte in London einschränken würden. Es war das erste Mal überhaupt, dass ein EU-Land juristisch gegen die EZB vorging.

dab/Reuters

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DMenakker 03.12.2012
1.
Aha, der Herr Franzmann will also London entmachten. Hört sich natürlich beim kleinen, wenig Sachkundigen Wähler in der Heimat ganz dolle an. Aber wie bitte will er das machen? Das ganze funktioniert nur, wenn er die volle und uneingeschränkt Konvertierbarkeit des Euro angreift, und das wäre schlicht der Wahnsinn des Jahrtausends. So einen gnadenlosen Stuss haben in D noch nicht mal die Linken gefordert.
notty 03.12.2012
2. Wer nicht fuer uns ist......
Zitat von sysopGetty ImagesDer größte Handelsplatz für den Euro ist London - obwohl Großbritannien nicht zur Währungsunion gehört. EZB-Ratsmitglied Christian Noyer will die Dominanz brechen: Der größte Teil der Euro-Geschäfte solle innerhalb der Eurozone abgewickelt werden. Sein Vorstoß kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/frankreichs-notenbankchef-stellt-london-als-euro-handelsplatz-in-frage-a-870554.html
Noyer hat bei dem amerikanischen Flugzeugtraeger vor der Kueste Europas, vollkommen recht....England ist nur versehentlich, bzw. nur wegenh der Vorteile in der EU, ansonsten geht ihnen Europa am A.... vorbei. Getreu nach dem amerikanischen Bush-Motto...."wer nicht fuer uns ist, ist gegen uns", sollte der Euro-Finanzplatz London "trockengelegt" werden"....
ronald1952 03.12.2012
3. Wo das Geld beginnt, hört die beste Freundschaft auf
Zitat von sysopGetty ImagesDer größte Handelsplatz für den Euro ist London - obwohl Großbritannien nicht zur Währungsunion gehört. EZB-Ratsmitglied Christian Noyer will die Dominanz brechen: Der größte Teil der Euro-Geschäfte solle innerhalb der Eurozone abgewickelt werden. Sein Vorstoß kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/frankreichs-notenbankchef-stellt-london-als-euro-handelsplatz-in-frage-a-870554.html
Ich denke mal das dieses Sprichwort genau das Ausdrückt was zur Zeit in der Eurozone so abläuft. Was hat uns der Euro gebracht? Nichts, aber auch garnicht eher das Gegenteil ist der Fall. Noch nie war Europa derart Zerstritten wie heute und der Hass steigt. Gleichzeitig sind die rechten auf Stimmenfang was aber keiner so richtig wahrnehmen will, bzw tun die Politiker so als sei es keine Gefahr,weil alle umglaublich damit Beschäftigt sind ihr Schärflein ins Trockene zu bringen. Bei uns ist es gar schon soweit, daß unsere Regierenden die Rechten verbieten lassen wollen! Warum wohl? Aber die Nationalisten sind auf einem gefährlichen Vormarsch der kaum noch zu stoppen, denn die Menschen in Europa fühlen sich nur noch Belogen und Betrogen von ihren Politikern die ganz Europa an der Rand des Ruins gebracht haben.Geht es so weiter, dann werden wir uns nicht Wundern müssen ,wenn Europaweit die Rechten an die Macht kommen und dann Gnade uns Gott, falls es einen gibt. schönen Tag noch,
Benjowi 03.12.2012
4. Schizophrenes Ansinnen Englands!
Warum ausgerechnet England "Interessen" bezüglich des Euro und seiner Handelsplätze geltend machen will, dürfte flächendeckend eher auf Unverständnis stoßen. Man kann sich nicht jahrzehntelang als "euroskeptisch" um nicht zu sagen in Gegnerschaft zur EU und dem Euro begeben und gleichzeitig Interessen in dessen ureigenen Bereichen geltend machen. Das erscheint mit Verlaub gesagt als schizophren und ist bestenfalls mit der üblichen englischen Rosinenpickerei erklärbar.
Gerdtrader50 03.12.2012
5. Wes Geistes Kinder sind die alle ?
Kinderkram, dummes Zeug, die Märkte in der Welt zu versuchen, die von nicht durchblickenden Politschwafelern lahmzulegen. Wenn die Franzosen doch so tolle Eurohändler sind, dann sollen sie es durch Handeln beweisen. Wenn die Deutschen glauben, sie wären Multiwährungsspezialisten, dann sollen sie es durch Trendumkehr der Risiken und Schaffung neuer Arbeitsplätze beweisen. Statt dessen touren die alle in der Welt herum, brabbeln dummes Zeug und gehen den nervlich belasteten Insassen der Eurozone auf den Wecker. Laien, Schwätzer, Dilletanten.
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