Einigung mit Betriebsrat Galeria Karstadt Kaufhof schließt 62 Filialen

Für Galeria Karstadt Kaufhof gibt es einen Sanierungsplan. 62 Filialen sollen geschlossen werden, dabei könnten bis zu 6000 Stellen wegfallen. Dafür sind Einschnitte in den übrigen Filialen vom Tisch.
Galeria-Kaufhof-Filiale in Stuttgart

Galeria-Kaufhof-Filiale in Stuttgart

Foto: Ralph Peters/ imago images/Ralph Peters

Der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof will 62 seiner 172 Filialen schließen. Nach zähen Verhandlungen steht laut Insidern nun eine entsprechende Vereinbarung mit Betriebsrat und Gewerkschaften. Am Freitag soll den Mitarbeitern verkündet werden, welche Filialen betroffen sind. Internen Schätzungen zufolge stehen mit dem neuen Plan zwischen 5000 und 6000 der insgesamt noch 35.000 Arbeitsplätze auf der Kippe.

Die Zahl der Filialschließungen fällt damit etwas geringer aus als zunächst befürchtet. Ursprünglich hatte die Geschäftsführung signalisiert, dass im Zuge der Sanierung des ums Überleben kämpfenden Unternehmens bis zu 80 der 172 Filialen geschlossen werden könnten. Um die Zahl der zu schließenden Warenhäuser zu senken, hatten der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz und Sachwalter Frank Kebekus gemeinsam mit dem Konzernmanagement versucht, Vermieter der Häuser zu Mietsenkungen zu bewegen. Diese hatten sich jedoch zu großen Teilen gesträubt. Noch immer gibt es Hoffnung, dass Vermieter angesichts der jetzt festgezurrten Schließungspläne nachgeben und so mehr Filialen erhalten bleiben könnten. Am Montag soll der Sanierungsplan dem Gläubigerausschuss vorgelegt werden.

Den Arbeitnehmern ist es gelungen, in den Verhandlungen wichtige Forderungen durchzusetzen, heißt es. So ist laut informierten Kreisen der ursprüngliche Plan, in den verbleibenden Filialen die Stellenzahl um zehn Prozent zu kürzen, vom Tisch. Zudem sollen die Warenverräumer nicht mehr in eine eigene Gesellschaft ausgegliedert werden. Für die übrig bleibenden Mitarbeiter wird der zuletzt ausgehandelte Sanierungstarifvertrag weiter gelten, der bis 2024 läuft. Danach wären dort keine weiteren Filialschließungen möglich und kein Stellenabbau. Sollte es die wirtschaftliche Lage von Galeria zulassen, gäbe es sogar Entgeltsteigerungen. Doch das dürfte angesichts der Krisensituation zumindest vorerst unwahrscheinlich sein.

Für die von Schließungen Betroffenen solle es einen Sozialplan geben und eine Transfergesellschaft. Auch in der Zentrale sollen laut Insidern rund 150 Jobs gestrichen werden. Hinzu kommen voraussichtlich 25 Reisebüros. Unklar sei noch immer die Situation für andere Konzernteile wie Karstadt Sport, das Lebensmittelgeschäft oder die Logistik.

Die Deutsche Presseagentur, n-tv.de  und der "Kölner Stadt-Anzeiger " hatten zuerst über den Sanierungsplan berichtet.

Der letzte große deutsche Warenhauskonzern war schon länger in den roten Zahlen, die pandemiebedingte Schließung aller Filialen vertiefte die Krise. Anfang April suchte der Konzern Rettung in einem Schutzschirmverfahren: "Wir gehen von einer Milliarde Umsatzverlust in diesem Jahr aus und rechnen auch nicht damit, dass die Kunden im kommenden Jahr wieder so einkaufen werden wie vor Corona. Das heißt, bis Ende 2022 könnten die Umsatzeinbußen sogar auf insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro steigen", beschrieb der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz im Mai die Probleme.

"Galeria Kaufhof Karstadt ist nicht irgendwer"

Die angekündigten Filialschließungen dürften in den betroffenen Kommunen für erhebliche Unruhe sorgen. Norbert Portz vom Deutschen Städte- und Gemeindebund warnte schon bei Bekanntwerden der ersten Schließungspläne im Mai vor der Gefahr einer Verödung vieler Innenstädte. "Galeria Kaufhof Karstadt ist nicht irgendwer. Die Warenhäuser sind für viele Innenstädte systemrelevant", sagte er. Gerade für viele strukturschwächere Innenstädte sei ein Verlust der Warenhäuser nach seiner Einschätzung kaum auszugleichen.

Die Gewerkschaft Ver.di warnte damals, eine Schließungswelle bei Galeria Karstadt Kaufhof werde Auswirkungen weit über das Unternehmen hinaus haben. Mittelfristig seien dadurch auch Zehntausende von Arbeitsplätzen bei anderen Einzelhändlern und die Attraktivität ganzer Innenstädte bedroht.

Auch die Frage, welche Standorte betroffen sind, will das Unternehmen offenbar am Freitag beantworten. Die Betriebsrätin Iris Geiger, die an den Verhandlungen beteiligt ist, sagte gegenüber n-tv.de über die Gespräche : "Ich habe mich hier in den vergangenen Tagen erpresst gefühlt."

Schon länger kritisiert die Arbeitnehmerseite, dass neben den anvisierten Einsparungen zu wenig über konkrete Ideen in den Planungen erkennbar sei, wie die Warenhäuser langfristig eine Zukunft haben können. Es fehlten strategische Weichenstellungen, die das Unternehmen künftig vor der Gefahr einer Insolvenz bewahrten und stabil aufstellten. Es brauche ein neues Geschäftsmodell für das Warenhaus, fordern sie. "Wir wollen ein nachhaltiges Konzept und eine strategisch gut aufgestellte Ausrichtung des Konzerns und letztlich Manager, die dies auch umsetzen", forderte Ver.di-Verhandlungsführer Orhan Akman.

Im Jahr 2014 hat der österreichische Milliardär René Benko mit seiner Signa-Gruppe den Warenhauskonzern Karstadt übernommen. 2018 folgte die Fusion mit dem Konkurrenten Galeria Kaufhof. Seither hat er deutlich mehr Geld in den Konzern stecken müssen als geplant.

mamk/kig/dpa/Reuters
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