CDU-Politiker Friedrich Merz arbeitet wieder als Aufsichtsrat bei Blackrock

Er kehrt in die Finanzbranche zurück: Nach seinem kurzen Ausflug in die große Politik ist Friedrich Merz nach SPIEGEL-Informationen wieder als Aufsichtsratschef der Deutschland-Tochter von Blackrock tätig.

Friedrich Merz
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Friedrich Merz behält nach SPIEGEL-Informationen seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender bei Blackrock Deutschland. Der ehemalige Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion arbeitet bereits seit dem Frühjahr 2016 für die amerikanische Fondsgesellschaft, hatte das Amt im Zuge seiner Bewerbung um den CDU-Parteivorsitz aber vorübergehend ruhen lassen. Auf dem CDU-Bundesparteitag Anfang Dezember 2018 schließlich unterlag er knapp Annegret Kramp-Karrenbauer, die Angela Merkel als Parteichefin folgte.

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Anschließend habe Merz in einem Gespräch mit Blackrock-Chef Larry Fink vereinbart, weiter für die Amerikaner zu arbeiten, heißt es in Frankfurt. Selbstverständlich ist das nicht: Fink war Insidern zufolge zunächst höchst verärgert über Merz' Entscheidung, für den CDU-Parteivorsitz zu kandidieren. Der Politiker hatte den Blackrock-Chef erst spät, fast zeitgleich mit der Öffentlichkeit, über seine Kandidatur informiert. Als CDU-Parteichef hätte er seinen Aufsichtsratsposten niederlegen müssen.

Merz weiter als Cheflobbyist unterwegs

Inzwischen ist der Ärger verflogen und Merz weiter als Ratsvorsitzender und Cheflobbyist für die Fondsgesellschaft unterwegs, die für überwiegend private Investoren mehr als 6000 Milliarden Dollar angelegt hat und weltweit an Tausenden Unternehmen beteiligt ist.

Jüngst etwa informierte er, zusammen mit dem früheren britischen Schatzkanzler George Osborne, rund 800 Blackrock-Kunden per Telefonkonferenz über die Auswirkungen des gescheiterten Brexit-Votums im Londoner Unterhaus; kommende Woche reist er mit einer Blackrock-Delegation um Fink zum Weltwirtschaftsforum ins schweizerische Davos. Ende Januar soll er auf dem Mannheimer Fondskongress sprechen.

Merz soll Kramp-Karrenbauer künftig vor allem in Wirtschafts- und Steuerfragen beraten - eine Aufgabe, die sich mit seiner Tätigkeit für Blackrock verträgt. Sollte Merz allerdings doch noch ein offizielles Amt übernehmen, etwa als Bundesminister, oder Kanzlerkandidat seiner Partei werden, müsste er seinen Ratsposten abermals niederlegen. Dann allerdings für immer.

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insgesamt 74 Beiträge
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Seite 1
dr_gb 18.01.2019
1. gut.
gut für ihn. Und für uns, wenn er denn nicht verantwortlich in der Politik/Regierung die eine -- oder deren gar viele -- Variante[n] eines Schäuble-Immitators mimt.
s.l.bln 18.01.2019
2. Hat ja...
...länger gedauert, als ich dachte. Das gespielte Zerwürfnis mit seinem Arbeitgeber hat ihm eh niemand abgenommen. Toll der folgende Satz: "Merz soll Kramp-Karrenbauer künftig vor allem in Wirtschafts- und Steuerfragen beraten - eine Aufgabe, die sich mit seiner Tätigkeit für Blackrock verträgt. " Rechtlich mag das stimmen, mehr aber auch nicht.
isi-dor 18.01.2019
3. Konnte man sich denken...
Das Geld war ihm dann doch wichtiger, als ein Ehrenamt für die Solidargemeinschaft. Ich habe letztlich nichts anderes erwartet. Daran kann man schön sehen, dass die Union schon richtig gewählt hat.
kingcole 18.01.2019
4. Ich kann es verstehen
Auch wenn mir Merz als Politiker eher in die FDP gehört, war das Angebot, das AKK und Merkel ihm gemacht haben, eine wirkliche "Schande". Die beiden haben es nicht mal fertig gebracht, ihn als Wirtschaftsminister einzubinden. Statt dessen der unerfahrene Altmeier. An solchen Beispielen zeigt sich für mich, inwieweit dieses Deutschland 2019 gefährdet ist, seinen Wohlstand zu verspielen, weil es die falsche politische Kultur des Abwartens und der minderen Kompetenz zum Standard gemacht hat. Zudem findet eine Diskussion darüber, wie Wohlstand erarbeitet und dann möglichst gerecht verteilt wird schon gar nicht mehr Stadt im Schatten von Klimaschutz, Immigration, dem Wohl der Eidechse, etc, Erschreckend.
supersteher 18.01.2019
5. Tja
da hat mal ausnahmsweise der Versuch der Finanzwirtschaft, einen der Ihren in der Politik zu installieren, nicht funktioniert. Merz war tatsächlich mit der gefährlichste Politiker der die letzten paar Jahre auf diese Gesellschaft losgelassen wurde. Sie werden es weiterhin versuchen.
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