Warenhäuser in der Krise Chef von Galeria Karstadt Kaufhof gibt auf

Mitten im Kampf um sein Überleben sucht der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof einen neuen Chef. Der Vorstandsvorsitzende Stephan Fanderl kehrt nach mehrmonatiger Abwesenheit nicht auf seinen Posten zurück.
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Der angeschlagene Warenhausriese Galeria Karstadt Kaufhof steht kurz vor einem Chefwechsel. Der Vorstandsvorsitzende Stephan Fanderl schlug dem österreichischen Eigner Signa eine einvernehmliche Trennung vor, nachdem Gerüchte über seine bevorstehende Abberufung laut wurden. Über den Führungswechsel war bereits spekuliert worden, auch weil Fanderl seit Längerem nicht mehr in der Unternehmenszentrale gesehen wurde. "Krankheitsbedingt war ich seit Mitte März nicht mehr in die Führung der Geschäfte eingebunden", sagte der Manager dazu der Nachrichtenagentur Reuters.

Im Unternehmen sei es Zeit für einen Neuanfang ohne ihn, so Fanderl. Der Ausbruch der Corona-Pandemie habe "die wirtschaftlichen Voraussetzungen für die fusionierte Warenhausgesellschaft wie für den Handel insgesamt fundamental verändert". Fanderl ist seit 2015 auch Geschäftsführer bei René Benkos Signa Retail, die Gesellschaft bündelt Benkos Handelsbeteiligungen. Auch hier will er ausscheiden.

Für das Unternehmen kommt die Führungskrise zur Unzeit. Erst Anfang April hatte Galeria Karstadt Kaufhof ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Dieses gilt als Vorstufe der Insolvenz, folgt den gleichen Regeln und mündet oft in ein reguläres Insolvenzverfahren. Faktisch hatten mit der Umsetzung des Schutzschirmverfahrens der gerichtlich bestellte Sachwalter Frank Kebekus und der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz die Macht übernommen. Sie arbeiten an einem Sanierungskonzept für den Handelskonzern, das auch auf die Schließung von Filialen und den Abbau von Arbeitsplätzen abzielt.

Fertige Pläne bis zum Monatsende

Bis zu 80 der 172 Kaufhäuser sind vom Aus bedroht, endgültige Entscheidungen gebe es aber noch nicht, hieß es. Die Gewerkschaft Ver.di sprach von einer "beabsichtigten Schließungsorgie" und einem Angriff auf die Existenz Tausender Warenhausbeschäftigter und ihrer Familien. Die Gewerkschaft fordert in Verhandlungen mit dem Management einen Sozialtarifvertrag, der die Folgen von Schließungen für die Beschäftigten abfedern soll. Die Betriebsversammlungen seien der "Auftakt für eine aktive Tarifbewegung".

Bei dem Warenhausunternehmen kamen Mitarbeiter am Montag zu Betriebsversammlungen zusammen. Sie erhoffen sich Klarheit über die Sanierungspläne für den Konzern, dessen Umsätze in der Coronakrise wegbrechen. Die Pläne müssen bis Ende des Monats stehen.

Benkos Signa Holding hatte die Warenhausgruppe und zahlreiche ihrer Immobilien im vergangenen Jahr vollständig übernommen. Der ehemalige Karstadt-Chef Fanderl führte den fusionierten Warenhausriesen seit November 2018. Er hatte Karstadt und dann auch Kaufhof einen strikten Sparkurs verordnet.

rai/Reuters