Verluste nach riskanter Kurswette gegen GameStop Hedgefonds Melvin Capital hat sich verzockt – und muss aufgeben

Der Hedgefonds Melvin Capital wettete massiv gegen die Aktie der Spielekette GameStop – und verlor wohl Milliarden. Mehr als ein Jahr später löst der Gründer den Fonds nun auf.
GameStop-Filiale in St. Louis

GameStop-Filiale in St. Louis

Foto: Jeff Roberson / AP

Das wohl prominenteste Opfer der GameStop-Trading-Saga, der Hedgefonds Melvin Capital, wird aufgelöst. Über ein Jahr nachdem lose organisierte Hobbyanleger den Aktienkurs des Videospielanbieters in astronomische Höhen befördert hatten, teilte der Fondsgründer Gabe Plotkin das Aus in einem Schreiben an Kunden mit. Zuerst hatte die »Financial Times« berichtet.

Die letzten 17 Monate seien »eine unglaublich herausfordernde Zeit« für das Unternehmen und Investoren gewesen, heißt es in dem Schreiben. Plotkin habe alles gegeben, aber es nicht geschafft, die Gewinne zu erwirtschaften, die seine Kunden erwartet hätten. Plotkin kündigte an, kein Fremdkapital mehr verwalten zu wollen.

Prominenter Verlierer

Melvin Capital war einer der prominentesten Leerverkäufer von GameStop. Der Fonds hatte mit dem Vermögen seiner Investoren darauf gewettet, dass der Kurs des Unternehmens fallen würde – eine schlechte Ausgangslage, als der Kurs im Januar 2021 um zwischenzeitlich 2400 Prozent in die Höhe schoss.

Als Auslöser gelten Kleinanleger, die sich auf dem Reddit-Forum WallStreetBets lose organisiert hatten, um den Kurs der GameStop-Papiere nach oben zu bewegen und Leerverkäufer wie Melvin Capital bei dem sogenannten Short Squeeze in die Enge zu treiben. Auch institutionelle Investoren profitierten teilweise massiv von den Kurskapriolen.

Vor der GameStop-Saga hatte Melvin Capital nach eigenen Angaben rund 12,5 Milliarden Dollar verwaltet. Insgesamt soll Melvin Capital allein im Januar 2021 einen Verlust von rund 55 Prozent gemacht haben.

Hohe Verluste

Doch selbst nach dem Fiasko gab es prominente Unterstützer: Mehrere Fonds, unter anderem Citadel und Point72 des Investors Steve Cohen, investierten insgesamt 2,75 Milliarden Dollar in Melvin Capital. Einige der GameStop-Verluste konnte Plotkins Fonds im Rest des Jahres wiedergutmachen. Das Jahr 2022 brachte jedoch erneut Einbrüche: Allein in den ersten vier Monaten verlor Melvin Capital mehr als 23 Prozent seines Wertes.

Plotkin hatte Melvin Capital 2014 gegründet und galt als ein talentierter Investor. So hatte er im Jahr 2020 Gewinne in Höhe von etwa 30 Prozent erwirtschaftet.

Der Fonds ist nicht das erste Opfer des Short Squeeze bei GameStop: Schon im Juni 2021 kündigte der Hedgefonds White Square Capital seine Schließung an.

jlk