Studie des Ifo-Instituts Frauen gründen durch Corona seltener Firmen – besonders im Westen

Schon vor der Coronakrise gründeten Männer deutlich häufiger Firmen. Während der Pandemie ist der Frauenanteil weiter gesunken – besonders in Westdeutschland, wo es weniger Kinderbetreuung gibt.
In fast allen Branchen sank der Anteil weiblicher Gründerinnen in den vergangenen Jahren

In fast allen Branchen sank der Anteil weiblicher Gründerinnen in den vergangenen Jahren

Foto: Luis Alvarez / Getty Images

Die Gründerszene in Deutschland ist männlich geprägt. Seit Ausbruch der Coronapandemie gibt es laut einer Studie des Ifo-Institus im Verhältnis noch weniger Frauen als Männer, die Unternehmen gründen. Das betreffe vor allem den ländlichen Raum. Während Frauen bereits vor der Pandemie weniger als 20 Prozent aller neuen Firmen in Deutschland anstießen, lag ihr Anteil an den im Handelsregister erfassten Gründungen im Jahr 2021 nur noch bei 16 Prozent.

»Als die Schulen geschlossen waren, haben vor allem die Frauen die zusätzliche Betreuung der Kinder geschultert«, erklärte Ifo-Expertin Elena Herold die Entwicklung einer Mitteilung  zufolge. »Dadurch ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf noch schwieriger geworden.« Das dürfte die Bereitschaft, ein Unternehmen zu gründen, noch einmal reduziert haben.

Weniger Gründerinnen in Westdeutschland

Besonders stark ist der Anteil der Gründerinnen den Angaben zufolge in westdeutschen, ländlichen Kreisen zurückgegangen. Außerhalb von Großstädten beträgt er in Westdeutschland nunmehr 13 Prozent – ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Spitzenwert von 17 Prozent im Jahr 2012. In Großstädten und ostdeutschen Landkreisen – jeweils Regionen mit einer besseren Kinderbetreuung – gründeten Frauen mehr neue Unternehmen als im Westen. Hier lagen die Anteile im Jahr 2021 bei 19 und 14 Prozent.

In fast allen Branchen sank dabei der Anteil weiblicher Gründerinnen in den vergangenen Jahren. »Insbesondere im Hightech-Sektor, dem Geschäftsfeld mit dem höchsten Innovationspotenzial, gründen Frauen noch seltener«, so das Ifo-Institut zu seiner Studie.

Für die Untersuchung wurden Neueintragungen von Firmengründungen in das Handelsregister in den Jahren 2005 bis 2021 ausgewertet. Die Daten enthalten vor allem GmbHs und Unternehmergesellschaften und konzentrieren sich damit auf Firmen mit einem überdurchschnittlichen Innovationspotenzial.

Bereits im Frühjahr 2021 mahnte das Weltwirtschaftsforum (WEF), die Coronakrise würde die Gleichberechtigung von Frauen um Jahre zurückwerfen. Die Pandemie habe Frauen besonders getroffen, weil sie überdurchschnittlich in Branchen tätig seien, die von Einschränkungen betroffen gewesen seien, hieß es in dem WEF-Papier. Zudem seien Haushalt sowie Kinder- oder Seniorenbetreuung überproportional an Frauen hängen geblieben. Deshalb seien mehr Investitionen im Pflegebereich nötig.

ani/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.