Furcht vor Engpässen Industrie startet "Allianz zur Rohstoffsicherung"

Die deutsche Industrieelite fürchtet Engpässe bei begehrten Rohstoffen, nun geht sie in die Offensive: Bei einem Spitzentreffen wollen Konzerne wie BASF und ThyssenKrupp ein Gemeinschaftsunternehmen gründen - und innerhalb von fünf bis zehn Jahren bis zu eine Milliarde Euro investieren.
Schweißer bei der Arbeit: Rohstoffversorgung eines der zentralen Probleme der Zukunft

Schweißer bei der Arbeit: Rohstoffversorgung eines der zentralen Probleme der Zukunft

Foto: Jan-Peter Kasper/ picture alliance / dpa

Hamburg - Deutsche Top-Konzerne beginnen ihre Aufholjagd im Wettbewerb um Rohstoffe. Auf einem Spitzentreffen in Berlin wollen sie eine "Allianz zur Rohstoffsicherung" gründen, berichtet die "Financial Times Deutschland". Zunächst wollen sich demnach rund ein Dutzend Firmen an dem Bündnis beteiligen, darunter die Konzerne BASF  , ThyssenKrupp   und Evonik. Jedes Unternehmen zahle zu Beginn 300.000 Euro ein, hieß es. Insgesamt ist von einer Milliarde Euro Investitionsbedarf über fünf bis zehn Jahre die Rede.

Mit ihrem Bündnis geht die Industrie eines der zentralen Probleme der kommenden Jahre an. In einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags von Mitte Januar hatte die Hälfte der befragten Unternehmen ihre Rohstoffversorgung als kritisch bezeichnet. Das nun geplante Bündnis fügt sich ein in die Rohstoffstrategie der Bundesregierung.

Im Mittelpunkt der Offensive stehen dem Bericht zufolge seltene Erden, Wolfram und Kokskohle. Das Gemeinschaftsunternehmen soll Rohstoffvorkommen erkunden und Abbauprojekte vorantreiben. Wenn die Projekte ausgereift sind, soll es entweder die Abbaurechte verkaufen - bevorzugt an die Mitglieder oder Co-Investoren - oder beteiligt bleiben und den Betrieb im Auftrag der Investoren verantworten. Auch externe Geldgeber wie andere Industrieunternehmen, Banken, Fonds oder die staatliche KfW-Förderbank sollen sich an den Projekten beteiligen können.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) betonte, dass die Allianz auch nach ihrer Gründung offen für Neumitglieder bleibe. Sie soll privatwirtschaftlich organisiert und gewinnorientiert sein. Die Rechtsform soll im ersten Quartal festgelegt werden.

Geschäftsführer des Unternehmens ist seit Jahresbeginn der 50-jährige Dierk Paskert, der von E.on in München kam. Der BDI will sich wie geplant aus der operativen Arbeit zurückziehen und nur im Aufsichtsrat der Allianz vertreten sein. Der Industrieverband hatte im vergangenen Jahr mehr als hundert Gespräche mit Unternehmen, Beratern und der Deutschen Rohstoffagentur in Hannover geführt und das Konzept entwickelt.

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