Klimaaktivistin nach Gespräch mit Kaeser Neubauer schlägt Wissenschaftler für Siemens-Aufsichtsposten vor

Nach Kritik an einem Siemens-Projekt hat Firmenchef Kaeser der "Fridays for Future"-Aktivistin Neubauer einen Aufsichtsjob angeboten. Doch die lehnt ab, weil sie dann den Interessen des Unternehmens verpflichtet wäre.
"Fridays for Future"-Aktivisten Luisa Neubauer und Nick Heubeck nach dem Gespräch mit Joe Kaeser

"Fridays for Future"-Aktivisten Luisa Neubauer und Nick Heubeck nach dem Gespräch mit Joe Kaeser

Foto: Soeren Stache/ dpa

Die Klimaaktivistin Luisa Neubauer will dem von Siemens-Chef Joe Kaeser angebotenen Sitz in einem Aufsichtsgremium des künftigen Unternehmens Siemens Energy eine Absage erteilen. "Ich werde das Angebot persönlich nicht annehmen können", sagte Neubauer der Nachrichtenagentur dpa. Sie "habe aber Siemens darum gebeten, das Angebot an einen Vertreter oder Vertreterin der Scientists For Future weiterzugeben".

Dabei handelt es sich um eine Initiative von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die die Klimaschutz-Bewegung "Fridays for Future" unterstützen. Neubauer sagte weiter: "Wenn der Firma ernsthaft an Klimaschutz und 'Fridays For Future' gelegen ist, wird sie meine Entscheidung respektieren."

Kaeser hatte Neubauer den Sitz in einem Aufsichtsgremium am Freitag bei einem Gespräch über ein umstrittenes Projekt in Australien angeboten. Ob es der Aufsichtsrat oder ein anderes Gremium sei, könne Neubauer selbst entscheiden.

Neubauer: "Könnte Siemens dann nicht mehr unabhängig kommentieren"

Siemens will bis kommenden Montag über die Lieferung einer Zugsignalanlage für ein umstrittenes Kohlebergwerk in Australien entscheiden (Lesen Sie hier, was Joe Kaeser im Interview dazu sagt). Die Adani Group mit Hauptsitz in Indien will in Australien eines der größten Kohlebergwerke der Welt aufbauen, das aus fünf Untertageminen und sechs Tagebaustätten bis zu 60 Millionen Tonnen Kohle pro Jahr fördern soll. Das Projekt wird von Umweltschützern seit Jahren bekämpft. Neben dem Klimaaspekt geht es dabei auch um den Verbrauch von Wasser, die Zerstörung von Lebensraum und den Transport der Kohle über das Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Welt. (Lesen Sie hier die Hintergründe zu dem Projekt).

Neubauer begründete ihre Entscheidung, auf den Sitz zu verzichten, mit dem Aktienrecht. "Mit dem Posten wäre ich den Interessen des Unternehmens verpflichtet und könnte Siemens dann nicht mehr unabhängig kommentieren. Das ist nicht mit meiner Rolle als Klimaaktivistin zu vereinbaren." Sie sei dem Paris Klimaabkommen und dem 1,5-Grad-Ziel zur Begrenzung der Erderwärmung verpflichtet. "Am Beispiel Joe Kaeser sieht man diese Tage, dass diese unabhängige Rolle dringend gebraucht wird."

kko/dpa
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