Führungspositionen Frauen können nix... werden

Von Januar an gilt die Frauenquote für Aufsichtsräte - ein Drittel der größten deutschen Unternehmen will dort auch mehr Frauen einsetzen. Doch eine Umfrage zeigt: Andere Führungspositionen bleiben weitestgehend Männern vorbehalten.
Frauenquote Vorstände, Grafik: SPIEGEL ONLINE

Frauenquote Vorstände, Grafik: SPIEGEL ONLINE

Foto: SPIEGEL ONLINE; Quelle: FidAR e.V.

Wie kann der Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöht werden? Darüber haben Politiker, Wirtschaftsvertreter und Gewerkschafter lange gestritten. Die Antwort kam im Mai in Form eines Gesetzes: Eine verbindliche Frauenquote für Aufsichtsräte von großen Unternehmen, flexiblere Regelungen für mittelgroße Firmen; umzusetzen vom 1. Januar 2016 an.

Für 102 börsennotierte und voll mitbestimmte Unternehmen gilt die feste Quote. Trotzdem planen längst nicht alle von ihnen bei Neubesetzungen ihrer Führungspositionen im kommenden Jahr fest mit Frauen. Einer Umfrage des Vereins Frauen in die Aufsichtsräte (Fidar) zufolge, haben 59 Firmen ihre Planziele bereits formuliert. In immerhin 31 Unternehmen sollen mehr Frauen in den Aufsichtsrat rücken.

In Führungspositionen ohne gesetzliche Quote sieht die Besetzung schon anders aus. 23 Unternehmen, in denen bislang noch keine Frau in der Vorstandsebene ist, wollen das auch so beibehalten. Häufigstes Argument: Es gäbe nicht genügend qualifizierte Kandidatinnen, und wenn, würden sich viele von ihnen die Strapazen eines Vorstandsjobs nicht zumuten wollen.

Fidar sieht in dieser "Zielvorgabe null" einen Affront gegen Frauen. "Die erste Bilanz der vorgelegten Planziele ist ernüchternd", sagte Fidar-Präsidentin Monika Schulz-Strelow. "Die Unternehmen wollten flexible Lösungen. Jetzt, da diese auch gesetzlich festgelegt sind, liefern sie nur begrenzt."

Das Problem: Das "Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst" sieht keine Sanktionen vor. Ist die Quote von 30 Prozent bei der Neuwahl des Aufsichtsrats nicht erreicht, bleibt der Platz leer.

Zwar hat sich der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der großen Unternehmen in diesem Jahr bereits leicht um 1,8 Prozentpunkte auf 23,1 Prozent erhöht. 28 Firmen erfüllen die Quote sogar bereits. In den Vorständen stagniert der Anteil jedoch weiterhin bei 5,5 Prozent - und bislang wollen das nur elf Firmen im kommenden Jahr ändern (siehe Grafik).

Positiver ist die Entwicklung auf der ersten und zweiten Führungsebene: Laut Fidar streben hier 34 beziehungsweise 31 Unternehmen an, Stellen mit Frauen neu zu besetzen. Auf allen vier Ebenen haben sich demnach bislang nur Bayer, Metro und RWE darauf festgelegt, den Frauenanteil erhöhen.

Die Frauenquote sieht unterschiedliche Vorgaben je nach Größe eines Unternehmens vor. Die feste Quote von 30 Prozent gilt nur für Aufsichtsräte von börsennotierten und voll mitbestimmten Unternehmen. Sie müssen ihre Zielgrößen im Geschäftsbericht 2015 veröffentlichen. Außerdem müssen diese Firmen sowie rund 3500 weitere Unternehmen Zielvorgaben für den Frauenanteil im Vorstand und in zwei weiteren Führungsetagen veröffentlichen. Einen Überblick über die 50 einflussreichsten Frauen in der deutschen Wirtschaft finden Sie hier.

brk
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.