Angeschlagene Handelskette Gläubiger stimmen für Rettungsplan von Galeria Karstadt-Kaufhof

Die Gläubiger von Galeria Karstadt Kaufhof wollen die insolvente Warenhauskette retten: Auf einer Versammlung haben sie den Insolvenzplan gebilligt. Dabei verzichten sie auf viel Geld.
Von der Schließung betroffene Filiale in Essen

Von der Schließung betroffene Filiale in Essen

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Martin Meissner / AP

Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof hatte in den vergangenen Wochen umfassende Pläne für Filialschließungen vorgelegt. Nun kann das Unternehmen weitermachen.

In Essen hat die Gläubigerversammlung von Deutschlands letzter großer Warenhauskette dem von der Unternehmensführung unter Aufsicht des Sachwalters Frank Kebekus erarbeiteten Insolvenzplan zur Rettung des Traditionsunternehmens zugestimmt. Sechs Stunden lang hatten sie zuvor hinter verschlossenen Türen mit der Geschäftsleitung, Kebekus sowie dem Generalbevollmächtigten Arndt Geiwitz über die Zukunft des Konzerns beraten. 

In einem nach dem Ja der Gläubiger verschickten Mitarbeiterbrief wurde der neue Konzernchef Miguel Müllenbach mit den Worten zitiert: "Der heutige Tag ist der Startschuss für einen Neuanfang, denn unser Unternehmen hat jetzt wieder eine gesunde Basis und die Aussicht auf eine sichere Zukunft."

Das Insolvenzfahren soll nach den Plänen der Unternehmensführung noch in diesem Monat abgeschlossen werden. Das Unternehmen könne sich dann voraussichtlich schon im Oktober wieder ohne insolvenzrechtliche Einschränkungen und schuldenfrei dem Wettbewerb um die Kunden stellen, wird Müllenbach zitiert. "Wir werden dann stärker und besser aufgestellt sein als vor der Coronakrise, die voraussichtlich schon im Herbst noch einige Unternehmen in Schieflage bringen wird, die sich, anders als wir, hoch verschuldet haben."

5000 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz

Für die Gläubiger bedeutet der Schritt allerdings den Verzicht auf einen Großteil des Geldes, das ihnen der Warenhauskonzern noch schuldet. Insgesamt müssen die Lieferanten, Vermieter und sonstigen Gläubiger nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa auf mehr als zwei Milliarden Euro verzichten. Allein die Zugeständnisse der Vermieter hatten jedoch auch Hunderte Arbeitsplätze gerettet.

Dennoch bedeutet die Sanierung auch für viele Beschäftige eine Zäsur. Der Neuanfang bedeutet das Aus für fast 50 Warenhäuser, die nach Einschätzung der Firmenleitung keine Perspektive mehr haben - und der Schritt bedeutet den Verlust des Arbeitsplatzes für rund 5000 Mitarbeiter. In vielen der betroffenen Warenhäuser hat der Ausverkauf schon begonnen. Viele Kommunen befürchten durch die Schließung der Warenhäuser außerdem eine verringerte Attraktivität ihrer Fußgängerzonen.

Für die Gläubiger gab es trotz der hohen finanziellen Einbußen kaum eine andere Wahl, als dem Plan zuzustimmen. Denn bei einer Ablehnung des Insolvenzplans hätten sie wohl überhaupt nichts von ihrem Geld wiedergesehen. Bei einer Weiterführung können sie dagegen - auch durch einen dreistelligen Millionen-Zuschuss des GKK-Eigentümers René Benko - zumindest damit rechnen, knapp fünf Prozent ihrer Forderungen bezahlt zu bekommen. Bis Freitag sollen in Essen weitere Gläubigerversammlungen für Tochterunternehmen stattfinden.

Ver.di-Mitglieder demonstrieren

Vor Beginn des nicht öffentlichen Treffens am Dienstag hatten Betriebsräte und Tarifkommissionsmitglieder der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di gegen die geplanten Filial- und Stellenstreichungen protestiert. "Das ist ein Plan, und Pläne können angepasst und verändert werden", sagte Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Die Gläubigerversammlung sei ein "Zwischenschritt". Insolvenzverwalter, Management und der Eigentümer Signa müssten in die Verantwortung genommen werden; gleichzeitig müsse weiter mit den Kommunen über die Zukunft der Filialen gesprochen werden, verlangte sie.

Galeria Karstadt Kaufhof, seit 2019 vollständig im Besitz der Signa-Gruppe des Österreichers René Benko, war durch die Corona-bedingte Schließung aller Filialen in eine schwere Krise geraten und hatte Anfang April Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Das Unternehmen berichtete damals, es erwarte allein in diesem Jahr durch Corona einen Umsatzverlust von einer Milliarde Euro.

Mitte Juni kündigte das Unternehmen dann an, im Rahmen seiner Sanierungspläne insgesamt 62 der 172 Warenhäuser schließen zu wollen. Zwischenzeitlich konnte die Zahl der zu schließenden Filialen auf 46 reduziert werden. Durch den Sanierungsplan erhofft sich Galeria Karstadt Kaufhof nun eine Erholung.

apr/dpa/AFP
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