G-20-Regulierungspläne Ackermann fürchtet um Bankenprofite

Die Wirtschaftsmächte der Welt verhandeln über strengere Gesetze für die Finanzindustrie - Deutsche-Bank-Chef Ackermann ist besorgt. Er warnt vor sinkenden Gewinnen und Problemen gerade für Deutschlands Geldhäuser: Die Krise könne für sie durch Staatseingriffe zur verpassten Chance werden.

Josef Ackermann: "Die Profitabilität des Finanzsektors wird geringer sein"
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Josef Ackermann: "Die Profitabilität des Finanzsektors wird geringer sein"


Zürich - Sind die goldenen Zeiten der Finanzindustrie vorbei? Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, gleichzeitig Vorsitzender des mächtigen internationalen Bankenverbandes IIF, stellt sich auf eine schärfere Regulierung ein - und warnt vor sinkenden Gewinnen der Branche. In einem Gastbeitrag für die "Neue Zürcher Zeitung" schreibt er: "Der politische Wille ist eindeutig: Dem Bankensektor werden engere Grenzen gesetzt, und die Profitabilität des Finanzsektors in seiner Gesamtheit wird geringer sein."

Ackermann verweist darauf, dass die Banken künftig mehr und qualitativ hochwertigeres Kapital vorhalten müssten. Zusätzlich zu den schon erhöhten Kapitalanforderungen für das Handelsbuch und für Verbriefungen seien weitere Maßnahmen wie die Einführung antizyklischer Kapitalpuffer oder die Definition einer Verschuldungsgrenze angekündigt.

Tatsächlich sollen beim Weltfinanzgipfel der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) in Pittsburgh unter anderem strengere Regeln für die Eigenkapitalausstattung von Banken beschlossen werden. Branchenexperten befürchten, dass diese - wenn sie zu früh eingeführt werden - neue Belastungen nach der Finanzkrise mit sich bringen. Allerdings zeichnet sich unter den G-20-Staaten ein Konsens ab, die neuen Regeln für die Finanzbranche erst nach dem Ende der Krise einzuführen.

"Krise droht zur verpassten Chance zu werden"

In der laufenden Konsolidierung der Bankbranche drohe Europa den Anschluss zu verpassen, schreibt Ackermann. Nationale Aufsichtsbehörden und Regierungen seien entschlossen, ihre Eingriffsrechte zu stärken und ihren Einfluss auf unternehmerische Entscheidungen der Banken sicherzustellen. Damit werde es für diese schwieriger, international tätig zu sein. Doch wenn die europäischen Banken weiter zu den global führenden Finanzkonzernen gehören wollten, sei es unabdingbar, zum Beispiel in noch unterversorgten Schwellenländern Erträge zu erwirtschaften.

"Leider droht die Krise jedoch aus Sicht Europas, zumal Deutschlands, mit Blick auf die lange überfällige Konsolidierung zu einer verpassten Chance zu werden", schreibt der Deutsche-Bank-Chef. In den USA seien aus Fusionen im Zuge der Finanzkrise starke Großbanken entstanden, die nach der Wiederbelebung der US-Wirtschaft auch international eine größere Rolle spielen dürften. Zugleich hätten Banken aus China zu den führenden Instituten der Welt aufgeschlossen.

Grundsätzlich unterstützen die Banken Ackermann zufolge das Ziel, die Eigenkapitalbasis des Finanzsystems zu erhöhen. Er warnt aber davor, dass die strengeren Kapitalanforderungen dazu führen dürften, dass Banken weniger Geld für Wachstumsfinanzierung und Innovationen bereitstellen: "Höhere Eigenkapitalanforderungen bedeuten engere Grenzen für die Höhe der Bank-Aktiva", schreibt Ackermann. "Wir mögen als Gesellschaften entscheiden, dass die Hoffnung auf eine größere Stabilität des Finanzsystems diesen Preis wert ist" - aber dessen müsse man sich bewusst sein.

böl/Reuters



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Seite 1
jinky, 08.07.2009
1.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Sie hätten umsteuern müssen bzw. man hätte sie zu einem Umsteuern zwingen müssen.
Pinarello, 08.07.2009
2.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Warum sollten diese Gangster umsteuern? Jetzt gibt es doch unbegrenzten Kredit vom Staat der auch noch gleich die Verluste übernimmt! Also dann, warten halt bis zur nächsten Krise, die natürlich weit weit schlimmer werden wird, aber warum sollten denn die Politiker ausgerechnet gegen die Leute was unternehmen, von denen sie bezahlt werden und von denen sie ihre Befehle empfangen, hat doch dieses Mal ausgezeichent geklappt, die Folgen dieses Finanzverbrechens dem arbeitenden Bürger und Steuerzahler in die Schuhe zuschieben, genau so stellt sich die Finanzelite doch die Weltherrschaft vor.
schensu 08.07.2009
3.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Pah, als ob da unsere Meinung zählte! Das Ganze ist ein Selbstläufer, abgehoben von bekannten Realitäten zum Nutzen Weniger und ggf. Schaden Vieler. Ich brauch die jedenfalls mal gar nich.
Schelm-77 08.07.2009
4. Die Banken kehren zum gewohnten Geschäft zurück...
Am effektivsten läßt sich die Geldgier der Banker stoppen indem man sie einfach weitermachen läßt. Der nächste Crash wird einen frischen Wind durch die meist hohlen Köpfe der Finanzgenies pusten. Einen neuen weltweiten Rettungsfonds wird es dann mit Sicherheit auch nicht mehr geben. Der normalen Anleger sollte sein Geld allerdings vorher in Sicherheit bringen und in Edelmetalle, Edelsteine oder Immonbilien investieren. Im Zweifelsfalls tut es übergangsweise auch der bewährte Sparstrumpf. Den Banken geht es in erster Linie um ihr eigenes Wohl, dementsprechend sollte auch jeder Bürger erst einmal an sich selbst denken und ein erhöhtes Mißtrauen in Sachen Finanzwirtschaft aufbauen.
THM, 08.07.2009
5.
Zitat von sysopWeltweit kehren die Banken zum gewohnten Geschäft zurück - als hätte es die Finanzkrise nie gegeben. Müssen Wall Street und Londoner City umsteuern oder ist ist die Chance der Branche vertan, der Gier Grenzen zu setzen?
Noch erstaunlicher als die Unfähigkeit dieser Branche ist deren dreiste Gier.
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