Coronakrise Karstadt Kaufhof beantragt Schutzschirmverfahren

Wegen der Auswirkungen der Corona-Pandemie sucht Galeria Karstadt Kaufhof staatlichen Schutz. Zuvor hatte das Unternehmen bereits mitgeteilt, Mietzahlungen zu stoppen.
Filiale in Berlin: Das Unternehmen rettet sich unter den Schutzschirm

Filiale in Berlin: Das Unternehmen rettet sich unter den Schutzschirm

Foto: MICHELE TANTUSSI/ REUTERS

Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof hat angesichts der Umsatzausfälle infolge der Corona-Pandemie beim Amtsgericht Essen ein Schutzschirmverfahren beantragt. Dem Antrag sei bereits stattgegeben worden, teilte der Konzern mit.

Das Schutzschirmverfahren schützt in die Krise geratene Unternehmen vor dem Zugriff der Gläubiger, ohne dass die Betriebe bereits Insolvenz anmelden müssen. Die Geschäftsführung kann das Unternehmen weiter verantwortlich lenken und selbstständig sanieren.

"Die harten wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise für den innerstädtischen Non-Food-Handel und die langwierige Umsetzung staatlicher Hilfe über die Hausbank haben diesen Schritt notwendig gemacht", teilte das Unternehmen mit. Bundesweit beschäftigt Galeria Karstadt Kaufhof mehr als 28.000 Mitarbeiter.

Mietzahlungen ausgesetzt

"Wir wertschätzen die Zusagen der Politik für Unternehmen in dieser historischen Krise sehr, sie sind unverzichtbar", teilte Finanzchef Miguel Müllenbach mit. In der Umsetzung der staatlichen Garantien komme jedoch den Geschäftsbanken die entscheidende Rolle zu. "Auf eine Lösung können wir aber nicht noch weitere Wochen der Krise warten, sondern müssen jetzt handeln."

Für das laufende Geschäftsjahr rechnet das Unternehmen wieder mit einem Gewinn von mehr als 100 Millionen Euro vor Steuern, heißt es in der Mitteilung weiter. "Nun tun wir unter dem Schutzschirm alles dafür, dass wir diesen Weg weitergehen können. Das werden wir auch schaffen!"

Zuvor hatte das Unternehmen bereits mitgeteilt, fällige Mietzahlungen auszusetzen. Eigenen Angaben zufolge verliert Galeria Karstadt Kaufhof durch die Schließung der Warenhäuser seit dem 18. März jede Woche mehr als 80 Millionen Euro Umsatz. Zwar bemühte sich der Konzern in den vergangenen Wochen bereits um staatliche Hilfen. Doch erwies sich eine Einigung mit den Banken schwieriger als erhofft. Finanzvorstand Miguel Müllenbach klagte, der Prozess, in dem Geschäftsbanken eine entscheidende Rolle spielen, sei bürokratisch und koste wertvolle Zeit. Nun habe man nicht mehr länger warten können.

Krise trifft das Unternehmen in der Restrukturierung

Die angeordneten Ladenschließungen für die meisten sogenannten Non-Food-Geschäfte stellen zurzeit viele deutsche Handelsketten vor große Probleme, weil plötzlich der Umsatz fehlt, die Kosten aber weiterlaufen. Für Galeria Karstadt Kaufhof ist die Situation allerdings doppelt schwierig - denn die Krise trifft das Unternehmen mitten im Restrukturierungsprozess.

Die Warenhäuser kämpfen schon seit Jahren mit Umsatzrückgängen und roten Zahlen. Der Onlinehandel, Einkaufscenter und veränderte Einkaufsgewohnheiten forderten ihren Tribut. Der Zusammenschluss von Karstadt und Kaufhof galt deshalb als letzte Chance für das in die Jahre gekommene Geschäftsmodell.

Der Konzern teilte mit, die Geschäftsführung werde das Schutzschirmverfahren nutzen, um die Restrukturierung fortzusetzen und das Unternehmen zukunftsfähig neu aufzustellen. Die Signa-Gruppe des Galeria-Karstadt-Kaufhof-Eigentümers René Benko werde dafür zusätzliche Beträge in dreistelliger Millionenhöhe zur Verfügung stellen.

brt/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.