Möglicher Wechsel zum VDA Gabriel eckt an

Sigmar Gabriel als Cheflobbyist der Autoindustrie? Das schadet der SPD, sagt der Kandidat für den Parteivorsitz Norbert Walter-Borjans. Generalsekretär Lars Klingbeil hält Gabriel dagegen für bestens geeignet.

Sigmar Gabriel (SPD): Bald Präsident des VDA?
Kay Nietfeld/ DPA

Sigmar Gabriel (SPD): Bald Präsident des VDA?


Sigmar Gabriel (SPD) hat laut Medienberichten gute Chancen darauf, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA) zu werden. Der frühere Bundeswirtschaftsminister, Parteichef und Vizekanzler würde damit Cheflobbyist der deutschen Autoindustrie. Aktuell sitzt Gabriel als Abgeordneter im Bundestag, will sein Mandat aber zum 1. November abgeben.

In der SPD hat die Nachricht für Aufsehen gesorgt. Zuspruch kommt von SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil: "Er ist jemand, der als Wirtschaftsminister, als Umweltminister profiliert ist in so einem Bereich." Gabriel habe die Voraussetzungen, um den Wandel der Autobranche voranzubringen.

Kritik von Kandidat für SPD-Parteivorsitz

Klingbeils Parteikollege Norbert Walter-Borjans äußerte sich hingegen kritisch. Ein Wechsel Gabriels zum VDA würde viele stören, da sei er sich sicher. Bei der SPD werde es zu "Konfrontationen" kommen. "Jeder, der einmal eine herausgehobene Funktion hatte, muss auch für die Zeit danach abwägen, inwiefern er der Familie, aus der er stammt, einen Gefallen tut oder nicht", sagte Walter-Borjans der "Bild"-Zeitung.

Der frühere Finanzminister von Nordrhein-Westfalen steht gerade besonders in der Öffentlichkeit, weil er gemeinsam mit Saskia Esken in die Stichwahl um den Parteivorsitz der SPD geht.

FDP-Chef Lindner äußert ebenfalls Bedenken

FDP-Chef Christian Lindner kritisierte in der Bundespressekonferenz Gabriels Nähe zu VW. Als Regierungschef von Niedersachsen saß Gabriel von 2000 bis 2003 im Aufsichtsrat von Volkswagen. Danach arbeitete Gabriel für ein Beratungsunternehmen, das auch von Volkswagen einen Auftrag mit einem Volumen von mehr als 100.000 Euro erhielt - laut Gabriel lief dabei aber formal alles korrekt ab."Sigmar Gabriel hat für VW als bezahlter Lobbyist gearbeitet in der Zeit, als er als Ministerpräsident abgewählt worden war", sagte Lindner.

Der FDP-Politiker äußerte auch Bedenken, ob Gabriel "die Interessen der kleineren Mitspieler am Markt", etwa die der mittelständischen Zuliefererbetriebe, berücksichtige. "Ob und wie weit Herr Gabriel mit seiner Nähe zum größten deutschen Automobilhersteller das kann, müssen die Entscheidungsträger dort erklären", so Lindner. Mittelständische Zulieferer seien für Technologieoffenheit und dafür, dass der Verbrennungsmotor auch eine Zukunft erhalte, "während der VW-Konzern, dem Herr Gabriel ja auch beruflich sehr nahe steht, sich sehr einseitig auf batteriebetriebene elektrische Antriebe konzentriert".

rwi/sev/dpa



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telarien 28.10.2019
1. Borjans
hat Recht, es stört viele Menschen. Sowas müsste verboten sein. Eigentlich gehört dieser gesamte Lobbysumpf verboten. Es ist doch lediglich Korruption nett verpackt. In einem Punkt irrt Borjans allerdings, schaden wird es der SPD nicht mehr, über diesen Punkt istvdie SPD lange hinaus.
ambulans 28.10.2019
2. ich
verstehe ja den "futter"-neid von christian (der gabriel hat doch - irgendwann - für VW "gearbeitet: hört - betonung liegt auf "gearbeitet"!) und will jetzt - nach wievielen jahren? - einen job als auto-lobbyist. ist der kleine "lindnern is always beautiful" christian evtl. neidisch, dass er für sowas (oder ähnliches) nicht und niemals in frage kommen wird?
Humanfaktor 28.10.2019
3. Entweder ist Lars Klingbeil ein Heuchler ...,
... oder faktisch auch nur eine dieser Nullnummern, die sich für die Kreiskonstante halten. Fest steht: die SPD hat ein auffallend konstantes Personalproblem. Ist es ein Imkompetenzsockel oder eher Sockelinkompetenz? Man weiss es nicht genau... Dass nach all den Jahren des Ausblutens, aufgrund von Weggang und Abtauchen wegen kumulierender Abscheu oder Fremdscham, sich manche Genossen der "Führungs-"ebene allen Ernstes noch immer fragen, woran das alles wohl liegen mag... ist allerdings recht vielsagend.
roman199 28.10.2019
4.
Was Borjans erzählt ist nur Quatsch. Die Automobilindustrie steht vor gewaltigen und noch nicht ganz übersehbaren Umwälzungen. In dieser Situation braucht VDA die besten und auch die kritischsten Köpfe, die sie dabei begleitet. Gabriel ist der richtige Mann dafür. Was mit SPD los ist? Will sie wirklich nur für die Randgruppen da sein? Der Facharbeiter von BMW oder Daimler hat sicher nichts dagegen, dass jetzt die besten Köpfe auf den Deck kommen.
bjtimmy2 28.10.2019
5. Normalerweise ...
... sollte eine Partei sich über alle Positionen freuen, die ihre Mitglieder besetzen. Daher lieber Gabriel als obersten Auto-Lobbyisten, als irgendeinen farblosen Hinterbänkler oder Syndikus. Gabriel hat zumindest meistens etwas zu sagen und gelegentlich auch eine schräge Idee, wie es weiter gehen kann. Genau das brauchen Deutschlands Automobilisten gerade. Würde mich nicht wundern, wenn ER es durchbekommt, dass die e-Ladestruktur letztlich der Staat zahlt.
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