EADS und BAE Systems Die schwierige Fusion der Rüstungsriesen

Der Luftfahrtkonzern EADS und BAE Systems wollen sich zum globalen Rüstungsgiganten zusammenschließen. Der Deal steht unter schlechten Vorzeichen: Mehrere Staaten mischen in den beiden Unternehmen mit, die Bundesregierung soll bereits Vorbehalte angekündigt haben.

DPA

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Amsterdam/London - EADS und BAE Systems verhandeln zwar schon seit langem über einen möglichen Zusammenschluss - doch die beiden Luftfahrt- und Rüstungsunternehmen achteten penibel darauf, dass nichts von den Gesprächen nach außen dringt. Sie wussten von vornherein: Einfach wird die Fusion nicht. Sie sollten recht behalten.

Die Nachrichtenagentur dpa berichtete am Donnerstag unter Berufung auf Regierungskreise, dass es in der Bundesregierung erhebliche Vorbehalte gegen die Pläne einer Fusion von EADS mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems gebe. "Es ist fraglich, ob der Konstruktionsvorschlag überhaupt zustimmungsfähig ist", schreibt die Agentur. Ob ein solcher Weg von Deutschland beschritten werden könne, müsse ergebnisoffen geprüft werden.

Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte auf Nachfrage lediglich, die Regierung prüfe derzeit alle relevanten Fragen und werde sich eng mit der französischen Regierung abstimmen.

Das zeigt: Die Rüstungsindustrie wird bestimmt von politischen Interessen - ein Zusammenschluss in der Branche ist ein hochsensibles Geschäft. Die jeweiligen nationalen Regierungen haben sich daher über verschiedene Konstruktionen ein Mitspracherecht gesichert - und werden alles dafür tun, dass das so bleibt.

Wer aber sind die Unternehmen, die zum größten Rüstungsunternehmen der Welt zusammengehen wollen? Wie groß sind sie, was verkaufen sie, wie versucht die Politik ihren Einfluss geltend zu machen und welche Aussichten hätte der neue Rüstungsgigant auf dem Weltmarkt?

Machtverteilung

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS ist erst im Jahr 2000 entstanden - als politisches Projekt. Heute ist der Konzern faktisch in deutsch-französischer Hand - und hat viele Jahre Erfahrung im Umgang mit Forderungen aus der Politik.

EADS habe bereits Gespräche "mit verschiedenen Regierungsvertretern aufgenommen", teilte der Konzern mit. Das Bundeswirtschaftsministerium bestätigte dies. Um die Balance in der neu geschaffenen Unternehmensgruppe zu wahren, sollen die Regierungen in Frankreich, Deutschland und Großbritannien Sonderaktien erhalten, um ihre jeweiligen Interessen zu wahren. Dabei dürfte es vor allem darum gehen, feindliche Übernahmen zu verhindern.

In Berlin stößt dieser Plan aber laut dpa auf Skepsis. "Neben der europarechtlichen Frage der Zulässigkeit ist es die Frage, welchen Wert eine solche Ausgestaltung überhaupt hat", hieß es.

Bei EADS würden die Sonderaktien den Aktionärspakt, der mühsam zwischen Deutschland und Frankreich ausgehandelt wurde, ersetzen. Auf französischer Seite ist der Staat direkt mit 15 Prozent beteiligt. Auf deutscher Seite hat bisher Daimler die Stimmrechte vertreten, aber die Bundesregierung spricht seit Monaten mit dem Automobilkonzern über den Verkauf seines Aktienpakets.

Fraglich ist noch, ob der französische EADS-Großaktionär Arnaud Lagardère einer Fusion mit dem britischen Konzern zustimmen wird. Bevor die Lagardère-Gruppe grünes Licht für ein solches Projekt gebe, müssten alle möglichen Konsequenzen im EADS-Verwaltungsrat geprüft werden, hieß es.

