Energie aus Russland Gazprom will fast zwei Milliarden Dollar Vorkasse von Ukraine

Der russische Energieversorger Gazprom erhöht den Druck auf die Ukraine: Allein für Gaslieferungen im Juni soll die Regierung in Kiew 1,66 Milliarden Dollar im Voraus zahlen.

Gazprom-Logo in Sankt Petersburg: Frist bis zum 2. Juni
REUTERS

Gazprom-Logo in Sankt Petersburg: Frist bis zum 2. Juni


Moskau - Für Gaslieferungen im Juni hat der russische Energiekonzern Gazprom der Ukraine vorab 1,66 Milliarden Dollar in Rechnung gestellt. Der ukrainische Versorger Naftogaz sei aufgefordert worden, den Betrag bis zum 2. Juni zu überweisen, sagte Gazprom-Sprecher Sergej Kuprianow laut russischen Nachrichtenagenturen. Die Lieferung umfasse dem Vertrag zufolge 114 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag.

Damit erhöht Gazprom im politischen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine den Druck. Bereits in der vergangenen Woche hatte Russland angekündigt, wegen unbeglichener Schulden werde man Gas an die Ukraine künftig nur noch gegen Vorkasse liefern. Gazprom zufolge betragen die Verbindlichkeiten inzwischen mehr als 3,5 Milliarden Dollar.

Die Ukraine will eine Änderung des 2009 geschlossenen Vertrags, der die Abnahme einer festen Menge zu einem Preis von 485 Dollar je Kubikmeter vorsieht. Russland senkte diesen Preis vorübergehend, als der damalige ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch von einem Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union abrückte, hob ihn nach Janukowitschs Sturz aber wieder an. Mittlerweile muss die Regierung für russisches Gas europaweit einen der höchsten Preise zahlen.

Gazprom zufolge reichen die Gasvorräte der Ukraine nicht, um problemlos über den nächsten Winter zu kommen. Das Land brauche insgesamt 18,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas in seinen Speichern, habe derzeit aber nur die Hälfte, sagte der stellvertretende Gazprom-Chef Witali Markelow.

Die Lieferungen an die anderen europäischen Abnehmer über den Transit durch die Ukraine sind nach den Worten eines Gazprom-Managers nach wie vor stabil. Bei einer Drosselung der Lieferungen an die Ukraine wäre aber auch die Gasversorgung für viele EU-Staaten in Gefahr. Vertreter von EU, Russland und der Ukraine trafen sich am Montag in Brüssel, um ein neues Spitzentreffen mit EU-Energiekommissar Günther Oettinger zur Beilegung der Gasstreits vorzubereiten. Nach russischen Angaben könnte das Treffen am 16. Mai in Athen stattfinden.

dab/dpa/Reuters/AFP

insgesamt 44 Beiträge
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nervmann 13.05.2014
1. Nicht blöd, die Russen
Die Ukraine hat die Kohle nicht, also kommt sie von der EU und die Russen bekommen so, was sie wollen. Sanktionen hin, Sanktionen her. Tja, wer nicht bereit ist zu verzichten, der ist eben erpressbar.
didi41 13.05.2014
2. Der Wolf im Schafspelz
Putin, der Wolf im Schafspelz (habe ich schon gesagt, als der ins Amt kam!) heizt immer weiter die Destabilisierung der Ukraine an, auch ohne Einmarsch von Truppen.
women_1900 13.05.2014
3.
Jetzt darf man wieder auf diejenigen warten, die laut schreien wie furchtbar doch Russland ist. Fakt ist, wenn ich meine Rechnungen nicht bezahle bekomme ich auch nur noch gegen Vorkasse etwas.
gog-magog 13.05.2014
4.
Das habe ich ja noch nie gehört. Das machen vielleicht Banken so, aber nicht der Media-Markt an der Ecke. Das ist absolut unüblich.
Reziprozität 13.05.2014
5. ll
Zitat von didi41Putin, der Wolf im Schafspelz (habe ich schon gesagt, als der ins Amt kam!) heizt immer weiter die Destabilisierung der Ukraine an, auch ohne Einmarsch von Truppen.
Wer seine Rechnungen nicht bezahlt, kann eben nicht stabil sein. Vorkasse ist das einzige Mittel um Schuldner auf den richtigen Weg zu bringen.
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