Weibliche Führungskräfte Bei Unternehmen ohne Frauenquote tut sich fast nichts

In dieser Woche müssen 3500 deutsche Firmen ihren geplanten Frauenanteil in Führungsgremien erfüllt haben. Die Bilanz ernüchtert. Im Vergleich zu Unternehmen mit gesetzlicher Quote versagt der Rest der Wirtschaft.

Nur die Pflicht hilft offenbar. Rund 100 Unternehmen, die 2015 per Gesetz eine Frauenquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten auferlegt bekommen haben, erreichen diese fast. Dagegen lässt sich die große Mehrheit der Wirtschaft Zeit. 3500 Firmen durften eigene Ziele für den Anteil von Frauen in Kontrollorganen und Vorstand festlegen - und sollten diese bis Ende Juni dieses Jahres umsetzen. Geschehen ist wenig, wie neue Zahlen der angesehenen Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) zeigen.

In den Vorständen von 185 ausgewählten Unternehmen liegt der Frauenanteil laut der Organisation erst bei 6,8 Prozent. Von diesen Firmen besäßen 65,2 Prozent sogar gar keine weiblichen Vorstände und setzten sich die Zielgröße "Null" für die Vorstandsetage.

Dagegen ist der Anteil der Frauen bei Neubesetzungen in den Aufsichtsräten der aktuell 105 börsennotierten und voll mitbestimmten Großunternehmen auf 28,1 Prozent gestiegen und liegt damit nur noch wenig unter den gesetzlich geforderten 30 Prozent. Einen Wermutstropfen hat die positive Entwicklung: Die Unterschiede sind nach Angaben von FidAR groß zwischen den Unternehmen - von einem Frauenanteil von 50 Prozent bis hinunter zu null.

Quote für weitere Unternehmen gefordert

"Es wachsen die Zweifel, ob die Festlegung von Zielgrößen alleine den notwendigen Kulturwandel in den Unternehmen einleiten kann", heißt es in der FidAR-Studie, dem sogenannten Women-on-Board-Index. FidAR-Präsidentin Monika Schulz-Strelow geht noch weiter: "Wir brauchen ein neues Gesetz - zunächst die 30-Prozent-Quote für die Aufsichtsräte der 3500 Unternehmen", sagt sie.

Diese Forderung nach weiterem gesetzlichen Druck wird auch an anderen Stellen laut. Familienministerin Katarina Barley (SPD) sagt, der Gesetzgeber müsse erneut tätig werden, wenn es bei den Zielgrößen für Vorstände nicht sehr bald bessere Ergebnisse gebe. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert feste Quoten auch für Aufsichtsräte und Vorstände nicht börsennotierter Unternehmen.

kig/dpa
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