Nexter und Krauss-Maffei Geplante Panzerfusion setzt Rheinmetall unter Druck

Die Fusion der deutschen Panzerschmiede Krauss-Maffei Wegmann mit dem französischen Wettbewerber Nexter bringt Rheinmetall in Bedrängnis. Der Rüstungsriese stellt gemeinsame Projekte mit seinem deutschen Konkurrenten nun infrage.

Rheinmetall-Drohne "Heron 1" (hinten): Fusion schafft größeren Konkurrenten
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Rheinmetall-Drohne "Heron 1" (hinten): Fusion schafft größeren Konkurrenten


Düsseldorf - Die geplante Fusion der beiden Panzerschmieden Krauss-Maffei Wegmann (KMW) und der französischen Nexter setzt Konkurrent Rheinmetall Chart zeigen unter Druck. Derzeit prüfe die Rechtsabteilung mögliche Konsequenzen der Fusion auf gemeinschaftliche Projekte und Unternehmen von Rheinmetall und KMW, sagte ein Rheinmetall-Sprecher. Der Düsseldorfer Konzern hatte in der Vergangenheit selber versucht, mit KMW zusammenzugehen. "Wir sind damit aber nicht auf offene Ohren bei KMW gestoßen", sagte der Sprecher.

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Heft 27/2014
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Auf kurze Sicht erwarten Experten keine negativen Auswirkungen für Rheinmetall, sehr wohl aber längerfristig. Aktuelle Gemeinschaftsprojekte wie "Leopard 2", "Puma", "Boxer" und "Panzerhaubitze 2000" dürften sicher unberührt bleiben, sagte LBBW-Analyst Stefan Maichl. "Bei zukünftigen Panzerentwicklungen könnten sich für Rheinmetall aber Wettbewerbsnachteile ergeben", merkte Maichl an. Adrian Pehl von Equinet betonte: "Mittelfristig entsteht neben Rheinmetall ein schlagkräftiger Wettbewerber, der vom Umsatz her größer ist."

KMW und Nexter hatten am Dienstag ihre Fusionspläne bekannt gegeben. Durch den Zusammenschluss soll ein deutsch-französischer Wehrtechnikkonzern mit annähernd zwei Milliarden Euro Jahresumsatz, einem Auftragsbestand von rund 6,5 Milliarden Euro und mehr als 6000 Mitarbeitern entstehen.

Rheinmetall betreibt mit KMW zwei Gemeinschaftsunternehmen zum Bau des Transportpanzers "Boxer" und des Kampfpanzers "Puma". Darüber hinaus kooperieren beide Firmen bei verschiedenen Projekten. Rheinmetall setzt im Rüstungsgeschäft mit 9200 Mitarbeitern rund 2,15 Milliarden Euro um und hatte in den vergangenen Jahren seine Auslandsexpansion vorangetrieben. Allerdings bekommen die europäischen Waffenschmieden die Sparpolitik der Regierungen in Europa deutlich zu spüren.

Rheinmetall steht derzeit auch wegen einer anderen Nachricht im Fokus der Öffentlichkeit: Dass der ehemalige Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) künftig als Lobbyist für den Konzern arbeiten soll, sorgt für öffentliche Empörung.

ade/Reuters

insgesamt 11 Beiträge
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pete1812 02.07.2014
1. Fachmann
Dirk Nebel mit Bundeswehrvergangenheit und mit seinem Ministerialrat Hintergründigen sowie seinem Liberalen Sachverstand wird das schon richten.
Tr1ple 02.07.2014
2. Relativ Billig wie hier Deutsches know-how
Verhoekert wird. Der Deutsche Staat sollte keine Aufträge mehr an KMW vergeben.
auweia 02.07.2014
3. Gabriel, übernehmen Sie!
Bitte schnell einen ausländischen Partner (GB? US? RUS? China?) finden der für'n Appel & ein Ei Rheinmetall übernimmt. Für die Deindustrialiserung und dieses Landes lohnt jede Anstrengung. Den Waffenexport sollen gefälligst die anderen übernehmen. So retten wir Klima und Weltfrieden.
übel_ismir-schonlang 02.07.2014
4. Ich frage mich ...
ob soviel Stahl nicht einfach mal in andere Projekte umgeleitet werden kann, z.b. Bewässerungsanlagen in islamischistisch geprägte Kriegstreibergegenden. Oder zur Reparatur maroder Infratrukturen in West- Ost- und anderen Teilen Europas sowie auch in US of A und dem Rest der Welt.
Zereus 02.07.2014
5.
Zitat von sysopDPADie Fusion der deutschen Panzerschmiede Krauss-Maffei Wegmann mit dem französischen Wettbewerber Nexter bringt Rheinmetall in Bedrängnis. Der Rüstungsriese stellt gemeinsame Projekte mit seinem deutschen Konkurrenten nun in Frage. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/fusion-von-nexter-und-krauss-maffei-wegmann-bedroht-rheinmetall-a-978753.html
Eine vernünftige Rüstungspolitik Berlins würde die Fusion mit den Franzosen untersagen und stattdessen Rheinmetall und KMW dazu drängen, zusammenzugehen um so einen großen deutschen Rüstungskonzern zu bekommen. Das wird man von den linksideologen um Gabriel aber kaum erwarten können.. Bye-bye, deutsche Rüstungsindustrie!
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