Freihandelsabkommen Indien setzt Verhandlungen mit EU aus

Die Gespräche kamen seit Jahren nur schleppend voran, nun ruhen sie offenbar ganz: Indien hat die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen mit der EU vertagt. Das Land reagiert damit auf ein Verkaufsverbot von Medikamenten.


Indien hat verärgert auf ein Verkaufsverbot von Hunderten pharmazeutischen Produkten in der Europäischen Union reagiert. Kurz nachdem die EU-Kommission im Juli einen Stopp für 700 Zulassungen verhängt hatte, vertagte Indien nun die Wiederaufnahme von Freihandelsgesprächen mit der EU. Dies teilten indische Regierungsvertreter mit. Die Brüsseler EU-Kommission will an den Verhandlungen festhalten.

Die Kommission hatte als Reaktion auf gefälschte Untersuchungen der indischen Firma GVK Biosciences verfügt, dass die Medikamente vom 21. August an nicht mehr in den 28 EU-Staaten sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen verkauft oder verschrieben werden dürfen. Ausnahmen sind aber unter bestimmten Bedingungen möglich.

Die indische Regierung teilte nun mit, sie habe keine Belege für Manipulationen gefunden und stehe bereits seit mehr als acht Monaten in Verhandlungen mit den Behörden. "Indien ist enttäuscht und besorgt über die EU-Maßnahmen, weil die Pharmaindustrie ein Aushängeschild unseres Landes ist", sagte ein Sprecher des Handelsministeriums.

Ein Sprecher in Brüssel sagte hingegen: "Die Kommission engagiert sich weiterhin für eine Fortsetzung der Arbeiten zum Abschluss eines Abkommens zwischen Indien und der EU, das für beide Seiten akzeptabel wäre."

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström hatte am Dienstag erklärt, die 2007 aufgenommenen Gespräche seien mit unterschiedlichen Zielsetzungen gestartet und hätten deshalb eine Weile geruht. Beide Seiten hätten aber ein Treffen für Anfang September vereinbart. Dabei wollten die Beteiligten eine Zwischenbilanz ziehen und prüfen, ob der Wille zur Wiederaufnahme der Verhandlungen vorhanden sei.

Malmströms Sprecher sagte dazu am Donnerstag: "Wir erwarten, dass diese Gespräche bald stattfinden." Seine Behörde gehe davon aus, dass Verzögerungen, die dies verhindern würden, vermieden werden könnten. Die EU ist Indiens wichtigster Handelspartner.

brk/dpa



insgesamt 5 Beiträge
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ichsagemal 06.08.2015
1.
...bislang galt für Europa: Go West! Heute geht da die Sonne unter und der Natur folgend, geht sie immer noch im Osten auf.
leser008 07.08.2015
2. Schlaue Inder
Na da sind die Inder wohl ein bischen schlauer als unsere Politiker. Handelsabkommen, die man bisher auch nicht brauchte, kann man sich nun auch sparen. Dieses TTIP wird uns aber wohl nicht erspart bleiben. Dafür bürgt unser Lobbystaat.
lestat3006 07.08.2015
3.
Wie laufen die Verhandlungen über Rindfleisch-Importe aus Indien?
rotertraktor 07.08.2015
4. Geht doch
Da werden die Verhandlungen wegen Medikamenten ausgesetzt, und bei uns wird beim TTIP weiter zu Kreuze gekrochen, obwohl sämtliche Bürger, Unternehmen und Politiker von der U/NSA gnadenlos ausspioniert werden. Vielleicht brauchen unsere Verhandlungsführer auch ein paar Medikamente, um ihren gesunden Menschenverstand zu reaktivieren.
new_eagle 07.08.2015
5. Menschenversuche = Aushängeschild Indiens!?
"Indien ist enttäuscht und besorgt über die EU-Maßnahmen, weil die Pharmaindustrie ein Aushängeschild unseres Landes ist". Richtig müsste es wohl heißen: Menschenversuche sind ein Aushängeschild Indiens, denn in dem Land verkaufen sich täglich tausende Menschen als menschliche Versuchskaninchen an die global agierenden Pharmakonzerne. Menschen die ansonsten weder ausreichend zu essen noch ausreichende medizinische Versorgung erhalten würden. Und das in einem Land das über Nuklearwaffen verfügt und ein Weltraumprogramm unterhält.
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