Für 300 Millionen Euro US-Konzern kauft Wirecard-Tochter

Die Zerschlagung des Skandalkonzerns Wirecard schreitet voran: Das US-Unternehmen Syncapay hat laut Insolvenzverwalter Michael Jaffé Wirecard North America gekauft - für ein Zehntel der Schulden.
Firmenzentrale von Wirecard in Aschheim, Bayern

Firmenzentrale von Wirecard in Aschheim, Bayern

Foto: Peter Kneffel / DPA

Die US-Holdinggesellschaft Syncapay hat das Nordamerika-Geschäft des insolventen Zahlungsdienstleisters Wirecard gekauft. Die Anteile von Wirecard North America brachten laut "Süddeutscher Zeitung" mehr als 300 Millionen Euro ein. 

Die Schulden des Zahlungsabwicklers belaufen sich allerdings auf mehr als das Zehnfache. Insolvenzverwalter Michael Jaffé nannte den Verkauf einen "wichtigen Meilenstein bei der Verwertung des Vermögens der Wirecard AG im besten Interesse der Gläubiger". Dem Verkauf müssen noch die Aufsichtsbehörden zustimmen.

Wirecard North America verkauft vorbezahlte Kreditkarten, die auf Guthabenbasis funktionieren. Sie ist eine von mehreren Dutzend kleinen Tochterfirmen des Konzerns. Den Angaben zufolge ist das Unternehmen einer der Marktführer und erzielte 2018 laut Geschäftsbericht einen Gewinn von 7 Millionen Euro.

Das Unternehmen gehörte zuvor zur Citibank und war erst 2016 von dem deutschen Zahlungsdienstleister übernommen worden. Richtig integriert in das übrige Wirecard-Geschäft wurde die Tochter nie - in der Insolvenz entpuppt sich die weitgehende Eigenständigkeit als Vorteil. 

Dem Insolvenzverwalter gelang damit ein weiterer Verkauf einer größeren Wirecard-Auslandstochter. Im August ging die brasilianische Tochtergesellschaft an den an der US-Technologiebörse Nasdaq gelisteten Zahlungsdienstleister PagSeguro.

Ermittlungen um mutmaßlichen Milliardenbetrug

Die Staatsanwaltschaft München I ermittelt wegen mutmaßlichen Milliardenbetrugs gegen die ehemaligen Vorstände des Konzerns. Ende Juni hatte Wirecard Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen aus Aschheim bei München soll jahrelang seine Bilanzen gefälscht haben. Insgesamt 1,9 Milliarden Euro, die auf Konten in Asien liegen sollten, sind nicht auffindbar.

Der Untergang des ehemaligen Dax-Konzerns hat die Finanzwelt erschüttert. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY hatte Wirecard über Jahre einen Jahresabschluss testiert und muss sich nun rechtfertigen. Auch die Finanzaufsichtsbehörde Bafin ist in den Fokus des Skandals geraten. Beschäftige spekulierten mit Aktien von Wirecard, dem Unternehmen, das sie eigentlich überwachen sollten. Mit dem Wirecard-Skandal beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss des Bundestags.

Die Schulden von Wirecard belaufen sich laut "Süddeutscher Zeitung" auf insgesamt 3,2 Milliarden Euro. Laut der Zeitung stehe derzeit der Verkauf des Kerngeschäfts an, das ebenfalls einen dreistelligen Millionenbetrag einbringen soll. Hauptgläubiger sind die Hausbanken und mehrere Investoren. Als aussichtsreiche Bieter werden die spanische Großbank Santander und die britische Lycamobile gehandelt.

kim/AFP/dpa/Reuters

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