Garantielast durch Altverträge Lage für deutsche Lebensversicherer wird brenzliger

Hohe Garantien für Altverträge: Rund ein Drittel der deutschen Lebensversicherer schafft die Erträge nicht mehr, um garantierte Zinsen und nötige Reserven zu decken. Neue Erlösquellen müssen her.
Seniorinnen auf einer Parkbank

Seniorinnen auf einer Parkbank

Foto: Uli Deck/ dpa

Für deutsche Lebensversicherer wird die Situation laut zwei Studien immer brenzliger. Bei 30 der insgesamt 84 Unternehmen der Branche reichten die Erträge aus Kapitalanlagen im vergangenen Jahr nicht aus, um die Garantiezinsen und die vorgeschriebene Reserve zu decken, zeigt eine am Montag veröffentlichte Studie des Lebensversicherungsaufkäufers Policen Direkt.

Die Versicherer müssten sich daher aus anderen Ertragsquellen wie sinkenden Verwaltungskosten sowie Risikogewinnen bedienen, die dann zu großen Teilen den Kunden zugutekommen. Grund für die Probleme sind die anhaltenden Niedrigzinsen - und die hohen Garantien für alte Verträge.

"Unsere Analyse zeigt, dass die Belastung der Lebensversicherer stark zunimmt", sagte Henning Kühl, Chefaktuar von Policen Direkt. Für einige Lebensversicherer sei dies alarmierend - gerade mit Blick auf die Diskussion über die Abgabe ganzer Lebensversicherungsbestände an Abwicklungsgesellschaften, dem sogenannten Run-off.

Versicherer wie die Munich-Re-Tochter Ergo und Generali prüfen einen solchen Verkauf ihrer alten Lebensversicherungsbestände in Deutschland. Marktführer Allianz hat diesen Schritt für sich ausgeschlossen, sein Geschäft aber weitgehend auf neuartige Verträge ohne klassischen Garantiezins umgestellt.

Situation der Versicherungen sehr unterschiedlich

Laut der Kölner Ratingagentur Assekurata schmolz der Ertragspuffer der Lebensversicherer im vergangenen Jahr weiter zusammen. Zieht man von den kundenbezogenen Kapitalerträgen die Verpflichtungen für laufende Garantiezinsen und die Zinszusatzreserve (ZZR) für alte Verträge ab, blieb ein Puffer von 0,22 Prozent der Deckungsrückstellung. Im Vorjahr war er noch doppelt so groß gewesen. 2014 lag er mit 0,7 Prozent noch deutlich höher.

"Dies erhöht den Druck auf alternative Ertragsquellen und lässt die Querverrechnungsgefahr zwischen den Ergebnistöpfen steigen", sagte Assekurata-Chefanalyst Lars Heermann. Hiervon seien auch Kunden einer Risikolebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherung betroffen, die bei einer Querverrechnung aus dem Risikoergebnis des Versicherers mit höheren Beiträgen zu rechnen hätten.

Insgesamt stehen die einzelnen Lebensversicherer höchst unterschiedlich da. Laut Policen Direkt betragen die Erträge bei der Allianz fast 128 Prozent der Verpflichtungen. Die Generali Lebensversicherung liegt mit knapp 88 Prozent unter der 100-Prozent-Marke. Die Ergo-Tochter Victoria kommt auf 92 Prozent, die Ergo Leben liegt mit 108 Prozent im grünen Bereich.

Dank hoher Bewertungsreserven reichen die Kapitalanlagen der Lebensversicherer im Marktschnitt aus, um die Anforderungen an die Garantien fast 3,5-mal zu finanzieren, rechnete die Assekurata vor. Beim Vergleich der Unternehmen gebe es allerdings große Unterschiede.

kig/dpa
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