Konzernstruktur

EADS und BAE Systems sind auf unterschiedlichen Märkten aktiv. Bei einem Zusammenschluss sollen die Konzerne als eine Gruppe agieren, und auch vom selben Vorstands- und Aufsichtsgremium geführt werden. Vorstandschef könnte der EADS-Vorsitzende Tom Enders werden. An den Börsen sollen die Unternehmen getrennt notiert bleiben.

Die Verteilung der Anteile von 40 Prozent für die BAE-Aktionäre und 60 Prozent für die EADS-Aktionäre spiegelt in etwa die Größenverhältnisse wider. EADS beschäftigte 2011 weltweit 133.000 Mitarbeiter und erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von gut 49 Milliarden Euro. BAE Systems hatte rund 90.000 Beschäftigte und setzte umgerechnet gut 24 Milliarden Euro um.

Geschäftsfelder und Gründe für den Zusammenschluss

Die Unternehmen arbeiten seit Jahren bei verschiedenen Rüstungsprojekten zusammen, mehrfach war über einen Zusammenschluss spekuliert worden, zuletzt unmittelbar vor der Gründung von EADS. BAE Systems stellt beispielsweise Tornado-Kampfjets her und ist Mitglied des Eurofighter-Konsortiums, an dem auch EADS beteiligt ist. Beide Unternehmen sind in vielen Ländern der Welt als Rüstungslieferanten tätig, wobei BAE Systems ein deutlich größeres US-Geschäft hat als EADS, das dafür im Asiengeschäft stärker ist.

EADS zählt mit seiner Tochter Cassidian auch im Rüstungsbereich zu den weltgrößten Unternehmen, allerdings erzielt der deutsch-französische Konzern den Großteil seines Umsatzes mit der Flugzeugtochter Airbus. Unternehmenschef Tom Enders hat bereits angekündigt, den militärischen Bereich von EADS zu stärken, um sich unabhängiger zu machen vom schwankenden Geschäft mit Zivilflugzeugen. Mit der Fusion hätte er sein Ziel auf einen Schlag erreicht.

Sollte die Fusion zustande kommen, stünde allerdings auch die Politik vor einer ungewohnten Situation: Die Regierungen hätten in Europa nur noch einen Rüstungskonzern, bei dem sie von Panzern über Tankflugzeuge, Drohnen, Raketen und U-Boote alles bestellen können, was ihre Armeen brauchen.

Kritik an BAE Systems und EADS

BAE Systems ist Europas größter Rüstungskonzern, entstanden durch eine Fusion im Jahr 1999. Das Unternehmen wuchs schnell, vor allem durch die Übernahme von mehreren Tochtergesellschaften anderer Rüstungsfirmen. BAE Systems hat eine bewegte Geschichte. Vor gut zehn Jahren geriet das Unternehmen in den Verdacht, für Rüstungsaufträge erhebliche Schmiergelder gezahlt zu haben. Die britische Anti-Korruptions-Behörde und das US-Justizministerium hatten damals Ermittlungen aufgenommen, die bis in die achtziger Jahre zurückreichten und Schmiergeldzahlungen bei Geschäften von Afrika über Saudi-Arabien bis Osteuropa betrafen. Das Unternehmen kam damals mit Strafzahlungen von insgesamt knapp 330 Millionen Euro davon - eine offizielle Korruptionsanklage kam nicht zustande.

Auch gegen EADS-Manager wurden in den vergangenen zehn Jahren immer wieder Korruptionsvorwürfe erhoben. Auch da ging es um Schmiergeldzahlungen für Rüstungsaufträge in verschiedenen Ländern, beispielsweise in Südafrika, Rumänien und Indien.

Aussichten

Die Unternehmen haben bis zum 10. Oktober Zeit mitzuteilen, ob sie tatsächlich zusammengehen wollen. Dass der Deal noch platzen kann, hebt EADS ausdrücklich hervor: "Es kann keine Gewissheit bestehen, dass die Gespräche letztendlich zu einer Transaktion führen werden."

