Hedgefonds und Co. Schattenbanken breiten sich im Finanzsystem aus

Sie können Finanzkrisen beschleunigen oder sogar auslösen: Hedgefonds und Zweckgesellschaften gelten als Risiko für das globale Geldsystem. 2011 setzten die sogenannten Schattenbanken 67 Billionen Dollar um - ein Plus von fünf Billionen Dollar. Damit sorgten sie für ein Viertel aller Transaktionen.
Finanzplatz London: Deutliches Plus für Schattenbanken

Finanzplatz London: Deutliches Plus für Schattenbanken

Foto: ? Luke MacGregor / Reuters/ REUTERS

Frankfurt am Main - Die gefürchteten Schattenbanken sind nach Erkenntnissen der Banken-Regulierer größer als vor der Finanzkrise. Der Finanzstabilitätsrat (FSB) der G-20-Staaten beziffert das Geschäftsvolumen der Investoren, die den weltweiten Geldkreislauf mit Krediten und Liquidität anheizen, für das Jahr 2011 auf 67 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2007 waren es 62 Billionen Dollar, vor zehn Jahren nur 26 Billionen. Damit sorgen die überwiegend unregulierten Institutionen für fast ein Viertel der Vermögenswerte im gesamten Finanzsystem.

Bei Schattenbanken handelt es sich um Institute oder Geschäftszweige, die bankähnliche Aufgaben wie Finanzierungen übernehmen, ohne jedoch der Bankaufsicht zu unterliegen. Dabei handelt es sich vor allem um Hedgefonds, Geldmarktfonds, aber auch Zweckgesellschaften, also Institute, die für riskante Geschäfte bekannt sind.

Wie die Regulierer einräumen, könnte der Anteil der Schattenbanken am Finanzsystem sogar noch größer sein. Die Dunkelziffer ist groß. So seien viele Hedgefonds in Steuer- und Finanzparadiesen angesiedelt. Von dort bekommen die Aufseher keine genauen Daten.

Der Finanzstabilitätsrat, der bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel angesiedelt ist, will im Zuge der weltweiten Regulierungsbemühungen auch die Kontrolle über die Schattenbanken verstärken. Am Sonntag stellte der Finanzstabilitätsrat Pläne vor, die bis September 2013 von den G-20-Staaten umgesetzt werden sollen.

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Schattenbanken seien an sich nichts Schlechtes, betonten die Aufseher. Das Problem sei jedoch, dass sie Finanzkrisen beschleunigen oder sogar selbst auslösen können. Das sei der Fall, wenn sie für eine steigende Verschuldung der Banken sorgen, vor allem aber, wenn sie langfristige Kredite zu kurzfristig refinanzieren. In einer Krise ziehen sie sich oft schnell zurück und hinterlassen Chaos im Finanzsektor.

Brandbeschleuniger nach der Lehman-Pleite

Als besonders problematisch sehen die Aufseher Geldmarktfonds. Diese haben etwa in der Euro-Schuldenkrise für Verwerfungen gesorgt, weil sie den europäischen Banken Dollar-Liquidität entzogen hatten. Sie seien am verwundbarsten, weil ihre eigenen Geldgeber in schlechten Zeiten häufig blitzschnell die Liquidität abziehen. Aber auch die Wertpapierleihe und die Wiederverbriefung von Verbindlichkeiten sollen besser überwacht werden.

Die Pleite von Lehman Brothers und die Beinahe-Pleite des US-Versicherungsriesen AIG in der Finanzkrise hatten vor allem deswegen einen Flächenbrand ausgelöst, weil beide Institute stark in der Wertpapierleihe vertreten waren. Zu den Schattenbanken zählen auch Investment-Vehikel, in die etwa deutsche Landesbanken außerhalb der Bilanz investiert und damit riesige Verluste gemacht hatten.

Den größten Schattenbanken-Sektor haben nach den FSB-Daten die USA: Er ist dort allein 23 Billionen Dollar groß und macht 35 Prozent des gesamten Finanzsektors aus. Die gesamte Euro-Zone kommt auf 22 Billionen Dollar. Allerdings ist der Anteil der USA von 2005 bis 2011 von 44 auf 35 Prozent gesunken - vor allem zugunsten von Großbritannien. In internationalen Finanzzentren wie Hongkong, Großbritannien, Singapur und der Schweiz erreicht das Volumen der Schattenbanken ein Vielfaches der Wirtschaftsleistung.

cte/ReutersAFP