Rezessionsangst an den Börsen Für Dax endet schwärzester Juni seiner Geschichte

Der Deutsche Aktienindex beendet das erste Halbjahr mit deutlichen Verlusten, ähnlich sieht es beim EuroStoxx aus. Anleger treibt die Sorge vor einer Rezession – und dem »Trio der schlechten Laune« in den Notenbanken.
Handelssaal in Frankfurt am 29. Juni 2022

Handelssaal in Frankfurt am 29. Juni 2022

Foto: STAFF / REUTERS

Die Furcht vor drastischen Zinserhöhungen der Notenbanken und einer Rezession versetzt den Börsen zum Abschluss eines schwarzen Halbjahres einen erneuten Schlag. Zudem drückte die Gaskrise und der Ruf des Versorgers Uniper nach staatlicher Hilfe die Stimmung.

Dax und EuroStoxx50 fielen am Donnerstag um jeweils knapp zwei Prozent auf 12.783,77 beziehungsweise 3451,54 Punkte. Der US-Standardwerteindex Dow Jones gab ein knappes Prozent nach. Damit summierte sich das Minus des deutschen Leitindex seit Monatsbeginn auf gut elf Prozent. Niemals zuvor hat er in einem Juni so stark verloren. Sein paneuropäisches Pendant verbuchte mit einem Minus von neun Prozent den größten Juniverlust seit 14 Jahren. Gleiches galt für den US-Standardwerteindex, der binnen Monatsfrist fast sieben Prozent verlor.

»Investoren beginnen angesichts der steigenden Zahl von einkassierten Ergebnisprognosen durch die Unternehmen damit, ihre Kaufmarken für Kurse, die sie als wieder günstig erachten, deutlich nach unten zu korrigieren«, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Onlinebroker CMC Markets. Unter diesem Gesichtspunkt seien Aktien selbst nach den jüngsten Kursverlusten nicht günstig.

Sorgen bereiteten Börsianern bekräftigte Bekenntnisse zum Kampf gegen die Inflation durch die Chefs der US-Notenbank Fed, der EZB und der Bank von England (BoE). »Jerome Powell, Christine Lagarde und Andrew Bailey sind im Augenblick das Trio der schlechten Laune und haben die Hoffnung, dass die Notenbanken auf die zinspolitischen Bremse treten werden, zunichtegemacht«, sagte Analyst Christian Henke vom Brokerhaus IG.

Spaniens Inflation überschreitet Zehn-Prozent-Marke

Geschürt wurden die Zinserhöhungsspekulationen von den jüngsten Inflationsdaten europäischer Staaten. In Frankreich erreichte die Teuerungsrate vorläufigen Zahlen zufolge im Juni mit 6,5 Prozent ein Rekordhoch. In Spanien übersprang sie erstmals seit 1985 wieder die Marke von zehn Prozent.

Die Rezessionsängste spiegelten sich auch in fallenden Rohstoffpreisen wider. Spekulationen auf eine sinkende Nachfrage drückten die Rohölsorte Brent aus der Nordsee um rund ein Prozent auf 114,51 Dollar je Barrel (159 Liter) und Kupfer um 2,1 Prozent auf 8225 Dollar je Tonne. Gefragt waren dagegen »sichere Häfen« wie Bundesanleihen. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf 1,373 Prozent.

Gleichzeitig stieg der europäische Erdgas-Future um fünf Prozent auf 143,50 Euro je Megawattstunde, weil Investoren einen kompletten Lieferstopp Russlands befürchteten. »Dann würde es schwierig werden, die Gasvorräte für den Winter weiter aufzufüllen«, warnte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch.

Rekordsturz für Uniper-Aktien

Vor diesem Hintergrund kassierte Uniper seine Geschäftsziele und will unter einen staatlichen Schutzschirm schlüpfen. Der Versorger ist der größte ausländische Kunde des russischen Gazprom-Konzerns. Wegen des Ausfalls von Lieferungen müsse sich Uniper zu höheren Preisen anderweitig mit Erdgas eindecken, schreiben die Analysten der Citigroup. Die dadurch auflaufenden Verluste taxierten sie auf 30 Millionen Euro täglich.

Dies brockte Uniper-Aktien mit einem Minus von 14,4 Prozent den zweitgrößten Tagesverlust der Firmengeschichte ein. Papiere der Uniper-Mutter Fortum fielen in Helsinki um knapp sechs Prozent; RWE und E.on rutschten um bis zu 5,3 Prozent ab.

Gazprom-Titel verbuchten in Moskau mit einem Minus von rund 30 Prozent den größten Tagesverlust ihrer Geschichte. Das Unternehmen streicht erstmals seit 1998 die Dividende. Ursprünglich war eine Rekordausschüttung geplant.

dab/Reuters
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