Friedrich Merz' Arbeitgeber Der Blackrock-Chef schreibt den Deutschen einen Brief

Wer ist Blackrock? Die Frage stellt sich spätestens, seit Friedrich Merz CDU-Vorsitzender werden will. Der Chef der US-Fondsgesellschaft erklärt den Deutschen nun per Brief, wie seine mysteriöse Firma funktioniert.
Larry Fink

Larry Fink

Foto: Ng Han Guan/ AP

Ende Oktober wurde bekannt, dass Friedrich Merz zurück auf die große politische Bühne drängt und CDU-Chef werden will. Und seitdem wird spekuliert, was es eigentlich mit der amerikanischen Fondsgesellschaft Blackrock auf sich hat, deren deutschen Aufsichtsrat Merz seit 2016 führt.

Weithin bekannt ist inzwischen, dass Blackrock 6,4 Billionen Dollar an Kundengeldern in rund 17.000 Unternehmen investiert hat; Rekordzahlen, die die Amerikaner zum größten Vermögensverwalter der Welt machen. Viel mehr indes ist der breiten Öffentlichkeit bislang kaum bekannt - ein Umstand, den die in New York ansässige Gesellschaft in den vergangenen Jahren regelrecht zu einem Mysterium gemacht hat.

Friedrich Merz

Friedrich Merz

Foto: TOBIAS SCHWARZ/ AFP

Die Gründe dafür sind vielfältig: Selten sind Finanzthemen massentauglich. Und auch das Unternehmen selbst tat bisher eher wenig dafür, der Öffentlichkeit zu erklären, was sein Geschäftszweck ist.

Jetzt aber, im Zuge von Merz' Comeback, wagen die Amerikaner mehr Transparenz. Larry Fink, der öffentlichkeitsscheue Vorstandschef, hat auf der firmeneigenen Website einen Brief veröffentlicht , um etwas Licht ins Dunkel zu lassen.

"Als Vorstandsvorsitzender von Blackrock möchte ich uns Ihnen gerne persönlich vorstellen", schreibt Fink, schließlich sei die Firma in den vergangenen Wochen "in den Fokus der deutschen Öffentlichkeit gerückt".

Dann führt er aus: "Sieben Kollegen und ich haben dieses Unternehmen vor 30 Jahren in einem kleinen Büro gegründet. Wir sind seitdem gewachsen, indem wir die Interessen unserer Kunden in den Mittelpunkt unserer Arbeit stellen." Seit 25 Jahren sei Blackrock in Deutschland aktiv und betreue hier - wie überall auf der Welt - als Treuhänder die Ersparnisse von Arbeitern, Angestellten, Unternehmern und Rentnern.

"Unser Ziel ist es, unseren Kunden einen einfachen Zugang zu den Anlagemärkten und damit die Teilhabe am Wirtschaftswachstum zu ermöglichen. Schon ab einem Anlagebetrag von 25 Euro", wirbt Fink für sein Unternehmen.

Blackrock halte Minderheitsbeteiligungen und führe "einen Dialog mit den Unternehmen, um ihre Strategie und den gesellschaftlichen Beitrag jedes Unternehmens besser zu verstehen. Damit nehmen wir unsere Aufgabe aktiv wahr."

Umstrittene Kritik

Mit dem offenen Brief reagiert Fink auf die zahlreichen Blackrock-Kritiker. Umstritten ist vor allem, wie viel Einfluss die Fondsgesellschaft auf Unternehmen ausübt, in die sie investiert hat. Tatsächlich hält Blackrock in der Regel kaum mehr als fünf Prozent an Unternehmen. Das macht die Amerikaner in Einzelfällen zwar zum größten Aktionär. Um dem Management zu sagen, wo es langgeht, ist das allerdings deutlich zu wenig. Es sei denn, Blackrock tut sich mit anderen Investoren zusammen. Wie 2015, als mehrere Fondsgesellschaften, allen voran Blackrock, den damaligen Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain aus dem Amt drängten.

Zudem ist Blackrock ein sogenannter passiver Investor. Das heißt: Die Blackrock-Fonds bilden Indizes nach, indem sie zum Beispiel die im Dax vertretenen Aktien mit exakt deren Gewichtung im Index kaufen. Diese "Exchange-Traded Funds" (ETF) sind für die Anleger oft vorteilhaft, weil sie weniger Gebühren kosten. Deshalb werden sie weltweit immer beliebter. Die Kehrseite dieses Erfolgs: Inzwischen sind ETFs Gegenstand aufsichtsrechtlicher Debatten. Dahinter steckt die Sorge, ETFs könnten in Krisen wie Brandbeschleuniger wirken, sobald einzelne Aktien, aus welchen Gründen auch immer, plötzlich drastisch an Wert verlieren und die passiven Fonds gezwungen wären, ebenfalls ihre Aktien rasch abzustoßen.

Die "Brandbeschleuniger"-Theorie ist allerdings umstritten, und in seinem Brief geht Fink auf diesen Punkt auch nicht ein. Wie auch nicht auf den Umstand, dass die rund 17.000 Portfoliounternehmen von gerade einmal 40 Blackrock-Analysten betreut werden - was allzu große Einflussnahme erschwert. So bleibt Finks Brief ein eher zaghafter Versuch, Blackrock dem breiten Publikum vorzustellen.

Sollte Merz tatsächlich CDU-Chef - und anschließend womöglich gar Kanzler - werden, dürfte der Mann aus New York vermutlich gezwungen sein, sein Geschäft und Merz' Rolle als Aufsichtsratschef noch etwas eingehender zu erklären.

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