ZEW-Index sinkt stark "Die Konjunktursignale stehen auf Rot"

Eine Rezession in Deutschland ist wohl nicht mehr abwendbar: Der ZEW-Konjunkturindex ist auf den tiefsten Stand seit 2011 gefallen.
Foto: Jens Büttner/ dpa

Die Coronavirus-Krise drückt die Konjunkturerwartungen von Investoren in den Keller. Der Indikator des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) fiel im März zum Vormonat um 58,2 Punkte auf minus 49,5 Punkte, wie das Institut mitteilte. Es ist der niedrigste Stand seit Dezember 2011, als die Eurokrise für deutliche Verunsicherung gesorgt hatte. Zudem ist der Index so stark gefallen wie nie seit Beginn der Umfrage im Dezember 1991.

Volkswirte hatten im Schnitt mit einem Rückgang auf minus 30 Punkte gerechnet. Neben den Konjunkturerwartungen trübte sich auch die Einschätzung der aktuellen Lage stärker als erwartet ein.

"Der extrem starke Einbruch der ZEW-Konjunkturerwartungen war zu erwarten. Für die Konjunktur stehen die Signale auf Rot", sagte ZEW-Präsident Achim Wambach zu den Daten. Die Finanzmarktexperten gingen aktuell von einem Rückgang des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im ersten Quartal aus und hielten auch für das zweite Quartal einen Rückgang für sehr wahrscheinlich.

"Schock von geschichtsträchtigen Ausmaß"

Für das Gesamtjahr 2020 erwarte die Mehrheit der Experten derzeit einen auf die Corona-Pandemie zurückzuführenden Wachstumsrückgang des realen BIP von etwa einem Prozentpunkt.

"Es war nicht die Frage, ob die ZEW-Konjunkturerwartungen fallen, sondern wie dramatisch der Einbruch sein würde - und er ist dramatisch", schrieb Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. Deutschland komme zum Stillstand. Jetzt breite sich das Corona-Virus auch in den Betrieben aus, was zu einem flächendeckenden Produktionsstillstand führen könne. Gitzel schränkte aber ein: "So schlimm und fast schon unfassbar die Nachrichtenlage derzeit ist, es handelt sich um einen temporären Schock - wenngleich von geschichtsträchtigem Ausmaß." Dabei sei wichtig, nicht das große Bild aus den Augen zu verlieren. Die gegenwärtige Krise stelle keine Geschäftsmodelle in Frage.

hej/dpa/Reuters

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