Dennoch dürfte vor allem EADS Interesse an einer Fusion haben: Der Konzern hat bisher nur wenige staatliche US-Rüstungsaufträge erhalten. Da sich die Geschäfte mit BAE Systems nur in wenigen Sparten überschneiden, rechnet zudem kaum jemand damit, dass die Kartellbehörden oder das US-Verteidigungsministerium die Fusion blockieren würden.

Nach der Ankündigung der geplanten Großfusion stützte die Aktie von EADS ab. An der Pariser Börse fiel der Kurs am Donnerstag zum Handelsschluss um 10,36 Prozent auf 25,10 Euro. An der Frankfurter Börse fielen die EADS-Aktien um 10,71 Prozent auf 25,18 Euro.

insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
produster 13.09.2012
1. lieber lassen
Also wenn deren Bomber auf dem Rücken fliegen, sollten sie es lieber lassen...
teekaysevenfive 13.09.2012
2. Unvollständig...
Zitat von sysopDPADer Luftfahrtkonzern EADS und BAE Systems wollen sich zum globalen Rüstungsgiganten zusammenschließen. Der Deal steht unter schlechten Vorzeichen: Mehrere Staaten mischen in den beiden Unternehmen mit, die Bundesregierung soll bereits Vorbehalte angekündigt haben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,855628,00.html
Sie schreiben: "Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte auf Nachfrage lediglich, die Regierung prüfe derzeit alle relevanten Fragen und werde sich eng mit der französischen Regierung abstimmen". Das scheint mir (absichtlich) unvollständig zitiert, um den Argumentationsstrang nicht zu stören. Tatsächlich sagte der Sprecher laut Medienberichten doch ebenfalls, dass man sich in konstruktiven Gesprächen befände. Das klingt doch wiederum wesentlich zuversichtlicher, was die Fusionspläne betrifft, passte aber wohl nicht zu dem vorliegenden Kommentar.
Theodorant 13.09.2012
3. Barracuda & Taranis
"Barracuda" ist ein Experimentalprogramm der EADS. Als sog. Technologieträger dient er der Erprobung diverser Komponenten, Werkstoffe und Führungssysteme, die für die Serienanwendung bei unbemannten (UAV- / UAS-) Fuggeräten und Drohnen erforderlich sind. Die EADS-Entsprechung zum BAES-Vorhaben Taranis wäre am ehesten das Projekt Talarion, das jedoch in der Ära Zoller als Cassidian-Chef wenig energisch vorangetrieben wurde.
mischpot 13.09.2012
4. Den ESM für Europa bewilligen
aber Einwände gegen einen europäischen Rüstungskonzern. Das passt dann doch nicht. Nach der ganzen Verantwortungsabgabe ist ein Deutscher Bundestag und Länderparlamente auch nicht mehr zeitgemäß, das kann von Brüssel aus mit organisiert werden. Wichtige Entscheidungen werden hier nicht mehr gefällt. Zwangsläufig könnte diese enorme Kosteneinsparung dazu beitragen, den ESM zu finanzieren, was Europa zugute käme. Leider gibt es keine verantwortungsvollen Politiker die sich dieser auch bewußt wären, jedenfalls nicht in der derzeitigen Regierung.
jenom 13.09.2012
5. Kartellamt?
Was sagt denn das Kartellamt dazu? Oh, es gibt kein globales Kartellamt? Gibt es ein EU Kartellamt? Die europäischen Unternehmen müssen sich gegen die weltweite Konkurrenz durchsetzen, deshalb sind Zusammenschlüsse unter Umständen sinnvoll, aber ein so großes Unternehmen muss unbedingt staatlich kontrolliert werden, bzw. in staatlicher Hand sein, damit der militärisch industrielle Komplex nicht zu viel Macht bekommt.
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