EU-Kommissarin über TTIP "Nicht leicht, die Angst in Deutschland zu verstehen"

Tausende Menschen wollen in Hannover gegen TTIP protestieren. EU-Handelskommissarin Malmström ärgert das: Es sei "seltsam", dass so großer Widerstand gegen das Freihandelsabkommen ausgerechnet aus dem wohlhabenden Deutschland komme.

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström
AFP

EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström


Die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström hat sich verwundert darüber gezeigt, dass viele Menschen hierzulande das geplante transatlantische Freihandelsabkommen TTIP ablehnen.

"Ehrlich gesagt finde ich es ein wenig seltsam, dass der größte Widerstand gegen das TTIP-Abkommen ausgerechnet aus Deutschland kommt, einem wirtschaftlich sehr erfolgreichen Staat", sagte die liberale schwedische Politikerin dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. "Es fällt mir nicht leicht, die Angst in Deutschland zu verstehen", fügte sie hinzu. Malmström führt auf der Seite der Europäer die transatlantischen Verhandlungen.

Vom Besuch des amerikanischen Präsidenten Barack Obama am Sonntag und Montag in Hannover erwartet Malström neuen Schwung für TTIP. "Ich hoffe, dass Obama und Kanzlerin Angela Merkel der deutschen Öffentlichkeit erläutern, warum dieses Abkommen so wichtig ist und es keinen Anlass zur Furcht gibt", sagte sie.

Obama und Merkel warben kurz vor ihrem Treffen noch einmal für TTIP. "Einer der besten Wege, das Wachstum zu fördern und Arbeitsplätze zu schaffen, ist die transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft", sagte der US-Präsident der "Bild"-Zeitung.

Merkel erklärte in ihrer wöchentlichen Videobotschaft, die Chancen von TTIP seien wesentlich größer als die Risiken. "Wir gehen nicht hinter unsere Standards zurück, sondern wir sichern das, was im Umweltbereich, im Verbraucherschutzbereich heute in Europa gilt", sagte sie.

Einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung zufolge lehnt jeder dritte Deutsche das geplante Abkommen zwischen der EU und den USA komplett ab. Nur knapp jeder fünfte Bundesbürger bewertet TTIP positiv. Etwa die Hälfte der Befragten äußerte sich weder klar dagegen noch dafür.

Video: Große Anti-TTIP-Demo in Hannover

lov/dpa/Reuters

insgesamt 515 Beiträge
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ohne_mich 23.04.2016
1. Was schert es sie?
Was schert sich Frau Malmström überhaupt um den deutschen oder gar europäischen Pöbel? Nach eigener Aussage ("I don't take my mandate from the European people.") doch überhaupt nicht. Also kann sie sich gern auch hier geschlossen halten.
BettyB. 23.04.2016
2. Eine Frage bleibt...
Ist Malström für die Entmachtung der Politiker durch die Wirtschaftsbosse oder versteht sie nicht, dass diese eine Folge von TTIP sein würde? Aber wie sollte eine EU-Kommissarin auch die politische Dimension eines solchen Vertrages verstehen. Die Alternative: Senkung aller Zölle und das war es, aber nur Böswillige meinen, dass dieses Malström ja gerade nicht will. Und Normenangleichung? Eben auch das wäre möglich ohne Politiker wohl für alle Zeiten zu entmachten ...
de.sch.00 23.04.2016
3.
Man kann diese Aussage ja fast schon als Provokation verstehen. Fühlen sich die Politiker schon so abgehoben, dass sie nicht einmal mehr vernünftig nachdenken können? Kein Bürger weiß worum es wirklich geht, und der gute Herr Gabriel setzt alles daran, dass es auch so bleibt. Wieso sollten wir ein Projekt unterstützen, das von irgendwelche Politikern hinter unseren Rücken besprochen wird?
Koda 23.04.2016
4. Mal sehen, was die Kommissarin sagt, wenn US-Firmen ....
"Wir gehen nicht hinter unsere Standards zurück, sondern wir sichern das, was im Umweltbereich, im Verbraucherschutzbereich heute in Europa gilt", sagte sie." die EU und die europäischen Länder auf Schadenersatz verklagen, weil die EU-Gesetze ihren Profit behindern.
tommit 23.04.2016
5. Sie versteht das nicht?
Dann hat die Kommissarin wirklich nicht viel verstanden.. ausserdem beweist diese Aussage in Hinweis auf die WOhlhabenden genau was über dieses ABkommen vermutet wird.. Es dient zur Besitzstandswahrung.. Ich glaube bald Politiker können sowas nicht verstehen das ist eine Frage von vorhandenen Logikzellen im Gehirn.. Politiker sind es gewohnt mit allen Mittelbn die Möglichkeit des unendlichen Wachstums zu postulieren.... um ihre eigenen Stelle zu rechtfertigen.. Liebe Politiker: Wenn die erste Welt zunäöchst finanziell zusammenrückt dann macht das au Generationenverträgeler eben einen schlechten EIndruck... Wer das nicht versteht sollte seine Ohren untersuchen lassen.
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