American Airlines und US Airways US-Konzerne schmieden weltgrößte Airline

Megafusion im amerikanischen Luftverkehr: US Airways und der insolvente Konkurrent American Airlines vereinen sich zur weltgrößten Fluggesellschaft. Gläubiger und Aktionäre jubeln - das Nachsehen dürften die Passagiere haben.
American Airlines und US Airways: US-Konzerne schmieden weltgrößte Airline

American Airlines und US Airways: US-Konzerne schmieden weltgrößte Airline

Foto: KEVIN LAMARQUE/ REUTERS

Der Valentinstag ist längst ein Riesengeschäft. Allein in den USA erhofft sich der Einzelhandel an diesem Donnerstag fast 17 Milliarden Dollar Umsatz aus diversen Liebesbekundungen: Rosen, Schmuck, romantische Dinner und Kurzreisen, Schokopralinen sowie sonstiges Naschwerk. Werbeslogan: "Love is in the Air."

Liebe liegt aber auch anderswo in der Luft. Wortwörtlich: Die US-Fluggesellschaften American Airlines und US Airways fusionieren.

Die Jetset-Ehe, von den Vorständen beider Konzerne am Mittwochabend abgesegnet, wurde am Donnerstag offiziell verkündet. Die kombinierte Gesellschaft, die weiter den Namen American Airlines tragen soll, wird die größte Fluglinie der Welt, mit fast 140 Millionen Passagieren im Jahr und 6500 Flügen am Tag, 950 Maschinen, 94.000 Angestellten, einem Jahresumsatz von fast 39 Milliarden Dollar und einem Marktwert von mehr als zehn Milliarden.

Schon schickten sich die Flugbegleiter via Facebook Valentinsgrüße, mit zwei in Rosen gebetteten Maschinen ihrer jeweiligen Firmen. Aufschrift: "Be my Valentine" ("Sei mein Schatz").

In der Tat freuen sich viele Beteiligte: Piloten, Bordpersonal, Mechaniker, Manager, Anwälte - und vor allem Americans Gläubiger. Die sollen 72 Prozent der Anteile bekommen. Der Deal - der noch von den Aktionären und vom US-Justizministerium genehmigt werden muss - soll American aus der Insolvenz führen, in der das Unternehmen seit 2011 steckt, gebeutelt von der Krise im Reisegeschäft, erst nach den Terroranschlägen von 2001, dann durch die Weltwirtschaftskrise.

"Aus Sicht der Verbraucher gibt es kaum Vorteile"

Die Fusion ist im beidseitigen Interesse. American gewinnt das nationale Netzwerk von US Airways in vielen kleineren amerikanischen Städten hinzu. US Airways wiederum profitiert von der internationalen Präsenz Americans, vor allem in Süd - und Lateinamerika. Nur in Europa und Asien wird der neue Megakonzern wohl weiter schwächeln.

Für viele bedeutet die Fusion gar das Ende der gesamten US-Luftfahrtkrise. "Die Industrie beginnt wieder, im siebten Himmel zu schweben", freut sich das "Wall Street Journal". Tatsächlich: Nach der Deregulierung der achtziger Jahre und der darauffolgenden, massiven Konsolidierungsphase hat Amerikas Flugbranche nun die Gewinnzone erklommen.

Nur eine Gruppe könnte mal wieder den Kürzeren ziehen: die malträtierten Passagiere.

"Aus Sicht der Verbraucher - Einzelreisende oder Geschäftsflieger - gibt es kaum Vorteile, welche die negativen Auswirkungen dieser Fusion aufheben", klagt Kevin Mitchell, der Vorsitzende der Business Travel Coalition, die für Reformen in der Branche kämpft. Die Nachteile: "Reduzierter Wettbewerb, höhere Flugpreise und Gebühren sowie verringerter Service für kleine und mittlere Ortschaften."

Da American und US Airways fortan nicht mehr im Preiskrieg stehen, dürften viele Routen teurer werden - oder bestenfalls nicht billiger. Davon betroffen seien rund 9900 Strecken und fast hundert Zielstädte, hat Rick Seaney, der Chef der Travel-Website FareCompare, errechnet. "Wenn jetzt eine Airline versucht, die Preise anzuheben", schreibt er auf seinem Blog, "gibt es eine Airline weniger, die dagegen angeht."

Der Vollzug der Fusion könnte Jahre dauern

Das zeigten schon die vergangenen Jahre: United schluckte Continental, Delta schluckte Northwest. Jetzt beherrschen vier Anbieter den gesamten US-Flugverkehr: American, Delta, United, Southwest. Gemeinsam kontrollieren sie mehr als 67 Prozent des hiesigen Marktes - 83 Prozent der inneramerikanischen Sitzplätze.

Steigende Flugpreise sind nicht die einzige Sorge der Kritiker. Hinzu kommen die üblichen Logistikpannen bei solchen Geschäften, etwa inkompatible Computersysteme. Das plagte zuletzt United: Das Unternehmen brauchte Monate, um die Technologien zu kombinieren. Die Folge: weitverbreitete Verspätungen und Ausfälle.

Es könnte Jahre dauern, bis American und US Airways vollends eins sind. Design, Anstrich, Service, Bordunterhaltung, Meilenprogramme, Sicherheitsanweisungen, Evakuierungsregeln - selbst die Ansagen an Bord: Alles muss auf einen Nenner kommen. Gerade erst hat American begonnen, seine gesamte Flotte mit neuem Anstrich und neuen Logos zu versehen. Kosten: bis zu 200.000 Dollar pro Maschine.

US Airways hatte schon länger Interesse an einem Zusammengang mit American. Dessen Chef Tom Horton aber, eingesetzt am Tag der Konkurserklärung im November 2011, wollte lieber erst das Insolvenzverfahren abwarten.

Doch Gläubigeranwalt Jack Butler machte Druck, vor allem bei den Gewerkschaften. Er habe sich selbst von einer Flasche Bordeaux der Edelmarke Rothschild nicht erweichen lassen, die Hortons Anwälte zu einem Treffen mitgebracht hätten, berichtet das "Wall Street Journal". Schließlich willigte Horton ein. Er wird der neuen Gesellschaft nur noch für ein Jahr als Chairman dienen. Vorstandschef wird Doug Parker, der bisher US Airways führte.

Auch andere ließen sich bald überzeugen. "Ich freue mich über die Fusion", sagt Chris Taylor, langjähriger Flugbegleiter für US Airways. "Ich habe in dieser Industrie viel mitgemacht, und ich glaube, dass Konsolidierung sie nur stärker macht. Wir brauchen stärkere Airlines mit stärkeren Bilanzen." Und die Preise? Dieses Opfer müssten die Kunden nun einmal bringen.

Mit Material der Agenturen
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